Mo. 01.07.2013 / 20:00

lore

Die Coming-of-Age-Geschichte eines “Täterkindes“

Süddeutschland in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs im Frühjahr 1945: Nachdem ihre nationalsozialistischen Eltern von den Alliierten gefangen genommen werden, müssen sich fünf mittellose Geschwister 900 Kilometer quer durch Deutschland zu ihrer Großmutter nach Friesland durchkämpfen. Der Film der australischen Regisseurin Cate Shortland basiert auf dem 2001 veröffentlichen Roman “Die dunkle Kammer“. Und wie dessen Verfasserin, die britische Autorin Rachel Seiffert, die aus einem englisch-deutschen Elternhaus stammt, besitzt auch die Filmautorin familiäre Verbindungen nach Deutschland. Ihr Film reiht sich nicht ein in die übliche NS-Folklore, kopiert keine stereotypen Bilder, führt kein Ausstattungstheater und auch kein Tränendrüsen-Melodram auf. LO R E ist so gut und überzeugend, weil er nicht spektakulär sein will, sondern ehrlich fragend. Wie mag sich das Ende des Dritten Reichs für die Kinder und Jugendlichen angefühlt haben, die nichts als Nationalsozialismus kannten? Wie tief sitzt die Erziehung zu Gehorsam, Ausgrenzung und Härte in ihnen? Wie entsteht Schuld, und welche Kraft hat die Verdrängung? Ein kluger, großartig gespielter Film, mit einer bemerkenswerten Kamera, die lyrische Natureindrücke ebenso zeigt wie die heftige Gewalt und das Chaos des Kriegsendes.