Mo. 18.03.2013 / 20:00

PIETÀ

Liebe, so kalt wie der Tod

In seinem starken Passionsfilm entfaltet der südkoreanische Regisseur Kim Ki Duk eine grausame Liturgie der Rache. Kang  Do, ein junger Mann, leistet sich nur selten Gefühle. Er hat einen miesen Job, ist Schuldeneintreiber für einen kleinen Kreditgangster. Die meiste Zeit ist er unterwegs in den engen Gassen eines alten Stadtviertels in Seoul, um bei den letzten kleinen Handwerkern eiskalt die Beträge einzutreiben, die sich innerhalb weniger Wochen durch zu hohe Zinssätze brutal vervielfacht haben. Wenn die jämmerlichen Typen nicht zahlen können, steckt er ihnen die Hand in den Schraubstock oder zwingt sie, vom Dach zu springen und sich dabei die Beine zu verstümmeln – so können sie dann wenigstens die Versicherung kassieren. Als eine geheimnisvolle Frau auftaucht und dem sadistischen Kang Do erklärt, sie sei seine Mutter, wird das klassische Pietà-Motiv ganz neu durchkonjungiert. Die Prüfungen des misstrauischen Mannes sind extrem, schockierend und pervers. Er ist als Waisenkind aufgewachsen und hat keine Erinnerungen an seine Eltern. Doch je mehr er ihre demütige Haltung durchhält und sich schließlich zunutze macht, desto mehr ändert sich sein Verhalten bis er hinter ihr dunkles, trauriges Geheimnis kommt. Pietà  war der Gewinnerfilm der Filmfestspiele Venedig 2012!