Mo. 09.07.2012 / 20:00

KÖNIG OTTOKARS GLÜCK UND ENDE

von Franz Grillparzer

Franz Grillparzer 1825: „Wer sich unter die volkstümliche Futter-Kleie mischt, dem geschieht recht, wenn ihn die patriotischen Schweine fressen.“ 2005 versuchte Martin Kusej in einer kompromisslosen Interpretation das Moderne an diesem Dichter herauszuarbeiten. In seinem ersten Jahr als Theaterdirektor bei den Salzburger Festspielen inszenierte er in einer Kooperation mit dem Burgtheater einen KÖNIG OTTOKAR, der von patriotischen Sentimenten befreit ist mit der Darsteller-Elite des Hauses: Tobias Moretti als vielschichtiger Ottokar, Michael Maertens als Rudolf von Habsburg, Nicholas Ofczarek  als Zawisch (die für ihre Darstellung den Nestroy-Preis erhielten), Elisabeth Orth als verstoßene Königin Margarethe, Bibiana Beglau als deren Nachfolgerin Kunigunde und schließlich noch Wolfgang Gasser als Horneck. Martin Kusej: „KÖNIG OTTOKAR ist ein sehr komplexes, oft missverstandenes Stück. Grillpazer kann es durchaus mit Kleist und Schiller aufnehmen. Seine Stücke haben eine atemberaubende Aktualität, leider haben sie uns Heerscharen von Deutschlehrern vermiest. Im Grunde hatten wir immer alle Sympathien mit dem hybriden, durchgeknallten  und dabei allzu menschlichen Ottokar. Wir durften es nur nicht zugeben gegenüber der verordneten Doktrin vom guten, effizienten, gottgegebenen Habsburger-Herrscher.“ Wie modern die Sprache Grillparzers ist zeigt diese Inszenierung, die zu einem wahren Theatertriumph wurde. (Seit 2011 ist Martin Kusej Intendant des Münchener Residenz-Theaters)