So. 15.07.2012 / 20:00

Heldenplatz

von Thomas Bernhard

Nach allem, was über den Inhalt des Stückes vorher kursierte, fuhr man 1989 zur Uraufführung nach Wien, um im Burgtheater eine Staatskrise zu besichtigen, zumindest aber, um einen ungeheuren Theaterskandal nicht zu versäumen. Auch die öffentliche Kreuzigung des Dichters und die Steinigung des „deutschen“ Burgtheater-Direktors und Regisseurs Claus Peymann war zu erwarten. Zur Trauer mancher Voyeure und der Vertreter vieler politischer „Schattierungen“ Wiens passierte nun das völlig Unerwartete: eine unheimlich umtoste, umjohlte, umjubelte Thomas-Berhard-Aufführung, die zur Legende wurde. Theater aus Leidenschaft, Stimmung und Verrücktheit. Peymann inszeniert Bernhard grandios, er arbeitet den Witz heraus, die Poesie, er macht die Übertreibungen transparent und führt einfühlsam ein ganz vorzügliches Ensemble. Wiedersehen macht Freude!