Mo. 29.05.2017 / 20:00

WILDE MAUS

Josef Hader beschwört in seinem Regiedebüt die grimmige Komik des Niedergangs.

Georg fühlt sich sicher auf seinem Platz in einer Wiener Zeitungsredaktion: geliebt und gefürchtet, so wie es einem etablierten Musikkritiker mit spitzer Feder zukommt. Doch dann wird ihm völlig überraschend gekündigt. Eine Sparmaßnahme erfährt er noch und steht schon draußen vor der Tür. Seiner jüngeren Frau Johanna, deren Gedanken hauptsächlich um das Kinderkriegen kreisen, erzählt Georg nichts. Stattdessen sinnt er auf Rache. Voll von lakonischem Witz reflektiert der Film, wie ein bürgerliches Leben aus dem Ruder geraten – und vielleicht doch wieder ins Lot kommen kann.

Mo. 19.06.2017 / 20:00

THE BEATLES – EIGHT DAYS A WEEK

Sir Paul McCartney zum 75. Geburtstag!

Kann man in einer Dokumentation über die vier Pilzköpfe nach Hunderten von Büchern, Spiel- und Dokumentarfilmen, akribisch editierten Plattenveröffentlichungen und mehreren Comics noch Neues erzählen? Man kann: Es war eine kluge Entscheidung von Regisseur Ron Howard, in seiner Kinodokumentation “Eight Days a Week“ den Blick auf die “touring years“, also auf die erste Hälfte der Bandkarriere zu richten. Der Film stürzt sich gleich in die Beatlemania, die von den ersten Erfolgen Ende 1962 über den Durchbruch in den USA bis zu den großen Welttourneen in den Jahren 1965/ 66 reicht. Oscarpreisträger Ron Howard fängt das entwaffnend sonnige Gemüt der “Fab Four“ in zeitgenössischen Interviews und Ausschnitten von Pressekonferenzen ein, immer begleitet von der stetig zunehmenden Hysterie der Fans. In den zahlreichen Ausschnitten von Konzertauftritten nimmt er sich die Zeit, die Stücke auszuspielen. Bemerkenswert ist die Qualität des Bildmaterials: Die digital restaurierten Filmausschnitte scheinen einen in die Mitte des Konzertsaals zu tragen, während das Fotomaterial im Kinoformat eine unglaubliche Intimität suggeriert, wenn die vier Sonnyboys im Hotelzimmer chillen oder im Studio rumfeixen. Dem grenzenlosen Jubel stellt der Film aber auch die Krisen der 60er Jahre entgegen. Vor dem zeitgeschichtlichen Hintergrund des Attentats auf John F. Kennedy, des Vietnamkriegs und den Rassenunruhen erobern die Beatles als erste britische Band die USA.

Di. 20.06.2017 / 20:00

QUO VADO? Vhs / Cinema Italiano OmU

Die Beamtenkomödie „Der Vollposten“ war in Italien ein Riesenerfolg!

Checco Zalone hat sich die meisten Träume seines Lebens erfüllt. Er wollte bei seinen Eltern leben und so eine kostspielige Unabhängigkeit vermeiden – und er schaffte es. Er wollte auf ewig verlobt sein, ohne jemals die Verantwortung einer Ehe mit Kindern einzugehen – und er schaffte es. Er träumte von einer sicheren Arbeit, und er schaffte es, das Maximum zu bekommen: Eine Festanstellung in der Landesverwaltung für Jagd und Fischerei. Mit dieser bewundernswerten Leichtigkeit lebt Checco ein Leben, welches alle vor Neid erblassen lässt. Eines Tages jedoch ändert sich alles: Die Regierung beschließt eine Reform der öffentlichen Verwaltung. Einberufen ins Ministerium wird Checco vor die Wahl gestellt, die Festanstellung aufzugeben, oder weit weg von zuhause versetzt zu werden. Ihm ist die Festanstellung so wichtig und um sie zu behalten, akzeptiert er die Versetzung in die verschiedensten Gegenden Italiens und nach Afrika und Norwegen. Am Ende landet er in einer italienischen Wissenschaftsbasis am Nordpol. Als er völlig entnervt seine Festanstellung aufgeben will, begegnet ihm die Umweltaktivistin Valeria, die sein verstaubtes Weltbild ins Wanken bringt .Für Checco beginnt ein neues Leben! Die satirische Culture-Clash-Komödie wurde 2016 in Italien mit 10 Millionen Kinozuschauern der erfolgreichste Film aller Zeiten.

So. 25.06.2017 / 20:00

Die andere Heimat – Chronik einer Sehnsucht

Die Heimat, die Fremde und die tausend Wege Sehnsucht dazwischen. Ein Filmbeitrag zu den Kreiskulturtagen Schnittstelle Heimat.

In großen epischen Zeitbildern erzählt die “Chronik einer Sehnsucht“ vom beginnenden Exodus deutscher Bauern und Handwerkern: Als Mitte des 19. Jahrhunderts Hungersnöte, Armut und Willkürherrschaft die Menschen niederdrücken, wandern hunderttausende Deutsche ins ferne Südamerika. Auch Jakob aus dem Hunsrückdorf Schabbach erkennt, dass nur Träume ihn retten können. Er liest jedes Buch, dessen er habhaft werden kann, entwirft Pläne für ein abenteuerliches Leben in den Wäldern Brasiliens und beschreibt seinen Aufbruch aus seinem Heimatdorf in einem erstaunlichen Tagebuch, das nicht nur seine Geschichte und seine Gedanken wiedergibt, sondern das Lebensbild einer ganzen Zeit. Edgar Reitz hat ein magisches Kinokunstwerk geschaffen über den Abschied für immer, den Aufbruch ohne Wiederkehr, Menschen auf der Suche nach dem Glück in einer anderen Heimat. Deutsche Geschichte, eine vergessene Wahrheit, eine Geschichte von Mut und vom Glauben an die Zukunft. „Die andere Heimat“ wurde an Originalschauplätzen im Hunsrück mit großem Aufwand an Bauten und historischer Ausstattung gedreht und folgt der weltberühmt gewordenen „Heimat Trilogie“. Der Film wirft dabei wie selbstverständlich genau diese Fragen auf: die Frage nach Zugehörigkeit, Tradition und Glaube auf der einen – Freiheit der Gedanken, und was man heute in Zeiten von Globalisierung und Mobilität noch als Heimat definieren kann, auf der anderen Seite.

Wir zeigen den Film in seiner wundervollen Länge mit einer Pause von 15 Min.

Mo. 26.06.2017 / 20:00

DANCING BEETHOVEN OmU

Beethovens 9. Sinfonie als energetische Ballettfassung.

Die utopische Idee hinter Beethovens 9. Sinfonie tritt besonders deutlich hervor, wenn ab dem vierten Satz ein Chor Schillers Gedicht “An die Freude“ anstimmt: „Freude schöner Götterfunken…! Seid umschlungen Millionen! Diesen Kuss der ganzen Welt!“ Der französische Tänzer und Choreograph Maurice Béjart (1927-2007) adaptierte Beethovens Sinfonie als aufwendige Ballettfassung, die 2014 in Tokio aufgeführt wurde. Als Leitmotiv umtanzen die Akteure aus Europa, Asien und Afrika einen großen Kreis auf der Bühne, der den Kreislauf des Lebens symbolisiert. Passend zur Botschaft kollaborieren die Künstler aus allen Teilen der Welt, die Tänzer kommen vom Béjart-Ballett in Lausanne und vom Ballett aus Tokio, die Musik stimmt das Israelische Philharmonieorchester unter Leitung von Zubin Mehta an. Der Inhalt prägt hier nicht nur die Form, sondern auch den Herstellung-sprozess. Maurice Béjart: „Diese choreographische Transposition von Beethovens Werk hat keine andere Intention, keinen anderen Zweck und kein anderes Thema als die Musik selbst, die der einzige Grund ihrer Existenz ist. Es ist ein getanztes Konzert. Die Tänzer folgen der Komposition, die sich von der Angst hin zur Freude, von der Dunkelheit zum Licht entwickelt. Es ist kein Ballett im allgemein akzeptierten Sinne, sondern ein Akt tiefer menschlicher Teilnahme an einem Werk, das der gesamten Menschheit gehört.“

Di. 27.06.2017 / 20:00

AUF EIGENEN SCHWINGEN – DIE VISIONEN DES SIR HUBERT VON HERKOMER

Ein Filmbeitrag zu den Kreiskulturtagen Schnittstelle Heimat.

Im Auftrag der Stadt Landsberg am Lech realisierte der Filmhistoriker und Dokumentarfilmer Robert Fischer 2014 zum 100. Todestag eine abendfüllende Filmbiographie über den Maler, Komponisten und Filmpionier Sir Hubert von Herkomer (1849-1914).  Der Film unternimmt eine spannende biographische Spurensuche von Herkomers Geburtsort Waal bei Landsberg über seinen Wohn- und Arbeitsort Bushey bei London bis nach Südwales und wieder zurück in seine Heimat nach Landsberg führt. Dabei entsteht ein fakten- und anekdotenreiches filmisches Porträt Herkomers, in dem führende Kunsthistoriker und Herkomer-Experten aus Deutschland und Großbritannien zu Worte kommen. Am Ende wird klar: Die Visionen  des „großen Sohnes“ der Stadt  Landsberg sind heute noch lebendig und haben nichts von ihrer Faszination verloren.

Robert Fischer wird persönlich anwesend sein.

Mi. 28.06.2017 / 20:00

I AM NOT YOUR NEGRO Omu

Bei den Filmfestspielen in Berlin als Bester Dokumentarfim ausgezeichnet.

Das unvollendete Manuskript “Remenber This House” von James Baldwin (1924-1987) ist die Grundlage für Raoul Pecks filmische Collage aus Ausschnitten der Medienberichterstattung vor allem der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, in der er dem weißen Rassismus in der amerikanischen Gesellschaft nachspürt. Der Film ist zugleich die Biografie des Autors James Baldwin, der eine Geschichte der Rassendiskriminierung und der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung dagegen im 20. Jahrhundert anhand der Lebensgeschichten von drei Freunden aus der Bürgerrechtsbewegung erzählt. Bei den Freunden handelt es sich um den 1963 ermordeten Menschenrechtsanwalt Medgar Evers, den 1965 ermordeten Black Muslim Malcolm X und den 1968 ermordeten Baptistenpfarrer Martin Luther King. „Die Zeit dieser Leben und Tode liegt, öffentlich gesehen, zwischen 1955, als wir erstmals von Martin hörten, und 1968, als er ermordet wurde“, schrieb Baldwin in dem 1979 begonnen Manuskript „I am not your negro“ In dem eindrucksvollen Dokumentarfilm ergänzen sich James Baldwins Texte und die Bilder Raoul Pecks, die Filmausschnitte, Fotos und Nachrichtenbilder historisch und aktuell absolut kongenial. Die Reise in die Vergangenheit wird zu Konfrontation mit der Gegenwart, in der sich das weiße, liberale Amerika mit einer medialen Fantasiewelt narkotisiert, um sich so die Illusion der eigenen Unschuld zu erhalten.