Sa. 24.02.2018 / 20:00

AUS DEM NICHTS

Die Liebe einer Frau zu ihrer Familie über den Tod hinaus.

© 2017 Warner Bros. Ent. Inc.

Eine Frau verliert ihren Mann und ihren kleinen Sohn durch einen Bombenanschlag. Aber der Film ist mehr als ein persönliches Drama. Er fiktionalisiert ziemlich realistisch die Gefühle von Hinterbliebenen, deren Liebste durch den NSU ermordet wurden, denn der Bombenanschlag  wurde von zwei Nazis verübt und hat im übertragenen Sinn sehr viel mit unserer gesellschaftlichen Reaktion auf den Terrorismus aller Arten zu tun. Fatih Akin ist mit diesem Film zu der packend-emotionalen Sprache seiner frühen Werke zurückgekehrt. Formal unterteilt er den Film in drei Kapitel: „Die Familie“ ist das emotionale Drama von Verlust und Trauer. „Gerechtigkeit“ zeigt in nahezu klassischer Gerichtsfilmmanier den Prozess. Der letzte Teil heißt „Das Meer“ und wie schon öfter in seinen Werken sieht Akin in der weiten Wasserfläche und dem fernen Horizont ein Bild für den Tod. Der deutsche Hollywood- Star Diane Kruger gewann bei der Premiere in auf den letzten Filmfestspielen in Cannes den Preis als beste Schauspielerin. Und bei der Vergabe der Golden Globes 2018 wurde der Film mit dem Preis als bester ausländischer Film bedacht.

So. 25.02.2018 / 11:00

LOVING VINCENT

Vincent van Goghs Leben in dessen eigenen Bildern erzählt.

© 2017 Loving Vincent Sp.z.o.o. & Loving Vincent Ltd.

Das Leben des Malers, der 1890 im Alter von nur 37 Jahren starb, wurde bereits mehrere Male verfilmt, so werkgetreu wie hier wurde es aber nie nacherzählt. Dafür setzen die Regisseure Dorota Kobiela und Hugh Welchman auf einen so simplen wie genialen Kniff: Sie erwecken van Goghs Gemälde zum Leben und betten ihre Story in berühmte Bilder wie „Weizenfeld mit Krähen“, „Das Nachtcafé“ oder das „Porträt des Dr. Gachet“ ein. Im Mittelpunkt steht der Postbotensohn Armand Roulin (den van Gogh auch porträtiert hat), der nach dem Tod des Malers Recherchen über dessen tragisches Ende anstellt. Dafür fährt er ins beschauliche Auver-sur-Oise, aus dem Biopic wird ein Detektivfilm. Das ist visuell überwältigend, oft tieftraurig und fernab von oberflächlicher Heldenverehrung. Ein faszinierendes Psychogramm eines verkannten Außenseiters. Unbedingt sehenswert!

Mo. 26.02.2018 / 20:00

ABSCHIED. BRECHTS LETZTER SOMMER

Zur Aufführung DER KAUKASISCHE KREIDEKREIS durch das Berliner Ensemble am 27.02.18.

© J Schütte

Der Film spielt im Sommer 1956 in der DDR. Bertold Brecht verbringt diesen Sommer in seinem Sommerhaus in dem Örtchen Buckow/Brandenburg. Es ist der letzte Ferientag, bevor Brecht wieder nach Berlin zurück muss, um die neue Theatersaison des Berliner Ensembles vorzubereiten. In seinem Sommerhaus sind sämtliche wichtigen Frauen aus seinem Leben zusammengekommen: seine Ehefrau Helene Weigel und die gemeinsame Tochter Barbara, die ehemalige Geliebte Ruth Berlau und seine aktuelle Geliebte Käthe Reichel. Der Garten grenzt an einen kleinen See, dort wird geschwommen. Die Gruppe plaudert, isst und trinkt, philosophiert über die Kunst, die Politik und über den Sinn des Lebens. Über all dem liegt die Melancholie des Abschieds. Vier Tage später stirbt Brecht in seiner Wohnung in Berlin. Es war eine geradezu geniale Idee, Sepp Bierbichler den Brecht spielen zu lassen. Auf den ersten Blick sieht er zu massiv aus, seine körperliche Präsenz wirkt stärker als die intellektuelle: Aber gerade damit wird die Widersprüchlichkeit dieses Mannes noch gravierender, lässt seine Krankheit ihn stets etwas eingebildet und allürenhaft aussehen. Bierbichlers optische Unähnlichkeit bewahrt den Film zudem vor jenem Imitations-Effekt, der so viele Biopics unterschwellig immer ein wenig zum Kuriosum macht. Auch alle weiteren Rollen sind mit hervorragenden Darstellerinnen besetzt und machen den Film zu einem unbedingt sehenswerten Erlebnis.

So. 04.03.2018 / 11:00

ANDY GOLDSWORTHY – LEANING INTO THE WIND

Thomas Riedelsheimer begleitet den Land-Art-Künstler ein weiteres Mal mit der Kamera.

© 1990-2017 Arne Höhne Presse

Wie eine Figur von Caspar David Friedrich zeigt Thomas Riedelsheimers Kamera einmal den Held des Films: von hinten hoch oben auf einer Bergkuppe, den Blick unter der breiten Krempe des Huts in eine Hügellandschaft schweifend. Nur die Kettensäge nebenan deutet auf moderne Zeiten, bleibt in dieser Episode aber unbenutzt. Eine der weiteren Szenen in diesem trotz vieler Emotionen erfreulich unaufgeregten Films, zeigt Andy Goldsworthy bei seinem künstlerischen Tagwerk: mal allein ganz vorsichtig mit Blättern und Gräsern hantierend, mal im Team mit schweren Gerät, wie in Spanien, wo mit  Baggern und Schlaghämmern große Steinblöcke ausgehöhlt werden zu Skulpturen zwischen Wanne, Bett und Sarg – in die man sich legen kann. Die körperliche Seite der Arbeit bedeute ihm viel, sagt der Künstler, der vor seinem Kunststudium viele Jahre in der Landwirtschaft gearbeitet hat. Doch auch sein Naturbegriff habe sich erweitert: er geht in die Stadt und beklebt Gehwege mit Bändern aus roten Blättern. Dort findet er erstmals ein direktes Publikum. Aber der Film, Riedelsheimers Arbeit zeigt es sehr deutlich, ist wohl eigentlich das angemessenere Medium, um die künstlerische Arbeit auch in ihrer Prozesshaftigkeit festzuhalten. Und was hinzukommt: Fred Friths diskreter Soundtrack lässt die Grenzen zwischen vorgefundenem Klang und Komposition ähnlich schön verfließen wie Goldsworthys Kunst.

So. 04.03.2018 / 20:00

ANNE CLARK – I´LL WALK OUT INTO TOMORROW OmU

Porträt der Pop- und Wortkünstlerin Anne Clark

© 2017 Neue Visionen

Die Ikone der Musikgeschichte und grandiose Pionierin der Spoken Word-Kunst steht seit mehr als 30Jahren auf der Bühne. Sie verwandelt Sprache in einzigartige Musik. Seit Beginn der 80er Jahre sorgten New Wave Klassiker wie “Our Darkness“ und “Sleeper in Metropolis“ für einen Rausch der Begeisterung, der Generationen von Musikern inspirierte. Ihre analogen Synthesizer-Sounds machten die Poetin zu einer Wegbereiterin des Techno. Nach Konfrontationen mit ihrer Plattenfirma verschwand sie von der musikalischen Bildfläche und erfand sich in der stillen Einsamkeit Norwegens neu. Der Regisseur Claus Withopf begleitete Anne Clark fast ein Jahrzehnt lang und porträtiert eine so gesellschaftskritische wie überwältigende Ausnahmekünstlerin – eine musikalische Rebellin, die sich jenseits des kommerziellen Mainstreams auf ihrer eigenen Tonspur bewegt. Mit existenziellen Lyrics, großartiger Poesie und akustischen Experimenten schuf Anne Clark ein Repertoire feinster elektronischer Musik. Nicht nur sich selbst, sondern auch ihr Publikum stellte sie unermüdlich vor neue Herausforderungen. Ihren Stil entwickelte Anne Clark unentwegt, einzig ihrer Identität blieb sie dabei bis heute treu – mit einer Virtuosität, die ihresgleichen sucht. Ein künstlerisches Talent, das zur Kultfigur im kulturellen Musikgedächtnis einer Generation wurde.

Mo. 05.03.2018 / 20:00

DIE SPUR

Moralischer Ökothriller, feministisches Märchen, Zivilisationskritik und Detektivstory.

© 2017 Film Kino Text

Die Vorlage für den Film lieferte der Roman “Der Gesang der Fledermäuse“ von Olga Tokarczuk – Die früher bei weltweiten Umweltprojekten tätige Brückenbauerin Janina ist entsetzt. Von heute auf morgen sind plötzlich ihre beiden Hündinnen, mit denen sie täglich über die Wiesen und Felder und durch die Wälder im Grenzgebiet Polens zur Tschechei streifte, spurlos verschwunden. Dass sie von ihrem am Waldrand gelegenen Zuhause weggelaufen sind, kann die Einzelgängerin nicht glauben. Vielmehr vermutet sie einen Zusammenhang mit den in diesem Gebiet immer wieder stattfindenden Jagden. Diese sind der engagierten Tierschützerin ohnehin ein Dorn im Auge. In der Vergangenheit gab es regelmäßig Auseinandersetzungen zwischen ihr und den der Jagd frönenden Bürgern, darunter Persönlichkeiten wie dem Bürgermeister, dem Polizeichef oder dem Besitzer einer großen Fuchsfarm. Als aus dem Kreis der Hobbyjäger plötzlich Mordopfer zu beklagen sind, gehört auch Janina zu den Verdächtigen. Was aber ist tatsächlich passiert? Mit wundervollen Bildern, einem klugen Drehbuch und einer pointiert eingesetzten Musik ist der Regisseurin ein vielschichtiger und spannender Ökothriller gelungen, der zugleich als widerspenstiger Heimatfilm sowie als fast schon satirischer Kommentar zum Verhältnis von Mensch und Tier und Natur funktioniert. Auf der Berlinale 2017 erhielt der Film in der Rubrik “Neue Perspektiven in der Filmkunst“ den Silbernen Bären. Polen schickt ihn außerdem ins Rennen um die nächsten Oscars.

Mo. 12.03.2018 / 20:00

TRUE WARRIORS

Ein tief beeindruckender Dokumentarfilm von Ronja von Wurmb-Seibel und Niklas Schenck.

© 2017 Filmdisposition Kino

Kabul, 11. Dezember 2014: Bei der Premiere eines Theaterstücks über Selbstmordanschläge sprengt sich ein 17 Jahre alter Junge in die Luft. Im ersten Moment klatschen einige Zuschauer – sie halten die Explosion für eine besonders realistische Szene der Inszenierung. Erst als Panik ausbricht, verstehen sie, was wirklich vor ihren Augen im Theater passiert ist. Der Dokumentarfilm „True Warriors“ erzählt die Geschichte der Schauspieler und Musiker, die an diesem Tag auf der Bühne standen. Sie wollten mit ihrem Stück über Selbstmordanschläge ein Zeichen setzen gegen den Terror, der ihre Gesellschaft zerfrisst. Jetzt sind sie selbst vor Angst gelähmt. Jemals wieder Theater spielen? Erst als der Schock der Gewalt sie ein zweites Mal trifft, entscheiden die Künstler, sich mit aller Kraft ihrer Ohnmacht entgegenzustellen. „Wenn wir aufhören, gewinnen die anderen!“ Sie radikalisieren sich künstlerisch und beginnen so, ihr Trauma zu besiegen. „True Warriors“ zeigt uns, dass wir dem Terror mehr entgegen setzen müssen als Hass und Angst. Die Regisseure Ronja von Wurmb-Seibel und Niklas Schenk haben 2013 und 2014 in Kabul gelebt und dort zwei Filme für den NDR produziert. Ihr Umzug zurück nach Deutschland, zusammen mit ihrem afghanischen Pflegesohn, fiel auf den Tag der schicksalhaften Theateraufführung. „True Warriors“ ist ihre erste abendfüllende Kinoproduktion.

Ronja von Wurmb-Seibel und Niklas Schenk werden beide im FILMFORUM anwesend sein und stehen nach dem Film für ein Gespräch zur Verfügung.

Mo. 19.03.2018 / 20:00

MADAME

Das Märchen vom Aschenputtel mit bitterer Ironie und ohne Happy End.

© 2017 Studiocanal

Anne und Bob Fredericks, reiche Amerikaner, wohnen in einem noblen Anwesen bei Paris. Gelegentliche Dinner-Partys gehören zum guten Ton des sozialen Austauschs mit anderen Gutbetuchten. Als eines Abends plötzlich ein 13. Gedeck auf dem Tisch steht, weil sich der Sohn der Herrschaft überraschend selbst eingeladen hat, bittet die abergläubische Gastgeberin ihre Dienstmagd Maria in die Rolle des 14. Gastes zu schlüpfen, einer geheimnisvollen Spanierin, deren Herkunft geheim bleiben soll. Maria möge bitte! den Mund halten und vor allem bitte, bitte! nichts trinken. Doch dann leert sie vor lauter Aufregung ein Rotweinglas nach dem anderen, und bald unterhält sie die ganze Tisch-gesellschaft mit schlüpfrigen Witzen. Maria wird hinreißend gespielt von Rossy de Palma, die Muse des spanischen Regiestars Pedro Almodóvar. Sie ist eine Stilikone – vermutlich weil sie ihre schiefe Nase und eine keineswegs makellose Zahnreihe mit so viel Esprit und Eleganz präsentiert, dass man kaum anders kann, als sie dauernd anzuschauen. Zumindest geht es dem superreichen britischen Kunsthändler David so, er verliebt sich in sie und sie sich in ihn. Aber die französische Bestsellerautorin Amanda Sthers variiert in ihrer zweiten Regiearbeit das Märchen von Aschenputtel mit bitterer Ironie und lässt keinen Zweifel daran, dass nicht sein kann, was nicht sein darf.

Di. 20.03.2018 / 20:00

NERUDA OmU

Eine geniale Kombination aus Leben, Legende, Poesie und Mythos.

© 2016 Piffl Medien GmbH

Der Regisseur Pablo Larraín über seinen Film:„ NERUDA ist ein Biopic, das keines ist. Es ist nahezu unmöglich, Pablo Neruda in eine Schublade zu legen, er ist dazu ein unendlich komplexer Künstler. Wir wollten einen Film mit spielerischen, fiktionalen Elementen machen, mit dem wir Neruda ein Stück seines Weges begleiten und in seine Dichtung, seine Ideen und seine politischen Überzeugungen eintauchen können. In der Zeit, in der unser Film spielt, hat Neruda einen großen Teil seines „Canto General“ geschrieben, sein  vielleicht bedeutendstes und sicher riskantestes Buch. Während er selbst auf der Flucht war, schuf er eine kosmische Beschreibung Lateinamerikas, ein Werk voller Einbildungskraft, Zorn, Verzweiflung  und Zärtlichkeit. Das hat uns die Tür zur freien Imagination geöffnet. Neruda war ein großer Liebhaber der Küche, des Weins, der Frauen, der Literatur – das im Film auszuklammern, wäre mir nahezu grausam vorgekommen. Und falsch. Hätte er anders gelebt, hätte er diese Gedichte vielleicht nicht schreiben können. Nerudas Dichtung ist auch ein Ergebnis seines Lebens. Neruda liebte Krimis – darum ist der Film auch als Geschichte der Flucht, der Fahndung und der literarischen Legende angelegt. Der Film ist möglicherweise weniger ein Film über Neruda als einer in seinem Geist. Wir wollten einen Roman erzählen, von dem wir gerne hätten, dass Neruda ihn mit Vergnügen liest.“

Do. 22.03.2018 / 20:00

MEIN LEBEN OHNE MICH

Ein Filmabend in Zusammenarbeit mit dem Hospiz- und Palliativverein Landsberg e.V..

© 2003 Tobis

Dieser Film über den Umgang des Menschen mit dem Tod gehört zu den seltenen Filmen, die einen tief bewegen, ohne dass auf der Leinwand irgendetwas Gewaltiges geschähe. Es ist eher die zärtliche Geschichte eines leisen Adieus, das Mut macht – tragisch, tröstlich und keine Spur pathetisch: Die 23-jährige Ann lebt mit ihrem Mann und zwei kleinen Töchtern in einem Wohnwagen im Garten ihrer Mutter. Das erste Kind bekam sie mit 17, sie brach ihre Schulausbildung ab und arbeitet als Nachtputzfrau an der Universität. Ihr Leben ändert sich schlagartig, als sie erfährt, dass sie an Eierstockkrebs erkrankt ist und nur noch 2-3 Monate zu leben hat. Sie verweigert eine Behandlung und entschließt sich, niemandem zu erzählen, dass sie sterben muss, nicht einmal ihrer Familie. Scheinbar führt sie ihr Leben weiter wie bisher. Sie setzt sich in ein Café und schreibt eine Liste von Dingen, die sie tun möchte, bevor sie stirbt. Neben scheinbar banalen Alltäglichkeiten wie die Veränderung ihrer Frisur möchte sie zum ersten Mal Sex mit einem anderen Mann haben, da ihr Mann ihr erster und einziger Mann ist. Und sie wünscht sich, dass sich jemand in sie verliebt. Gleichermaßen regelt sie die Zeit nach ihrem Tod: Sie sucht eine neue Frau für ihren Mann und bespricht Kassetten für die Geburtstage ihrer beiden kleinen Töchter bis zu deren 18. Lebensjahr.