Mo. 16.07.2012 / 20:00

Don Carlos

von Friedrich Schiller

Als ein kleines Wunder hat man 2006 diese Inszenierung von Andrea Breth bezeichnet: spannend wie ein guter Krimi, poetisch wie Schillers Verssprache, zeitlos in seiner aktuellen Aussage. Sie lasse dem Text die Mehrdimensionalität und gehe aufs Ganze. Über die Vielschichtigkeit des Don Carlos, die Komplexität des schwärmerischen Posa und sein Scheitern schreibt Schiller: „dass man sich in moralischen Dingen nicht ohne Gefahr von dem natürlichen praktischen Gefühl entfernt, um sich zu allgemeinen Abstraktionen zu erheben, dass sich der Mensch weit sicherer in den Eingebungen seines Herzens oder dem schon gegenwärtigen und individuellen Gefühle von Recht und Unrecht vertraut als der gefährlichen Leitung universeller Vernunftideen, die er sich künstlich erschaffen hat. – denn nichts führt zum Guten, was nicht natürlich ist.“ Dreieinhalb Stunden Theaterkunst, Gefühlsverwirrung, Denkvergnügen sind atemberaubend und  ein Glücksfall der modernen Klassikerinszenierung.