Mi. 18.01.2017 / 20:00

Sonderprogramm HFF – DIE ANGST DES TORMANNS BEIM ELFMETER

Der legendäre Debüt-Film von Wim Wenders nach seinem Studium an der HFF.

Der Film basiert auf der gleichnamigen Erzählung von Peter Handke. Wim Wenders las das Manuskript seines Freundes Peter Handke bereits vor der Veröffentlichung des Buches und entschloss sich, einen Film daraus zu machen. Dabei hielt er sich genau an die Buchvorlage: Der Torwart Josef Bloch wird wegen eines Fouls vom Platz gestellt. Er zieht danach ziellos durch Wien und trifft in einem Kino die Kassiererin Gloria, mit der er die Nacht verbringt. Am nächsten Morgen bringt er sie um, fährt zu einer Freundin ins Burgenland – und wartet dort auf die Polizei. Das psychologische Krimi-Drama fand nach der Erstaufführung 1972 bei den Kritikern große Anerkennung und wurde auf den Internationalen Filmfestspielen von Venedig mit dem Großen Preis der Filmkritiker ausgezeichnet. Kommerziell  erfüllten sich die Erwartungen jedoch nicht. Auf der Berlinale 2015 wurde eine restaurierte, digitalisierte Fassung gezeigt, die auch bei uns heute zur Aufführung kommt.

WIM WENDERS – Kurzbiografie

Wim Wenders, geboren am 14. August 1945 in Düsseldorf als Sohn des Chirurgen Heinrich Wenders, studierte nach dem Abitur mehrere Semester Medizin und Philosophie in München, Freiburg und Düsseldorf. Es folgte ein einjähriger Aufenthalt in Paris, wo er sich vergeblich an der Filmhochschule IDHEC bewarb. Mehr Erfolg hatte er an der Hochschule für Fernsehen und Film in München und nahm dort 1968 als einer der ersten ein Studium auf. Mit seinem HFF-Abschlussfilm SUMMER IN THE CITY legt Wenders 1971 seinen ersten abendfüllenden Spielfilm vor. Im gleichen Jahr gründete er außerdem mit zwölf weiteren Filmemachern den „Filmverlag der Autoren“. Mit seinem Debütfilm DIE ANGST DES TORMANNS BEIM ELFMETER setzt Wim Wenders seine Zusammenarbeit mit Peter Handke fort, die bereits 1969 mit einem Kurzfilm begonnen hatte. Der große künstlerische Durchbruch gelingt dem Regisseur zwei Jahre später mit ALICE IN DEN STÄDTEN. 1975/76 entsteht IM LAUF DER ZEIT, danach 1977 DER AMERIKANISCHE FREUND nach einem Roman von Patricia Highsmith, der das Interesse von Francis Ford Coppola weckt. Er bietet Wenders die Regie der Film-Noir-Hommage HAMMET an. Unstimmigkeiten unterbrechen wiederholt die Dreharbeiten, daher kommt der Film erst 1982 in Cannes erstmals zur Aufführung. In den Herstellungspausen inszeniert Wim Wenders DER STAND DER DINGE, der 1982 in Venedig mit dem Goldenen Löwen ausgezeichnet wird. 1984 erhält PARIS, TEXAS in Cannes die Goldene Palme. Auch sein nächster Film DER HIMMEL ÜBER BERLIN feiert große Erfolge und avanciert zu einer Art Berlin-Kultfilm, dem 1992 IN WEITER FERNE SO NAH folgt. BUENA VISTA SOCIAL CLUB von 1997 wir ein Welterfolg. DON´T COME KNOCKING erhält 2005 den Europäischen Filmpreis. 2011 stellt Wenders mit dem Dokumentarfilm PINA eine Hommage an Pina Bausch vor, der auch mit dem Deutschen und Europäischen Filmpreis ausgezeichnet wird und eine Oscar-Nominierung erhält. Auf den Filmfestspielen in Cannes 2014 hatte der neue Dokumentarfilm THE SALT OF THE EARTH Weltpremiere: Es gab frenetischen Applaus und den Spezialpreis der Sektion „Un Certain Regard“. 2015 folgte das Meisterwerk EVERYTHING WILL BE FINE und 2016 – wieder nach einer Erzählung seines Freundes Peter Handke – DIE SCHÖNEN TAGE VON ARANJUEZ. Wim Wenders war auch als Fotograf international erfolgreich. Er ist Ehrendoktor der Theologie an der Sorbonne in Paris, Mitglied der Akademie der Künste in Berlin, Vorsitzender der European Film Academy und seit 1993 Professor an der HFF München. 1990 erhielt er das Bundesverdienstkreuz, 1991 den Murnau-Preis. Wim Wenders ist mit der Fotografin Donata Wenders verheiratet und lebt in Berlin.