Mo. 29.09.2014 / 19:00

DIE GELIEBTEN SCHWESTERN

Zwei Flammen in seinem Herzen: Dreieck mit Dichter

Die Ménage-à-trois zwischen Friedrich Schiller und den beiden adeligen Schwestern , der unglücklich verheirateten Caroline von Beulwitz und Charlotte von Lengefeld, die Schiller heiraten wird, entwickelt ihren Zauber aus dem ständigen Spiel von Nähe und Ferne. Je näher man heran zu kommen glaubt, desto ferner rückt es immer wieder, weil diese Menschen des späten 18. Jahrhunderts eben anders liebten, litten, fühlten als wir heute und weil der Regisseur Dominik Graf diese Differenz und Fremdheit nie zu verwischen versucht. Er erliegt auch nicht der Versuchung, Kostüme, Requisiten, Schlösser und Säle mit spießigem Hausbesitzerstolz vorzuführen, wie das in Historienfilmen so oft passiert. Noch entscheidender aber ist, wie dieser Film klingt, in dem so viele Worte der Leidenschaft gesprochen und geschrieben werden. Dominik Graf hat mit seinen Schauspielern traumwandlerisch sicher einen Weg gefunden, Schiller zu sprechen. Wenn Schiller von den „zwei Flammen in meinem Herzen“ spricht, wenn man sieht, wie die drei dann einander umarmen, dann wirkt das nicht wie metaphernselige Poesie, sondern für die Liebenden ganz einfach alltäglich. Ein vitaler, unverschämt charmanter, berührender und wunderschöner Liebesfilm, aber auch ein Film von der Liebe zur Sprache, zur Freiheit und zur Idee der Liebe selbst.