Mo. 14.06.2010 / 20:00

Das weiße Band

Reihe: DER BESONDERE FILM

Michael Hanekes verstörendes Meisterwerk über die Geburt des Bösen, in Cannes mit der Goldenen Palme ausgezeichnet, war das Kinoereignis des vergangenen Jahres. – Eichwald, ein protestantisches Dorf in Norddeutschland, in den Jahren 1913/14, kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges. Die meisten Bewohner arbeiten als Knechte und Mägde für den adeligen Gutsherrn. Der Pfarrer führt seine Gemeinde und seine Familie streng. Gleich zu Beginn stürzt der Arzt mit dem Pferd über einen bösartig verspannten Draht. Kurze Zeit später wird die Frau des Bauern tot aufgefunden. Der Sohn der Toten beschuldigt den Baron und zerstört aus Rache dessen Ernte. Ähnliche Fälle häufen sich, die immer mehr wie rituelle Bestrafungen erscheinen. Bald verdächtigt jeder jeden. Haneke zeigt ganz universell, wie Böses entsteht. Wie durch systematisch falsch verstandene und praktizierte Erziehung eine Atmosphäre von Angst und Hass entsteht: angebliche Verfehlungen der Kinder werden hart bestraft und die Betroffenen mit einem weißen Band stigmatisiert. Kaum einer ist ohne Schuld in diesem bigotten Dorf, wo hinter verschlossenen Türen Inzucht, Ehebruch und häusliche Gewalt herrschen. Ein Film, der noch sehr lange nachwirkt und einen kaum zur Ruhe kommen lässt.