Mo. 12.05.2014 / 20:00

LE PASSÉ – DAS VERGANGENE

Ein neues Leben wird erdrückt von ungeklärten Schuldfragen

Der Film heißt nicht umsonst „Le Passé – Das Vergangene“. Alles Wichtige ist bereits passiert, unwiderrufliche Dinge sind geschehen. Der Film spielt im Pariser Osten, weit draußen an der Peripherie – ist das ein Ort für die großen Geschichten? Der Besitzer einer Reinigung schlägt sich mit der Depression seiner Frau herum. Seine illegale Hilfskraft fürchtet die Ausweisung. Die hübsche Apothekerin gegenüber hat zwei Töchter und mal wieder keinen Mann. Am winzigen Reihenhaus bei den Bahngleisen rauschen die Züge vorbei, der Garten ist verwildert. Eine Affäre nimmt ihren Lauf. Wie aus diesen bescheidenen Grundstoffen mitreißendes Kino entsteht, emotionale Hochspannung, Menschen vor existentiellen Entscheidungen, die man mit pochendem Herzen bei jedem ihrer Schritte begleitet, eben ein Filmwunderwerk wie “Le Passé“ – daran kann man exemplarisch jene Alchemie des Erzählens studieren, die nur die Meister unter den Regisseuren beherrschen. Ein solcher ist der iranische Regisseur Asghar Farhadi ganz ohne Frage seit seinem Film „“Nader und Simin – eine Trennung“, für den er dann auch den goldenen Berlinale-Bären, einen Golden Globe und einen Oscar gewann. “Le Passé“ ist wieder ein ganz großartiger Film über das Gefühl der Entwurzelung und Heimatlosigkeit, das sich im Zuge eines Trennungsprozesses bei allen Beteiligten einstellt.