Mi. 20.01.2016 / 20:00

DAS FEST (FESTEN)

Manifest “Dogma 95“

Es ist der erste nach den Regeln der dänischen Gruppe Dogma 95 produzierte Spielfilm. In dem herrschaftlichen Landsitz eines dänischen Hoteliers treffen sich dessen Familienangehörige, um seinen 60. Geburtstag zu feiern. Während desFestmahls enthüllt der älteste Sohn, dass er und seine Schwester, die wenige Monate zuvor Selbstmord verübte, als Kinder vom Vater sexuell missbraucht wurden. Eine Familientragödie, inszeniert in einem schonungslosen Filmstil und einer betont undurchsichtigen Erzählstrategie: Durchgängig mit grobkörnigen, verwaschenen (Handkamera-)Aufnahmen gestaltet, erweist sich diese Ästhetik als brillanter Ausdruck einer verletzten Seele. Auch das präzise Drehbuch und die ausdrucksstarken Darsteller belegen die innovative, kreative Potenz des Dogma 95-Programms. Ein mit verstörender Intensität inszeniertes Familien-Melodram, dessen gnadenlose Direktheit von nuancierter Ironie interpunktiert wird. Ein Beispiel dafür, wie mit kleinen Mitteln großes, bezwingend aktuelles Kino entstehen kann.