So. 17.04.2016 / 11:00

FRANCOFONIA russ./franz./dt. OmU

In einem wilden Filmtrip lässt Alexander Sokurov Napoleon durch den Louvre wandeln

Dies ist ein vergnügliches, ungemein reichhaltiges und bewegendes Sokurov-Capriccio. Wer Alexander Sokurov, die Gallionsfigur des russischen Autorenkinos, bisher nur als raunendes Orakel pechschwarzer apokalyptischer Visionen – etwa bei seinem 2012 bei uns gezeigten “Faust“ – kennen gelernt hat, wird sich verwundert und erfreut die Augen reiben. „Francofonia“ ist der funkelnde Kristall eines Essayfilms, der seine tiefgründige Reflexion über Kunst, politische Macht und die Seele Europas zur abenteuerlichen Reise werden lässt. Erzählerisch eröffnen sich immer neue Türen: Zu Historie und Traum, Meditation und komödiantische Flunkerei. Was bedeuten uns Museen überhaupt? Der Louvre wird als konkreter Ort und Zauberlabyrinth vielfältig erkundet. Die Symbolfiguren Frankreichs – Napoleon und Marianne – steigen aus den Gemälden und geistern durch die Hallen des Louvre. Während der deutschen Besatzung treffen 1940 der damalige Louvre-Direktor mit dem deutschen Leiter der Abteilung “Kunstschutz der Wehrmacht“ zusammen: Eine historisch bezeugte Freundschaftsgeschichte im Zeichen der Kunstbewahrung. Mit einer träumerischen Fantasie weitet Sokurov historische Themen in Angstbildern: Kampf, Krieg, Terror, Vernichtung. Die Kunst aber steht für das Gegenteil: Liebe, Respekt, Achtung, Offenheit. Das Museum ist nicht nur ein Tempel der Ästhetik, sondern der heilige Offenbarungsort der Seele Europas. Kunst muss bewahrt werden, um die Seele zu bewahren.