Mo. 08.12.2014 / 20:00

GABRIELLE – LIEBE MEINES LEBENS

Literaturverfilmung nach einer Erzählung von Joseph Conrad

Der große Patrice Chéreau inszenierte die auf einer Erzählung Joseph Conrads basierende Geschichte von Gabrielle und Jean Harvey als ein bedrückendes Kammerspiel an der Schwelle zum Umbruch zur Moderne und spiegelt somit auch die Selbstzerstörung einer dekadenten Gesellschaft im Jahre 1910. Im Tone Marcel Prousts erzählt Jean von der verlorenen Zeit: wie er Gabrielle kennenlernte, wie er dachte und fühlte, von den gemeinsamen Abenden mit Freunden, ein dem Aussterben geweihter Zirkel der Dekadenz und Selbstinszenierung. Als Jean eines Tages nach Hause kommt, findet er einen Brief – seine Frau hat ihn verlassen: „Ich wollte einmal im Leben erfahren, was Liebe ist.“ Gabrielle beschreibt die Ehe aus ihrer Sicht, ein Zweckbündnis zwischen zwei Menschen zum gegenseitigen Vorteil, doch bar jeden tieferen Gefühls. Ein hervorragend gespieltes, artifizielles Ehedrama in eigenwilliger, betont theatralischer Inszenierung, das den Selbstbetrug einer Gesellschaft aufzeigt, die sich die eigenen Gefühle nicht eingesteht. Selten sind sich ein Filmregisseur und eine Schauspielerin so auf Augenhöhe begegnet wie Isabelle Huppert und Patrice Chéreau.