Mo. 02.03.2015 / 20:00

SAG NICHT WER DU BIST!

Wie eine Erzählung von Kafka oder ein Film von Hitchcock

Der junge Tom aus Montreal fährt aufs Land, um am Begräbnis seines verunglückten Lovers teilzunehmen. Als er auf der einsamen Farm der Familie eintrifft, wird er von niemandem erwartet. Die Mutter Agathe weiß nicht einmal, dass ihr Sohn schwul war. Der ältere Bruder Francis macht Tom eindringlich klar, dass das auch so bleiben muss. Verstört und überrumpelt gibt Tom nach – und lässt sich auf ein seltsames Spiel mit dem unberechenbaren Francis ein, das ihn von Tag zu Tag mehr in seinen Bann zieht. Zwei Seelen wohnen in Toms und Francis´ Brust. Diese seltsam widerständige und damit so ungeheuer provokante Sanftheit des einen findet ihre Entsprechung in der immer wieder auflodernden Brutalität des anderen. Doch letztlich lassen sich Opfer und Täter auf der abgelegenen Farm kaum trennen. Tom sucht die Schläge und den Schmerz, als wollte er eine tief sitzende Trauer und Verzweifelung überdecken. Und Francis wirkt während seiner Attacken  gegen Tom verletzlicher als sein Opfer. Das 25-jährige kanadische Regie-Wunderkind Xavier Dolan erhielt für sein bisher vollkommenstes Werk viele Preise, unter anderen den Großen Preis der Filmkritik auf den Filmfestspielen von Venedig.