So. 11.09.2016 /

Sommerferien

Liebe Filmfreunde,

Das Filmforum macht Sommerpause. Das Herbstprogramm beginnt am 11. September, mit einer Matineevorstellung von: Peggy Guggenheim – Ein Leben für die Kunst.

Wir wünschen Ihnen schöne Sommerferien.

Ihr Filmforums- Team

So. 11.09.2016 / 11:00

PEGGY GUGGENHEIM

Ein Leben für die Kunst in einem vielschichtigen Porträt.

In dieser Dokumentation wird der sensible wie temperamentvolle Charakter der Kunst-Ikone mit jahrelang verschollenen Tonbandaufnahmen zum Leben erweckt. „In meinem Leben ging es nur um Kunst und Liebe“ hören wir die einflussreiche Kunstsammlerin sagen, die in enger Beziehung zu Max Ernst, Marcel Duchamps, Alexander Calder, Jackson Pollock, Man Ray, Salvatore Dalí, René Magritte, Yves Tanguy, Wassily Kandinsky und Samuel Beckett stand. Neben all diesen Begegnungen erzählt der Film aber auch die Geschichte zweier Kontinente und der Stationen, die die in New York 1898 geborene Millionenerbin machte. Paris, London, New York und Venedig heißen die. Zwischen ihnen liegen Ausstellungen, Galeriegründungen, das Entstehen ganzer Kunstrichtungen und der ewige Wunsch, eine Brücke zu schlagen – von der einen in die andere Welt. Peggy Guggenheim starb 1979 in Venedig. Immer war die Lagunenstadt für sie ein Sehnsuchtsort gewesen. Es sollte auch immer der Ort von Guggenheims Sammlung, ihrem Vermächtnis werden. Die findet sich heute noch in ihrem Palazzo, in dem die Peggy Guggenheim Foundation untergebracht ist.

So. 11.09.2016 / 20:00

TONI ERDMANN

Bei der Premiere in Cannes mit stehenden Ovationen gefeiert.

Maren Ades fein beobachteter und gleichzeitig zum Schreien komischer Film über eine fast normale Vater-Tochter-Beziehung ist ein Triumph für den deutschen Film und seine zwei Hauptdarsteller Sandra Hüller und Peter Simonischek. Diese Seite würde nicht ausreichen, um die überschwänglichen Elogen bei seiner Weltpremiere ausgelöst hat, zu fassen. 10 von 10 möglichen Punkten gab es von der Kritik zu dieser feinsinnigen Tragikomödie: Winfried ist ein 65-jähriger Musiklehrer mit einem ausgeprägten Hang, den Clown zu spielen, und der mit seinem alten Hund zusammenlebt. Seine Tochter Ines hingegen ist das absolute Gegenteil. Als ehrgeizige Unternehmensberaterin reist sie um die Welt von einem Projekt zum nächsten, um die Karriereleiter steil nach oben zu klettern. Vater und Tochter leben mehr oder weniger aneinander vorbei. Erst als Winfrieds Hund stirbt, erscheint er mit Scherzgebiss, Langhaarperücke und Sonnenbrille bei seiner Tochter, die in Rumänien mit einer komplizierten Transaktion beschäftigt ist. Ines ist entsetzt. Als sich Winfried auch noch in sein Alter Ego Toni Erdmann verwandelt, streiten sie sich noch mehr…und kommen sich dabei durch alle Nuancen der Verzweiflung, der Hilflosigkeit und der Zärtlichkeit langsam wieder näher.

Mo. 12.09.2016 / 20:00

SEEFEUER / FUOCOAMMARE

Der Dokumentarfilm gewann in diesem Jahr den Wettbewerb der Berlinale.

Eine Langzeitbeobachtung von Gianfranco Rosi auf Lampedusa , wo das Sterben der Bootsflüchtlinge und der Inselalltag verstörend unverbunden nebeneinander stehen. Es ist dieser gespenstische Kontrast, den Rosis Film beschwört, denn er macht deutlich, wozu der Dokumentarfilm gerade auch in Abgrenzung zum Nachrichtenjournalismus in der Lage ist. Um diesen Bildern etwas entgegenzusetzen, zog Rosi nach Lampedusa und filmte über ein Jahr lang den Inselalltag: Fischfang, Hausarbeit, Kinderspiele. Von der anderen Realität der Insel – dem Sterben der Flüchtlinge auf dem Meer – war dabei zunächst wenig zu sehen. In den letzten 20 Jahren sind 400.000 Migranten auf Lampedusa gelandet und mehr als 15.000 Flüchtlinge aus Afrika bei dem Versuch gestorben, nach Europa zu kommen. Das Nebeneinander der beiden Welten wird zur eindringlichen Metapher für die Blindheit Europas für die Katastrophe, die sich am Rande des Kontinents abspielt. Etwa wenn Rosi den 12-jährigen Samuele bei seinen Streifzügen über die Insel begleitet, der mit seiner Schleuder auf Vögel und Kakteen schießt. Er wird schnell seekrank und hat eine Sehschwäche – auch das könnte man als Metapher des Wegsehens des Westens deuten.

Sa. 17.09.2016 / 16:30

DAS SALZ DER ERDE

Ein Film-Beitrag zur Langen Kunstnacht 2016

„Das Salz der Erde“ ist ein Dokumentarfilm über das Leben und Werk des brasilianischen Fotografen Sebastião Salgado in der Ko-Regie von dessen Sohn Juliano und dem Regisseur Wim Wenders. Sebastião Salgado dokumentierte in den vergangenen 40 Jahren die Spuren unserer Menschheitsgeschichte auf allen Kontinenten. Als sozialdokumentarischer Fotograf wurde er Zeuge von internationalen Konflikten, Vertreibung, Krieg, Hunger und Leid. Dies hielt er mit seinen Schwarz-Weiß-Fotos in Bildreportagen und bewegenden Fotobänden wie „Workers –Archäologie des Industriezeitalters“, „Migranten“ und „Afrika“ fest. Salgado erkrankte seelisch an dem Gesehenen und widmete sich in einer Schaffenspause der Wiederaufforstung eines erodierenden Gebietes in seiner Heimat, wodurch er zu seinem Fotoprojekt „Genesis“ inspiriert wurde, das die paradiesischen, von Menschen unberührten Orte der Erde zeigt. Damit kehrt er an den Ursprung allen Lebens zurück und offenbart eine Hommage an die Schönheit unseres Planeten. Im Fluss der Bilder machen die Regisseure sinnlich erfahrbar, wie weit sich der Mensch im Zuge der Naturbeherrschung von sich selbst entfernt hat, wie die Formen der Ausbeutung einander bedingen. Das ergibt am Ende mehr als eine Künstlerbiografie. Es ist eine eigene ästhetisch-politische Intervention. Der Film wurde bei seiner Welturaufführung 2014 in Cannes in der Sektion „Un Certain Regard“ mit dem Großen Preis ausgezeichnet.

Mo. 19.09.2016 / 20:00

MR. GAGA – GURU DES MODERNEN TANZES

Ein Porträt des israelischen Choreografen Ohad Naharin.

Mr. Gaga? Das besagt allerdings nicht, dass der weltweit gefeierte Tänzer und Choreograf durchgeknallter wäre als andere Künstler seines Formats. Der Regisseur Tomer Heymann meint mit Titel seines faszinierenden Filmporträts ja auch nicht den äußerst luziden Geisteszustand des nicht nur politisch umstrittenen Mannes, sondern die freie Tanzmethode, die er entwickelt hat: Gaga. Ein kraftvoller und wichtiger Film!

Di. 20.09.2016 / 20:00

Le goût des merveilles/ BIRNENKUCHEN MIT LAVENDEL Cinéma Français/ VHS OmU

Ein spätsommerlicher Kinogenuss mit Herz, Humor und Verstand.

Die sinnlichen Reize der Provence: Eine trauernde Lavendelbäuerin in Nöten und ein hochintelligenter Mann mit Asperger-Syndrom profitieren beidseitig von ihrer unromantischen, aber doch märchenhaften Begegnung. Lebhaft charmant und humorvoll entwickelt der Film eine Geschichte, die liebenswert offen und gleichzeitig in schöner Beiläufigkeit erst nach und nach ihre feinziselierten Geheimnisse preisgibt. Und die sollen hier natürlich keineswegs bereits verraten werden.

Mo. 26.09.2016 / 20:00

VOR DER MORGENRÖTE

Stefan Zweig: „Ein Mensch ohne Heimat ist ein Mensch ohne Zukunft.“

Auf dem Höhepunkt seines Ruhms wurde der österreichische Schriftsteller Stefan Zweig in die Emigration getrieben, wo er angesichts des Wissens um den Untergang Europas verzweifelte. Mit 60 Jahren nahm er sich mit seiner zweiten Frau in Petrópolis in Brasilien das Leben. Maria Schraders Film erzählt episodisch aus dem Leben Stefan Zweigs. Die Geschichte eines Flüchtlings, die Geschichte vom Verlieren der alten und dem Suchen nach einer neuen Heimat. Rio de Janeiro, Buenos Aires, New York und Petrópolis sind vier Stationen im Exil von Stefan Zweig, die ihn trotz sicherer Zuflucht, gastfreundlicher Aufnahme und überwältigender Natur keinen Frieden lassen und ihm die Heimat nicht ersetzen können. Als Titelfigur erweist sich Josef Hader als die absolute Idealbesetzung. Ebenso Barbara Sukowa als Friederike Zweig und Aenne Schwarz als seine zweite Frau Lotte und Matthias Brandt als Ernst Feder. Ein unbedingt sehenswerter, großer Film!