Mo. 11.04.2016 / 20:00

ANOMALISA

Ein hinreißend menschliches Kinokunststück über Einsamkeit und Entfremdung

Man kann es kaum glauben, dass ein Puppentrickfilm die menschliche Psyche genauer ausleuchtet als so mancher Realfilm. Dieses Stop-Motion-Drama fasziniert von der ersten bis zur letzten Sekunde – 91 Minuten lang. Mit einem unheilvollen Stimmengewirr beginnt der Film. Stimmen sind ein Leitmotiv in dieser melancholischen Tragikomödie. Die Geschichte handelt von Michael Stone, einem erfolgreichen Coach, der sich selbst nicht mehr aufraffen kann zum Glück. Er reist durch Amerika und begeistert mit Vorträgen über Telefonmarketing die Menschen. Doch warum klingen alle um ihn herum gleich, seine Frau wie der Hotelboy, seine Ex-Geliebte wie die Barfrau? Charlie Kaufmans Puppendrama, bei dem er zusammen mit dem Stop-Motion-Spezialisten Duke Johnson Regie geführt hat, erzählt mit dramaturgischer Raffinesse und poetischer Grausamkeit die Tragödie eines Mannes in der Sinnkrise. Lediglich kleine Momente des Glücks sind ihm vergönnt. Diese sind voller Zärtlichkeit und fragilen Hoffnungen, die mit einer Frauenstimme einhergehen, die anders klingt als all die anderen. Michael Stone tauft diese Frau „Anomalisa“. Eigentlich ist es ja kein Wunder, wenn einem die Welt surreal vorkommt – jeden Tag ein bisschen mehr.