Mo. 25.09.2017 / 20:00

ARRIVAL

Ein Exkurs in die Rätsel unseres Daseins.

© 2016 CTMG

Angenommen die Menschheit bekommt Besuch aus dem All und das Unvorstellbare passiert: Trotz Massenpanik und Weltuntergangsstimmung denken die Aliens gar nicht daran, Unschuldige zu entführen, wichtige Gebäude zu sprengen, die Menschheit auszurotten oder zwecks Energiegewinnung unseren Erdkern anzubohren. Stattdessen verhalten sie sich ruhig und verlassen ihre Raumschiffe nicht. Bei den ersten Kontaktversuchen unsererseits, durchgeführt von todesmutigen Spezialeinheiten, tun sie im Gegenteil etwas, worauf uns Literatur und Kino nie angemessen vorbereitet haben: Sie signalisieren den Wunsch nach Kommunikation. Was nun? Präzise an diesem Problem, an dem guter Rat für die Menschheit teuer ist, setzt Denis Villeneuves großartiger Film an. Und damit wird die Sache ernst. Denn nun wird eine sehr reale Frau, eine Koryphäe der vergleichenden Sprachwissenschaft, aus ihrem Alltag herausgerissen und in einen Militärhelikopter verfrachtet. Die Linguistin Dr. Louise Banks erlebt zunächst das mögliche Ende der Welt wie jeder andere, denn der Zugang zu den Aliens wird bereits vom Militär kontrolliert. Sie sitzt mit gemischten Gefühlen in diesem Helikopter: Weil einerseits klar ist, dass ihr nächster Schritt auch ihr letzter sein kann, weil aber andererseits der Zugang zur Wahrheit natürlich von großem Wert ist. Ihrem ungläubigen Einsatzleiter versucht sie klarzumachen, dass es erforderlich ist, mit dem unbekannten Sprecher zu reden, um eine neue Sprache zu erfassen. Der Versuch einer Annäherung kann beginnen. Die überzeugenden Schauspieler, das betörende visuelle Konzept, die teils abgründige Musik – diese Elemente verbinden sich zu einer großen, emotionalen Filmgeschichte.

Di. 26.09.2017 / 20:00

THE PARTY / English Cinema OmU

„A comedy of tragic proportions“

© 2017 Adventure Pictures Ltd

Janet ist gerade zur Ministerin ernannt worden – die Krönung ihrer politischen Laufbahn. Mit ihrem Mann Bill und ein paar engen Freunden soll das gefeiert werden. Die Gäste treffen in ihrem Londoner Haus ein, doch die Party nimmt einen anderen Verlauf als erwartet. Bill platzt mit gleich zwei explosiven Enthüllungen heraus, die nicht nur Janets Existenz in den Grundfesten erschüttern. Liebe, Freundschaften, politische Überzeugungen und Lebensentwürfe stehen plötzlich zur Disposition. Unter der kultivierten linksliberalen Oberfläche brodelt es, und in der Auseinandersetzung werden schließlich scharfe Geschütze aufgefahren. In ihrem neuen Kinofilm lädt die britische Regisseurin und Drehbuchautorin Sally Potter namhafte Akteure zur Party. Was als Komödie mit hintersinnigem Witz und scharfen Dialogen beginnt, kippt in die Tragödie. Wenn dem Leben mit Argumenten nicht mehr beizukommen ist, wird unversehens um den Fortbestand der nur scheinbar gefestigten Existenzen gerungen. Die Spielfreude des hochkarätigen Ensembles überzeugt in jeder Szene – ob beim philosophisch-existentialistischen Wortgefecht oder dem ganz banalen Faustschlag.

So. 01.10.2017 / 11:00

ROBERT FRANK – DON´T BLINK

Ein Porträt des exzentrischen Fotografen und Filmemachers.

© 2017 Grandfilm

Spontaneität und Improvisationslust sind seine Energiequelle: „I create chaos“, sagt Frank in diesem Film. Es gelte, sich niemals zu wiederholen. Sein exzentrisches Werk führt ihn von den Beatniks bis zu den Hippies. Im kenntnisreichen Soundtrack sind Wahlverwandte wie Patti Smith und Tom Waits zu hören, Bob Dylan singt sein „Hiding To Long“, als meine er den inzwischen zurückgezogen lebenden 93jährigen Exilschweizer. Laura Israel, seine langjährige Mitarbeiterin, versammelt in ihrem Film Impressionen aus seinem Leben und Werk mit privilegiertem Zugang zu seinen Lebensräumen.

So. 01.10.2017 / 20:00

GIMME DANGER

Ein Filmessay von Jim Jarmusch über Iggy Pop und “The Stooges“.

© 2017 Studiocanal

Iggy Pop ist seit vielen Jahren ein enger Freund von Jim Jarmusch und hat hier (“Coffee & Cigarettes”, 1993) und da (“Dead Man”, 1995) in dessen Filmen mitgespielt. “Gimme Danger” erzählt die Geschichte der Stooges, Iggy Pops erster Band, die aufgrund ihres hart und rotzig gespielten Rock’n'Rolls nicht selten als Vorbild für die Punkbands der späten Siebziger galten. Die exzentrische Bühnenshow war ihre Art der Protesthaltung, die sich stark von der Flower Power Bewegung ihrer Zeit abhob, aber nicht minder auch einen Bruch mit gesellschaftlichen Regeln und Zwängen darstellte. Jarmusch verfolgt die Stooges von der Gründung 1968 bis zur frühen Auflösung und nimmt den Faden 2003 wieder auf, als sich die Band für einige Jahre wieder zusammenfand. Das Portrait einer Kultband!

Mo. 09.10.2017 / 20:00

KATHARINA LUTHER

500 Jahre Reformation: Ein Filmbeitrag zur Veranstaltungsreihe der Evang.-Luth. Kirchengemeinde Landsberg.

© Eikon Film

Katharina von Bora wird als Kind von ihrem Vater zur Erziehung in das Augustiner-Chorstift Brehna gebracht. Später wechselt sie in das Zisterzienserkloster Marienthron in Nimbschen, wo sie Ave von Schönfeld begegnet. Sie lebt als Nonne das für sie bestimmte Leben, bis sie mit Anfang 20 durch die Schriften Martin Luthers mit einer völlig neuen Gedankenwelt in Berührung kommt. Tief beeindruckt von Luther bricht sie mit einigen ihrer Mitschwestern aus der Enge des klösterlichen Lebens aus und flieht nach Wittenberg. Ohne rechtliche Stellung, ohne Einkommen und verstoßen von ihre Familie kommt sie, zusammen mit ihrer Freundin Ave, schließlich bei der Familie Cranach unter. Sie muss feststellen, dass ihr unter den gegebenen gesellschaftlichen Umständen auf Dauer nur die Heirat bleibt, um ihren Lebensunterhalt zu sichern, was sie zunächst vehement ablehnt. In ihrer Haltung wird sie zunehmend von Martin Luther in Schutz genommen, dem sie sich in ihren Idealen sehr verbunden fühlt. Katharina beschließt den Reformator zu heiraten obwohl sie im zum Teil noch katholisch geprägten Wittenberg aufgrund ihrer Verbindung zu ihm geächtet wird. Sie lässt den gemeinsam bewohnten Hof erneuern und erwirbt so den Respekt der männerdominierten Gesellschaft. Um den Lebensunterhalt zu finanzieren nimmt sie Studenten auf und baut selbst Gemüse und Kräuter an. Sie wird zur angesehenen Wirtschafterin und zur gleichberechtigten Gesprächspartnerin. 15 Jahre später haben Katharina und Martin Luther sechs Kinder. Luther erkennt in seiner Frau und seinen Kindern seinen größten Reichtum .Konsequent aus der Perspektive von Katharina von Bora hat Julia von Heinz die private Geschichte der Reformation verfilmt. Ohne Thesenanschlag.

Julia von Heinz wird persönlich anwesend sein. Herzlich willkommen!

Di. 10.10.2017 / 20:00

EL OLIVO / DER OLIVENBAUM Cine Español OmU

Ein Film voller Humor und Lust, die Welt zu verändern.

© Jose Haro Piffl Medien

Neben ihrem alternden Großvater Ramón liebt Alma nichts so sehr wie einen der alten, knorrigen Olivenbäume, der sich seit ewigen Zeiten im Besitz der Familie befand. Doch der Baum ist längst verschwunden, im Zuge der Wirtschaftskrise zu Geld gemacht, für 30.000 Euro verkauft, viel Geld, das aber längst in einem anderen Projekt verbrannt wurde. Der Großvater lebt immer noch mit seiner Familie auf der Farm, doch zunehmend macht ihm das Alter zu schaffen. Immer häufiger wandert er durch die Gegend, auf der Suche nach dem Olivenbaum. Alma spürt das und macht per Internet den aktuellen Standort des Baums ausfindig: Eine Bank in Düsseldorf, die den Baum sogar als Signet benutzt. Entschlossen überredet  Alma ihren Onkel und ihren Freund, sich auf die Reise nach Deutschland zu machen. Wie genau sie den Baum zurückbekommen könnte, weiß sie zwar noch nicht, aber wo ein starker Wille ist, scheint es auch einen Weg zu geben… Befreiend und tief bewegend, ein wunderschöner Film, der Mut macht.

So. 15.10.2017 / 11:00

DAVID LYNCH – THE ART LIFE

Ein Porträt, das das Leben des Künstlers und Regisseurs von der Kindheit bis zu seinen Anfängen in Hollywood betrachtet.

© NFP Filmwelt 2017

Der Film spürt mit der Malerei einer frühen Passion des Kultfilmemachers nach und zeichnet ein intimes Porträt der Jugend des Regisseurs. Lynchs Blick offenbart nicht nur das Unheimliche dem der Wirklichkeit zugrunde liegenden Unbewussten, sondern fasst den Spuk des Augenscheins selbst ins Auge. Zu zeigen, dass diese Weise des Sehens bereits mit seinen malerischen und skulpturalen Arbeiten ihren Anfang nimmt, ist ein Verdienst dieses großartigen Dokumentarfilms. Er zeichnet den Weg Lynchs von Philadelphia nach Los Angeles nach, wo der vergeistigte junge Maler an der Filmschule erste Kino-Gehversuche unternimmt. Das berühmte kalifornische Licht sieht bei ihm anders aus als bei anderen, und das hat einen Grund: „Farbe ist für mich zu real, sie lässt wenig Platz für Träume. Je mehr schwarz man zu einer Farbe mischt, umso mehr Traumqualität bekommt sie. Schwarz hat Tiefe.“ Der Film ist auch eine Autobiografie Lynchs, dessen Stimme im Voice-over zu hören ist. Gewidmet ist der Film seiner kleinen Tochter – Lula Lynch. Wenn er sich an sie wendet, scheint sich bei ihr kein bisschen Trübnis ins Bild zu mischen.

So. 15.10.2017 / 20:00

SILENCE

Martin Scorseses filmische Meditation über Religion und Glauben nach dem Roman von Endō Shūsaku.

© Concorde 2016

1638 brechen Pater Sebastião Rodrigues und Pater Francisco Garupe von Portugal aus ins für die westliche Welt völlig abgeschottete Japan auf, um der Wahrheit hinter den undenkbaren Gerüchten nachzugehen, dass ihr berühmter Lehrer Cristóvão Ferreira seinem Glauben abgeschworen habe. Nach ihrer Ankunft erleben sie die brutale und unmenschliche Verfolgung der Christen durch die japanischen Machthaber. Angesichts der Ereignisse in einer Gesellschaft, die keine Toleranz kennt und in der der Tod an der Tagesordnung ist, stellt sich Sebastião auf seiner Reise durch das von der Gewaltherrschaft der Shōgune zerrissene Land die immerwährende Frage: Wie kann Gott zu all dem schweigen? Den gleichnamigen Roman, den Endō Shūsaku auf Basis historischer Quellen entfaltete, wollte Martin Scorsese schon seit Jahrzehnten verfilmen. Mehr als zweieinhalb Stunden dauert nun diese Passionsgeschichte, in der keine Sekunde verschwendet ist, um die Hingabe und das Ringen, den Zweifel und die Beharrlichkeit auf und ab wogen und sich brechen zu lassen wie die Flutwellen an den ertrinkenden Gefolterten.

Mo. 16.10.2017 / 20:00

DIE VERFÜHRTEN

Sofia Coppola verfilmt eine Geschichte über weibliche Sehnsüchte und Solidarität.

© 2017 Universal Pictures International Germany GmbH

Der Film spielt während des amerikanischen Bürgerkrieges im Jahre 1864 in Virginia: Die  elfjährige Amy, Schülerin eines Mädchenpensionats, entdeckt beim Pilze sammeln im Wald in der Nähe der Schule  den schwer am Bein verwundeten Soldaten John McBurney aus den verfeindeten Nordstaaten. Er bittet sie, ihm zu helfen. Sie stützt ihn auf dem Weg zur Schule und bittet die Schulleiterin Martha Farnsworth um Hilfe. Martha Farnsworth und die Lehrerin Edwina Morrow nehmen sich daraufhin seiner Pflege an und verstecken ihn in der Schule vor den gegnerischen Soldaten. Während er sich von seiner Verwundung erholt, buhlen die Frauen und Mädchen um seine Aufmerksamkeit. Sie machen ihm Geschenke, schmücken sich und bereiten ihm ein üppiges Festessen. McBurney zeigt sich allen gegenüber äußerst freundlich. Als er wieder auf den Beinen ist, macht er sich als Gärtner nützlich. Er hat offenbar Angst davor, in den Krieg zurückzukehren. Als Miss Farnsworth andeutet, er sei gesund genug, um die Schule wieder zu verlassen, versucht er sie zu überzeugen, ihn als Gärtner zu behalten. Außerdem gesteht er Miss Morrow, er habe sich in sie verliebt. Die Situation droht zu eskalieren. Aber es herrscht eine hartnäckige Solidarität unter den Frauen, die sich am Ende zu einem rebellischen Akt formiert. Die raffinierte Parabel besticht ebenso durch schauspielerische Glanzleistungen wie durch das ausgeklügelte Arrangement von Allegorie und Interaktion. Eine Geschichte von Trugbildern moralischer, emotionaler und psychologischer Natur. Sofia Coppola erhielt  2017 in Cannes den Preis für die beste Regie.

Mo. 23.10.2017 / 20:00

PARADIES

Wie werden Menschen zu Tätern? Ein großartiger Film über den Verlust der Menschlichkeit.

© 2017 Alpenrepublik

Frankreich im Zweiten Weltkrieg: Die adelige Exilrussin Olga, Redakteurin bei einer renommierten Modezeitschrift, engagiert sich heimlich für die französische Widerstandsbewegung. Die gefährliche Tätigkeit wird ihr zum Verhängnis, als deutsche Besatzer bei einer Razzia in ihrer Wohnung zwei jüdische Kinder entdecken, die sie dort versteckt hält. Im Gefängnis fällt die elegante junge Frau dem Nazi-Kollaborateur Jules auf, der für ihren Fall zuständig ist. Der Familienvater stellt ihr eine mildere Bestrafung in Aussicht, sollte sie seinen sexuellen Avancen nachgeben. Olga ist zu allem bereit, um ihre Freiheit wiederzuerlangen und willigt ein. Doch als Jules auf unerklärliche Weise verschwindet, wird sie umgehend in ein Konzentrationslager gebracht. Inmitten dieser Hölle auf Erden trifft sie unverhofft auf Helmut, der sich während eines weit zurückliegenden Sommers in sie verliebte und immer noch Gefühle für sie hegt und es zum hochrangigen SS-Offizier gebracht hat. Obwohl er ein glühender Verehrer des Führers ist und begeistert an der Verwirklichung von Hitlers Traum vom „deutschen Paradies“ mitwirkt, nimmt er die Beziehung zu Olga wieder auf. Eine hochgradig destruktive Beziehung, die aber Olga auch die Möglichkeit zur Flucht eröffnet. In intensiven Bildern geht der Film an die Grenzen der Gefühle und erzählt von der Unmöglichkeit der Liebe in Zeiten des Krieges, wenn Zivilisation und Menschlichkeit nahezu vollständig versagen.