Mo. 27.03.2017 / 20:00

DIE REISE MIT VATER

Eine Tragikomödie, die von Liebe und Freiheit handelt.

Und davon, dass es manchmal im Leben unmöglich scheint, beides zu vereinen. Es geht um eine große Entscheidung und den Mut, diese in bewegten Zeiten zu treffen: Vor dem Hintergrund des Prager Frühlings unternehmen drei Rumäniendeutsche eine Reise, die sie in die DDR und dann in den Westen führt. Der Film erzählt, nach einer wahren Begebenheit, das Leben zweier unterschiedlicher Brüder, Mihai und Emil, und ihres Vaters in Rumänien im Jahre 1968. Mihai spitzelt für den Staat, Emil ist engagierter Regimegegner. Als sich die Möglichkeit eröffnet, den schwer augenkranken Vater in der DDR operieren zu lassen, machen sich die drei auf die Reise. Kaum in Ostdeutschland angekommen, werden sie von sowjetischen Panzern überrascht, die in die CSSR einmarschieren und werden von der DDR-Bereitschaftspolizei in einem Touristen-Auffanglager festgesetzt. Mihai lernt dort die Münchener Studentin Ulli kennen und ist von ihr fasziniert. Sie ist all das, was er nicht ist und besitzt Dinge, von denen er nicht einmal zu träumen wagt. Die Familie erhält schließlich ein Transitvisum und findet sich völlig unerwartet in der BRD wieder: Es stellt sich die Frage: Im Westen bleiben oder zurückkehren nach Rumänien? Nach ihrem mit 80 Preisen ausgezeichneten Kurzfilm SILENT RIVER legt die HFF- Absolventin Anca Miruna Lazarescu mit DIE REISE VATER ihr Spielfilmdebüt vor, das auf dem Filmfest München 2016 mit mehreren Preisen ausgezeichnet wurde.

Anca Miruna Lazarescu wird heute im FILMFORUM unser Gast sein. Wir freuen uns sehr und begrüßen sie herzlich!

Di. 28.03.2017 / 20:00

MEDICIN DE CAMPAGNE / DER LANDARZT VON CHAUSSY VHS/OmU

In der Hauptrolle brilliert „Ziemlich beste Freunde“-Star François Cluzet!

Auf dem Land, so heißt es, kennt jeder noch jeden. Im Besonderen trifft das auf den Landarzt zu, dem seine Patienten über die Jahre so manches Geheimnis anvertrauten. Hier wird er nicht nur als Mediziner geschätzt, sondern auch als Seelsorger und Ratgeber in fast allen Lebenslagen. Dr. Jean-Pierre Werner erscheint wie der Prototyp des pflichtbewussten Landarztes, der seine Arbeit seit über 30 Jahren weniger als Beruf denn als Berufung versteht. Doch dann heißt es, man habe bei ihm einen nicht-operablen Tumor entdeckt. Plötzlich ist nichts mehr so wie vorher. Die Chemotherapie zwingt ihn dazu, eine Vertretung einzustellen. Mit der selbstbewussten, charmanten Dr. Nathalie Delizia findet der Erkrankte schneller als gedacht die zunächst eher widerwillig akzeptierte Unterstützung für seine Praxis. Im Zusammenspiel der beiden Hauptdarsteller schimmert immer wieder die menschliche Tiefe dieses bereits in Frankreich zum Publikumsliebling avancierten Arthouse-Hits durch.

Mo. 03.04.2017 / 20:00

1984 – BIG BROTHER IS WATCHING YOU

Verfilmung von George Orwells Roman über einen totalen Überwachungsstaat.

Die werkgetreue Verfilmung des Romans, die hart und direkt mit den Schockeffekten der Vorlage die Vision eines totalitären Überwachungsstaates entfaltet, zugleich aber auch die Ästhetik und das Lebensgefühl der Nachkriegsgesellschaft im Entstehungsjahr des Romans (1948) heraufbeschwört. In dem düsteren Roman über den „großen Bruder“ und das „Wahrheitsministerium“ steht: „Die Partei lehrte einen, der Erkenntnis seiner Augen und Ohren nicht zu trauen. Das war ihr entscheidendes, wichtigstes Gebot.“ Diese Sätze wurden in den Tagen nach der Vereidigung von Donald Trump zum amerikanischen Präsidenten oft auf Twitter zitiert. Orwells Roman kletterte in den vergangenen Wochen auf den ersten Platz der Bestseller-Liste der Online-Händler und ist in Amerika derzeit ausverkauft. Wir widmen diesen Film seinem großartigen Hauptdarsteller, der Kino-Legende John Hurt, der im Januar dieses Jahres verstarb. Der Film „1984“ hatte seine Erstaufführung tatsächlich im Jahr 1984. Die zweite Hauptrolle spielte Richard Burton – es war sein letzter Film.

Mo. 10.04.2017 / 20:00

MANCHESTER BY THE SEA

Die Schlingen des Lebens.

Wie werden Menschen zu dem, was sie sind? Lee Chandler zum Beispiel, dieser verschlossene und anspruchsvolle junge Mann, der in einem Gebäudekomplex in Boston als Hausmeister arbeitet und allein in einem marginal möblierten Zimmer haust. Er scheint aus der Zeit gefallen, ein Mensch mit minimaler Gegenwart und ohne Zukunft. Dann kommt ein Anruf aus seinem Heimatstädtchen, der ihn aufrüttelt. Wie so oft ist auch hier die Rückkehr an die Ursprünge mit schweren Hypotheken belastet, denen sich Lee nicht stellen will. Er kommt mit dem Vorsatz, so bald wie möglich wieder zu verschwinden. Doch dann erfährt er, dass sein verstorbener Bruder ihn zum Vormund seines Sohnes ernannt hat. Ganz langsam offenbart sich von nun an sukzessive das Rätsel seiner Lebensgeschichte, aus verklemmten Andeutungen und erschütternden Reaktionen – und aus Erinnerungssplittern in kurz aufflackernden Rückblenden. Schuld und Schicksal sind die wiederkehrenden Themen, die der New Yorker Filmemacher Kenneth Lonergan auf einfühlsame Weise ausleuchtet. Sein feines Gespür für die Wahrhaftigkeit des Lebens zieht auch den Zuschauer in diese Schicksale hinein, die großartige Schauspieler wie Casey Affleck, Michelle Williams und der junge Lucas Hedges zwischen ihren Dialogsätzen freisetzen. Casey Affleck erhielt jetzt im Februar den Oscar als Bester Darsteller, Kenneth Lonergan für das Beste Drehbuch.

So. 23.04.2017 / 11:00

NEO RAUCH – GEFÄHRTEN UND BEGLEITER

Ein Dokumentarfilm über den Wegbereiter der “Neuen Leipziger Schule“.

Der 1960 in Leipzig geborene Neo Rauch gilt als einer der erfolgreichsten Maler seiner Generation, dessen Bilder maßgeblich von seiner eigenen Lebensgeschichte und insbesondere seiner Kindheit in der DDR geprägt sind. Heimat ist überhaupt ein zentrales Thema für den Künstler, der sich selbst nie weit von ihr entfernt hat. Heute werden seine Werke von Sammlern und Museen aus aller Welt gekauft, ganz gleich ob USA, Israel, Russland, Japan oder Südkorea. Doch was macht seine Malereien, in deren Motiven nur wenig Hoffnung und Glück vorzufinden sind, aus? Die Dokumentarfilmerin Nicola Graef will der Faszination und geheimnisvollen Aura von Rauchs Bildern auf den Grund gehen. Sie begleitet den Künstler drei Jahre lang bei der Arbeit in seinem Atelier und zeigt Ausstellungen und Sammlungen in Amerika, Asien und Europa. Dabei kommt nicht nur Neo Rauch selbst zu Wort, sondern auch seine zahlreichen Bewunderer und wichtige Wegbegleiter wie seine Frau Rosa Loy, die ihn seit jeher unterstützen.

So. 23.04.2017 / 20:00

THE SALESMAN

Ausgezeichnet mit dem Oscar 2017 als bester fremdsprachiger Film.

Der neue Film des iranischen Regisseurs Asghar Farhadi beginnt mit einem heftigen Beben. Mitten in der Nacht wackeln die Wände eines Mietshauses in Teheran. Das Haus droht einzustürzen, die Bewohner müssen raus. Auch der Lehrer Emad und seine Frau Rana verlassen ihre Wohnung, zum Glück wird niemand verletzt. Ein Freund vermittelt ihnen eine neue Bleibe, die von der Vormieterin überstürzt verlassen wurde. Das stört sie nicht wirklich, nur deren Sachen stehen im Weg herum. Dann aber wird das Paar von der Vergangenheit dieser Dame eingeholt, ihr Leben wird erschüttert, ihre Existenz und ihre Ehe. Wie schon in seinem im FILMFORUM gezeigten Oscar-Gewinnerfilm „Nader und Simin“ von 2013 richtet Asghar Farhadi den Blick auf die Zerrissenheit der iranischen Gesellschaft: Er thematisiert Standesunterschiede, religiöse und säkulare Differenzen. Das alles ist ganz großartig geschrieben, gespielt und inszeniert. Unbedingt sehenswert!

Mo. 24.04.2017 / 20:00

NOCTURNAL ANIMALS

Wirklichkeit zwischen Albtraum, Fantasie und Wahrheit.

Susan lebt als Galeristin in der hyperstilisierten Kunstwelt von LA. Schönheit, Geld und Macht sind die Werte, um die sich ihr Dasein dreht. Innerlich leer, trotz der scheinbar prachtvollen Äußerlichkeiten, wird sie nachhaltig erschüttert, als sie von ihrem Exmann Edward dessen neuen Roman zugeschickt bekommt. “Nocturnal Animals“ heißt das ihr gewidmete Buch. Der Regisseur Tom Ford zeigt in seinem gleichnamigen Films, wie die Lektüre des Romans Susan aus der Bahn wirft. Der Film reflektiert Susans Leseprozess und zeigt, wie die Romanhaltung vor ihrem geistigen Auge entsteht. “Nocturnal Animals“ ist ein Film über das Werden von Kunst und über die unmittelbare Wirkung, die sie auf den Rezipienten haben kann. Der Regisseur errichtet in den beiden parallel verlaufenden Handlungssträngen ein Spiegelkabinett aus Figuren und Racheplots und verschränkt diese ästhetisch und technisch miteinander. Tom Fords strenger Formwille und die überbordende Ästhetik laufen so in einem trancehaften Psychogramm zusammen. Genialer, sehenswerter Film!

Di. 25.04.2017 / 20:00

JULIETA Cine Español / Vhs OmU

Almodóvars neuer Film ist wieder „ganz großes Kino“!

Für seinen 20. Film hat Pedro Almodóvar drei Kurzgeschichten der von ihm verehrten Nobelpreisträgerin Alice Munro adaptiert und kehrt damit zurück zu seinen größten Erfolgen, zu Melodramen wie „Alles über meine Mutter“, „Volver“ oder „Sprich mit ihr“: Die junge Witwe Julieta lebt mit ihrer Tochter Anita in Madrid. Beide leiden im Stillen über den Verlust von Julietas Mann, Anitas Vater. Doch manchmal bringt Trauer Menschen nicht näher zusammen, sondern treibt sie auseinander. Als Anita sie kurz nach ihrem 18. Geburtstag ohne ein Wort der Erklärung verlässt, bricht für Julieta eine Welt zusammen. Die verzweifelte Mutter lässt nichts unversucht, Anita aufzuspüren, aber was sie herausfindet ist nur, wie wenig sie über ihre Tochter weiß. Viele Jahre später trifft sie auf der Straße zufällig eine Jugendfreundin ihrer Tochter, die Anita erst kürzlich getroffen hat. Julieta schöpft wieder Hoffnung und beginnt, ihre Erinnerungen aufzuschreiben, die schönen wie die schmerzhaften. Was durch “Julieta“ zirkuliert ist ein Symbol von Schmerz und Versehrung, dem der große spanische Regisseur mit diesem großen Film so direkt ins Gesicht schaut wie Julieta, während sie an ihre Tochter schreibt.

Mi. 26.04.2017 / 20:00

OB IHR WOLLT ODER NICHT

Filmaufführung in Zusammenarbeit mit dem Hospiz- und Palliativverein Landsberg e.V.

Laura ist Ende 20 und hat Krebs. Sie will in ihrem Elternhaus mit ihrem Leben abschließen, verlässt den geliebten Mann, um ihm ihr Leid zu ersparen und steht plötzlich bei ihrer überraschten Mutter in der Küche. Die ist entsetzt, denn Laura hat sich für den Abbruch der Chemotherapie entschieden. Sie will ihre drei Schwestern um sich haben, die geschiedene Geschäftsfrau Susanne mit Shopping-Tick, Familienmuttchen Coco mit Orgasmusschwierigkeiten und Modedesignerin Toni mit Vorliebe für One-Night-Stands. Das Quartett zofft und verträgt sich, lacht und weint zusammen. Vier Schwestern, die sich trotz aller Unterschiede und Eifersüchteleien lieben. Ausgerechnet Laura ist der Ruhepol, wenn die Emotionen hoch kochen, sie bringt mit letzter Kraft die auseinander driftende Familie wieder zusammen. Nur wer mit sich im Reinen ist, kann in Frieden sterben. Der großartige Ensemblefilm handelt von familiären Konflikten und enttäuschten Träumen, von Abschied, Trauer und Tod und ist dennoch alles andere als deprimierend. Regisseur Ben Verbong gelingt es, selbst einem so ernsten Thema wie Sterbehilfe mit Fingerspitzengefühl und Respekt heiter-entspannte Aspekte abzugewinnen. Sein Film ist so unverblümt wie das Leben selbst und zeigt dabei auf erstaunlich heitere Weise, was es heißt, human zu sterben. Ausgezeichnet mit dem Prädikat Wertvoll!

Do. 27.04.2017 / 18:00

LANG IST DER WEG

In Zusammenarbeit mit der Bürgervereinigung Landsberg im 20. Jhd. e.V.

Der Film aus dem Jahr 1947 ist der erste deutsche Spielfilm der Nachkriegszeit, der das Schicksal von Holocaust-Opfern bzw. Überlebenden in den Mittelpunkt stellt und vereinigt Spiel- und Dokumentarszenen zu einer dramatischen Gesamthandlung. Der Film spielt in Landsberg am Lech in einem Lager für „Displaced Persons“, die von den Deutschen aus ihren Heimatländern verschleppt und 1945 aus Konzentrations- und Vernichtungslagern befreit wurden. In Rückblenden erzählt der Film die Geschichte der jüdischen Familie Jelin, die aus ihrer Wohnung in Warschau zunächst ins Getto getrieben und von dort aus ins KZ Auschwitz deportiert wurde. Der Sohn David kann jedoch aus dem Deportationszug fliehen und schlägt sich zu den Partisanen durch, wo er bis zum Ende des Krieges überlebt. Er lernt Dora Berkowitz kennen, die ihre Eltern verloren hat und nicht weiß, wie sie weiterleben soll. Auch David hat vom Tode seines Vaters erfahren; seine Mutter ist verschollen. Gemeinsam mit Dora reist er in die amerikanische Besatzungszone Deutschlands und gelangt in das völlig überfüllte Lager in Landsberg.

18:00 Uhr – 1. Filmvorführung
19:30 Uhr – 72. Jahrestag der Befreiung der KZs unserer Region – gemeinsames Erinnern
Schülerinnen und Schüler der Landsberger Schulen lesen gemeinsam mit Flüchtlingen Texte zum Thema “Gewalt, Flucht und Befreiung”
Musik: Landsberger Schüler
Gedenkansprache: Stephan Albrecht, Sprecher der Bürgervereinigung Landsberg im 20. Jhd. e.V.
20:30 Uhr – 2. Filmvorführung
Der Eintritt ist frei um Spenden wird gebeten.