Mo. 10.06.2013 / 20:00

die wand

Reihe: Literaturverfilmungen

Die unerklärliche Grundbedingung dieses Romans von Marlen Haushofer ist gewagt: Eine Frau sieht sich durch eine unsichtbare Wand daran gehindert, die  menschenleere Berglandschaft, in der sie urlaubt, wieder zu verlassen. Sie muss mit der Einsamkeit zurechtkommen, ums Überleben kämpfen. Als Beschreibung einer psycho-physischen Extremsituation ist der Roman vielfältig interpretierbar. Dem österreichischen Regisseur Julian Roman Pölsler gelingt mit seiner Haushofer-Adaption  dennoch ein erstaunlich transparenter Film: Er übersetzt die alpin-surrealistische Vorlage in einen sehr konzeptuellen, zudem hochklassig fotografierten metamorphosischen Horrorfilm. Die Hauptfigur, Martina Gedeck, trotzt dem inneren Würgeengel fulminant, mutet sich in der Abgeschiedenheit Ackerbau und Tierhaltung zu, überantwortet sich dem Abgrund des falschen Bergidylls. Allein diese ungeheuere Intensität, mit der sie die Rolle gestaltet, macht den Film bereits zu einem großen Erlebnis.