So. 21.02.2016 / 11:00

DER PERLMUTTKNOPF

Ein preisgekröntes Film-Essay von Patricio Guzmán

Der Ozean enthält die gesamte Menschheitsgeschichte. Das Meer fängt alle Stimmen der Erde auf und auch die aus dem Weltraum. Das Wasser erhält Impulse von den Sternen und überträgt sie auf lebende Organismen. Wasser, das den größten Teil der Landesgrenzen Chiles ausmacht, birgt auch das Geheimnis von Perlmuttknöpfen, die auf dem Meeresgrund gefunden wurden. Perlmuttknöpfe von Gefangenen und Ermordeten der Chilenischen Lager aus der Pinochet-Zeit. Diese nicht aufgearbeitete Zeit der Diktatur ist das Leitthema des Regisseurs: Eine ungesühnte Schuld nicht nur aller Chilenen, sondern der ganzen Welt. Erst spät hat man herausgefunden, dass das Pinochet-Regime die Leichen ermordeter Dissidenten im Pazifik verschwinden ließ. Die Körper wurden an ausrangierte Eisenbahnschienen gebunden, um auf den Meeresboden zu sinken. Und an einem dieser mittlerweile verrotteten Schienenstücke fand man einen Perlmuttknopf, das einzige Zeichen dafür, dass ein Mensch von der Eisenstange mit in die Tiefen gezogen wurde. Der Geschichte der Folter, des Verschwindens und der Vernichtung setzt der Film allerdings etwas Lebendiges und Positives entgegen: Immer wieder betont der Regisseur als Off-Sprecher das Verhältnis von Wasser und Leben und betont, wie wichtig das Wasser für das Leben sei. Genauso verhält es sich mit der Vergangenheit – sie gehört unabdinglich zum gegenwärtigen Leben.