Mo. 13.06.2016 / 20:00 Uhr

DER WERT DES MENSCHEN

Das Gesetz des Marktes gilt – der einzelne Mensch mit seinem privaten Schicksal nur wenig.

Über ein Jahr ist Thierry Taugourdeau schon arbeitslos: Der Film skizziert den Zustand der Arbeitslosigkeit in Szenen, die das Gesetz des Marktes dokumentieren, und in ihrer Banalität, Peinlichkeit, Absurdität, Tragik durchaus Alltag einer großen Zahl Arbeitsloser sind. Thierry sitzt bei seinem Berater auf dem Arbeitsamt und beschwert sich über die Umschulung zum Kranführer, die man ihm aufzwingen will. Sinnlos sei das, sagt der ehemalige Programmierer, denn jemand, der zuvor noch nie auf einer Baustelle gearbeitet hätte, wäre doch als Kranführer denkbar ungeeignet. Als er schließlich einen Job als Detektiv in einem Supermarkt erhält, wird ihm bei der Einweisung unverblümt erklärt, dass er auch die Kassiererinnen zu überwachen habe, weil der Chef jede kleine Verfehlung nutzen möchte, um zwecks Gewinnmaximierung das Personal zu entlassen. Damit ist nun auch Thierry Teil eines unmenschlichen Systems und wird sich angesichts der folgenden Ereignisse überlegen müssen, wie er sich dazu verhält. Für seine Rolle als Thierry gewann der Schauspieler Vincent Lindon beim Festival in Cannes den Preis als Bester Darsteller. Hinter den unbewegten Gesichtszügen dieses Mannes, sieht man es ständig arbeiten. Sein Körper vermittelt den Druck, unter dem er steht. Und so gibt es in dem Film auch nur eine einzige Szene mit lächelnden Menschen: Wenn Thierry, seine Frau und ihr behinderter Sohn zuhause tanzen, sagt ihnen für einen kleinen gelösten Moment niemand, was sie zu tun haben.