Mo. 08.06.2015 / 20:00

IM LABYRINTH DES SCHWEIGENS

Ein Filmdrama thematisiert die Vorgeschichte der Frankfurter Auschwitzprozesse

Ende der 1950er Jahre, zur Zeit des deutschen Wirtschaftswunders, geraten die Ereignisse des Zweiten Weltkrieges langsam in Vergessenheit. Als der Journalist Thomas Gnielka im Gericht der Stadt Frankfurt am Main einen ehemaligen Wärter des Vernichtungslagers Auschwitz anzeigen möchte, den sein Bekannter Simon Kirsch als Lehrer auf einem Schulhof gesehen hat, stößt dies auf breite Ablehnung. Der junge Staatsanwalt Johann Radmann befasst sich jedoch mit dem Fall und beginnt mit Unterstützung des Generalstaatsanwalts Fritz Bauer mit den Ermittlungen. Dabei gerät er immer stärker in Konflikte mit Bekannten und Kollegen, welche die Ereignisse des Holocausts verdrängen wollen. Der Film findet einen glaubwürdigen Zugang zu dem weit über die juristische Strafverfolgung hinausgehenden Komplex aus Schuld, Strafe, Aufklärung und Erinnerung. Nicht zuletzt der persönliche Konflikt, in den Johann Radmann während seiner Ermittlungen gerät, verleiht dem Film eine authentische Tiefe, die erahnen lässt, wie erschütternd, aber vor allem wie bedeutsam die folgenden Frankfurter Auschwitz-Prozesse für das bundesrepublikanische Selbstverständnis und die Ausformung einer demokratischen Identität sein sollten.