So. 09.10.2016 / 11:00

HIERONYMUS BOSCH – SCHÖPFER DER TEUFEL

Ein Beitrag zum heutigen “European Art Cinema Day“

Er zählt zu den wichtigsten Renaissance-Malern, obwohl (oder gerade weil) sich seine düsteren, von obskuren Gestalten bevölkerten Werke einer einfachen Deutung entziehen. In dieser Doku begibt sich ein Experten-Team zum 500. Todestag des Meisters auf eine Reise, um dessen Werke zu untersuchen. Der Film verschafft uns einen hochinteressanten Einblick hinter die Kulissen der Bosch-Forschung und modernen Bildanalyse. Kunst- und Renaissance-Fans sowie Zuschauer, die sich mit den bizarren Bilderwelten von Bosch, die voller detailreicher Anspielungen und kryptischer Symbole stecken, kommen hier auf ihre Kosten. Noch nie war man den Werken des Meisters so nahe, was nicht zuletzt daran liegt, dass der Regisseur viele Bilder in langen Nahaufnahmen zeigt und noch weiter geht: die Kamera konzentriert sich auf einzelne Details der Werke, von bizarren Fratzen über angsteinflößende Wesen bis hin zu rätselhafte Symbolen, rückt sie groß ins Bild und ermöglicht uns Zuschauern so eine genaue, intensive Betrachtung. Auf diese Weise werden selbst Bosch-Kenner bisher unbekannte Elemente in seinen Werken finden. Es ist total spannend, den Experten bei ihrer Arbeit zuzusehen. Mit Hilfe modernster Methoden wie der Infrarot-Fotografie oder der Röntgendiagnostik versuchen die Wissenschaftler, Kenntnisse über einige der wesentlichen Fragen zu erlangen. In den intimsten und persönlichsten Momenten des Films sieht man Wissenschaftler vor den Bilder sitzen, wie sie die Meisterwerke voll und ganz auf sich wirken lassen – ähnlich eines Trance-Zustandes und voller Demut.