Di. 01.03.2016 / 20:00

LE HAVRE

Aki Kaurismäkis großartiger Film zum Flüchtlingsthema.

Der Film des Chef-Melancholikers Kaurismäki von 2011 ist eine sensible Auseinandersetzung mit dem Flüchtlingsproblem ohne Betroffenheitsrhetorik. Zweierlei beflügelt „Le Havre“ entscheidend: Kaurismäkis Liebe zum klassischen französischen Kino, dem er zahlreiche Reminiszenzen widmet – und sein politischer Zorn über die demütigende Behandlung der afrikanischen Flüchtlinge. „Das größte aller Probleme Europas in diesen Jahren ist die Flüchtlingsfrage“ erklärte er bereits 2011während der Premiere in Cannes. Die Tragikomödie spielt in der titelgebenden französischen Hafenstadt. Marcel, ein ehemaliger Literat ist nach erfolglosen Jahren nach Le Havre gezogen und verdient sich seinen Lebensunterhalt als Schuhputzer und glaubt, der Gesellschaft auf diese Weise besser dienen zu können. Er lebt zusammen mit seiner liebevollen Ehefrau Arletty und der Hündin Laïka in einem kleinen Hinterhaus. Regelmäßig sucht er in der Hafengegend seine Stammkneipe auf. Eines Tages trifft er während seiner Mittagspause zufällig auf Idrissa, der sich unter dem Pier im Wasser verschanzt hat. Der Junge aus Gabun ist illegal, in einem Container versteckt, nach Frankreich eingereist und vor den Behörden geflüchtet. Bei Marcel, Arletty und Laïka findet er Unterschlupf. Trotz vieler Widerstände hilft Marcel – unterstützt von seiner solidarischen Nachbarschaft – Idrissa dabei, nach London zu gelangen, wo seine Mutter lebt. In dem Jubel, mit dem „Le Havre“ bei seiner Uraufführung begrüßt wurde, war die Erleichterung zu spüren, einen der Großen des Autorenkinos wieder im Vollbesitz seiner Magie zu sehen.