So. 08.03.2015 / 20:00

DIE WOLKEN VON SILS MARIA

Ein Film über das Abschiednehmen vom Gestern

Oliver Assayas Film ist ein elegisches Psychodrama über das Abschiednehmen vom Gestern, über die Klüfte zwischen den Generationen, aber auch zugleich ein Film über die Abgründe zwischen dem modernistischen Autorenfilm und dem dominanten Action-Kino. Nein, ganz jung ist sie nicht mehr, diese Maria Enders. Zwar bekommt der Film- und Theaterstar noch Angebote von prominenten Regisseuren. Doch die Rolle der jungen, verführerischen Sigrid, mit der sie vor 20 Jahren erst auf der Bühne und später im Kino berühmt wurde, soll bei einer Wiederaufnahme das Hollywood-Sternchen Jo-Ann Ellis übernehmen. Maria, die sich noch als junge Verführerin fühlt, ist nurmehr für den Part der älteren Verführten Helena vorgesehen, und das macht ihr zu schaffen, wie nur weniges zuvor. Maria versucht, sich mit der Ignoranz des Alters und der Arroganz des Hochkultursnobs vor der Einsicht zu schützen, dass ihre Jugend vergänglich ist. Doch vergeblich. Wie das seltene Wetterphänomen des Malojapasses in den Schweizer Alpen, an das sich der Titel des Films anlehnt, umwölkt Melancholie Marias Gemüt. Mit ihrer jungen Assistentin Val reist sei in die majestätischen Schweizer Berge. Bei dieser Reise verbindet die beiden Frauen mehr als eine professionelle Beziehung. Der wunderbaren Juliette Binoche und der ebenso wunderbaren Kristen Stewart dabei zuzusehen, wie sich ihre Figuren umkreisen, anziehen und abstoßen – allein schon das macht diesen Film zum Erlebnis.