So. 03.07.2016 / 11:00 Uhr

PIANOMANIA

Die Suche nach dem perfekten Klang.

Der hinreißende Dokumentarfilm berichtet aus der Sicht von Stefan Knüpfer, Klavierstimmer und Konzerttechniker bei Steinway & Sons, auf humorvolle Weise über dessen Arbeit mit großen Pianisten wie Alfred Brendel, Lang Lang und Pierre-Laurent Aimard. Es ist ein großartiges Vergnügen, dieser mit vielen internationalen Preisen ausgezeichneten und mit dem Prädikat “besonders wertvoll“ bedachten Dokumentation zuzuschauen. Die Arbeit hinter den Kulissen fasziniert bis zur letzten Minute und wirkt nach, (fast) wie ein großer Konzertabend.

Mo. 04.07.2016 / 20:00 Uhr

Bach in Brazil

Nur ein Notenblatt? – Nein, ein echter Bach!

Ein früherer Musiklehrer Marten Brückling erhält die überraschende Nachricht, dass er von einem alten Jugendfreund ein Original-Notenblatt von Johann Sebastian Bachs Sohn geerbt hat. Besagter Freund lebte jedoch schon seit vielen Jahren in Brasilien, so dass Marten persönlich nach Südamerika reisen muss, um die Kostbarkeit entgegenzunehmen. Auf der Rückreise stiehlt man ihm alle Habseligkeiten, seinen Bach inklusive. Die Spur führt in den Jugendknast, wo die Ankunft eines Musikers aus Europa Interesse und Hoffnungen weckt. Mit sanfter Erpressung wird er dazu gebracht, mit den Jugendlichen zu musizieren. Dem Regisseur ist mit seinen wunderbaren Darstellern ein rundum liebenswerter Film gelungen, der zeigt, wie die Musik Menschen öffnet und verbindet.

Di. 05.07.2016 / 20:00 Uhr

BROOKLYN

Eine Liebe zwischen zwei Welten

Vorsicht, dieser Film ist nur etwas für professionelle Romantiker! Was natürlich daran liegt, dass er von drei professionellen Handwerkern gemacht wurde: „Brooklyn“ basiert auf dem gleichnamigen Roman des wunderbaren irischen Schriftstellers Colm Tóibín. Das Drehbuch hat sein britischer Kollege Nick Hornby verfasst, der für seine Adaption für den Oscar nominiert wurde. Und der irische Regisseur John Crowley hat dessen Drehbuch als zärtliches Melodram inszeniert – ein Genre, das leider vom Aussterben bedroht ist. Das Mädchen Eilis (wunderbar gespielt von der ebenfalls oscarnominierten Saoirse Ronan) emigriert Anfang der Fünfziger aus einem winzigen irischen Städtchen ins wilde New York. Sie ist zu schüchtern für diese Welt, und allein die Schiffsreise ist für sie ein gewaltiges Abenteuer. In Amerika blüht sie langsam auf und lernt einen jungen Italoamerikaner kennen, in den sie sich schwer verliebt. Als ein Todesfall in der Familie sie zurück nach Europa zwingt, wo sie sich auf einen Flirt mit einem Jugendbekannten einlässt, sitzt sie in einer emotionalen Zwickmühle: Gefangen zwischen Heim- und Fernweh und zwischen zwei Männern. Wie es sich für ein vollkommenes Melodram gehört, finden Regie und Darsteller durchgehend einen ergreifenden, aber nie pathetischen Ton. Sehr sehenswert!

Mo. 11.07.2016 / 20:00 Uhr

EIN LETZTER TANGO

Ein Paar wie kein zweites: Die berühmtesten Tangotänzer Argentiniens.

Maria Nieves und Juan Carlos Copes waren fast noch Kinder, 14 und 17 Jahre alt, als sie sich zum ersten Mal begegneten. In den folgenden Jahren brachten sie den Tango Argentino von Buenos Aires auf die großen Bühnen der Welt. Die Leidenschaft, die sie tanzten, dieses physisch ausgedeutete Hin- und Hergerissensein zwischen Liebe und Hass, tanzten und lebten sie 50 Jahre miteinander. Die beiden revolutionierten ihre Kunst, indem sie ihr ihre Beziehung unterwarfen – bis ihnen nur noch blieb, auseinanderzugehen. Erst für das Filmporträt „Ein letzter Tango“ trafen sie sich wieder, mit 81 und 84 Jahren. Der in München lebende argentinische Regisseur German Kral widmete ihnen und dem Tango diese Liebeserklärung. Für ihn erzählen Maria und Juan ihre Geschichte vor der Kamera und vor einer Gruppe der besten heutigen Tangotänzer von Buenos Aires, die bewegendsten Momente werden noch einmal choreographiert. Der Kameramann Jo Heim erhielt für seine Arbeit den Bayrischen Filmpreis 2015 für die beste Bildgestaltung. Der Komponist und Gitarrist Luis Borda hat für den Film wunderbare Klassiker der Tangomusik mit dem Sexteto Mayor arrangiert. Ein großer Filmgenuss!

Mo. 18.07.2016 / 20:00 Uhr

FEUER BEWAHREN – NICHT ASCHE ANBETEN!

Ein Tanzfilm nach dem Zitat des Komponisten Gustav Mahler.

Der Schweizer Starchoreograph Martin Schläpfer steht im Mittelpunkt von Annette von Wangenheims großartiger Dokumentation, einer biographischen Annährung an den Künstler, die filmisch vor allem in den Momenten überzeugt, in denen nicht das Wort im Mittelpunkt steht, sondern der Tanz. Aber es ist auch nicht „nur“ ein Tanzfilm, über Schläpfers aufregende Verbindung von Tradition und Moderne im Tanz, sondern auch ein sehr persönliches Porträt. Aufschlussreich sind solche Szenen, in denen Schläpfer bei der Arbeit beobachtet wird. Mal sieht man ihn dort selbst die Rolle des Tänzers einnehmen, der mit seinem niederländischen Kollegen Hans von Manen ein speziell für ihn entwickeltes Stück probt, mal sieht man ihn selbst bei der Arbeit: Sei es mit Tänzern seiner Düsseldorfer Compagnie, seiner Dramaturgin, dem Orchester oder einer Komponistin. Zu beobachten, mit welcher Konzentration und Akribie Schläpfer agiert, wie er und seine Mitarbeiter Stücke entwickeln, Ideen haben und verwerfen, bis sich schließlich ein Teil zum anderen fügt, ist faszinierend. Die Kamera als Auge des Zuschauers, die einen Blick in eine sonst verschlossene Welt wirft, Arbeitsprozesse aufzeigt, Handlungen, ja, Handwerk beobachtet, ohne das mit eingeschobenen Interviews der Magie des Moments ihr Geheimnis genommen wird. In solchen Momenten ist die Dokumentation ein grandioses Statement für die Tanzkunst.

Mo. 25.07.2016 / 20:00 Uhr

CYRANO VON BERGERAC

Ein Filmbeitrag zum Landsberger Sommertheater der MORETH COMPANY

Cyrano, ein durch seine große Nase missgestalteter Gardist, der die Kunst des Fechtens nicht minder beherrscht als die des Dichtens, leidet unter der unerwiderten Liebe zu seiner schönen Kusine. Um ihr nahe zu sein, bietet er seinem Nebenbuhler an, in dessen Namen die amouröse Korrespondenz mit ihr zu erledigen. Auch als die beiden Männer in den Krieg ziehen, schreibt Cyrano weiterhin Liebesbriefe. Erst Jahre später entdeckt die Angebetete die Wahrheit, doch die Liebe findet keine späte Erfüllung. Wir sehen eine prachtvoll und mitreißend gestaltete Verfilmung des romantischen Theaterstücks von Edmond Rostand, die sich eng an die Vorlage hält, alle Dialoge in Versform darbietet und die Geschichte mit Elementen des Abenteuerfilms verbindet. Gérard Depardieu brilliert in der Titelrolle des unglücklichen Liebhabers zwischen draufgängerischem Heldentum und zarter Poesie. Ein immer wieder sehenswerter Filmhochgenuss aus dem Jahre 1990!