Mo. 09.12.2013 / 20:00

DAS MÄDCHEN WADJDA

Inmitten eines mittelalterlichen Systems versucht sie den Aufbruch in die Moderne.

Aber der wird ständig ausgebremst. In der saudi-arabischen Hauptstadt Riad, unter dem Regime der Wahhabiten, die den Islam extrem streng auslegen, führen Frauen ein Leben zweiter Klasse: möglichst unsichtbar in der Öffentlichkeit, beschränkt in der Berufswahl, beständig kontrolliert von Vätern, Ehemännern – und sogar von anderen Frauen. Unter Wadjas schwarzen Gewand blitzen lilafarbene Turnschuhe hervor, sie stellt viele Fragen und hat einen enormen Bewegungsdrang. Das poppige Fahrrad, das sie in einem Laden gesehen hat, wird zum Versprechen auf eine bessere Zukunft. Um das Geld dafür zu erwirtschaften, nimmt das Mädchen an einem Schulwettbewerb teil, für den sie die Verse des Korans auswendig lernen muss. Die Regisseurin Haifaa Al-Mansour schildert das Leben der Frauen in Riad mit einfühlsamer Präzision. Da ist Wadjas Mutter, deren Schönheit und Sanftheit den Vater nicht daran hindern, sich weitere Frauen zu nehmen. Da ist die Schulleiterin, die einen Liebhaber hat, ihre Zöglinge aber zu absolutem Konformismus anhält. Und natürlich ist da die umtriebige jugendliche Heldin, die inmitten dieses mittelalterlichen Systems den Aufbruch in die Moderne versucht und im Alleingang den Schleier von einem Land zieht, über das wir im Westen immer noch viel zu wenig wissen.