So. 05.11.2017 / 11:00

FINAL PORTRAIT / ALBERTO GIACOMETTI

Der Film porträtiert zwei Wochen im Leben des Bildhauers und kreiert ein eindringliches Bild des Künstlers.

©2000-2017 PROKINO Filmverleih GmbH

Es ist die Kunst von Filmen, nicht nur schöne Bilder zu zeigen, die Geschichten erzählen, sondern vor allem auch, Gefühle zu erzeugen. Dem Regisseur Stanley Tucci gelingt das in diesem Biopic. Es sind die lähmenden Zweifel, die quälende Zerrissenheit des Künstlers, die Tucci inszeniert und das ungewöhnliche Verhältnis zwischen dem alternden Giacometti und dem jungen Autor und Kunstliebhaber James Lord. Er war es, der Giacometti 1964 ursprünglich für ein paar Stunden in Paris Modell sitzen sollte, die zu mehr als zwei Wochen wurden. Die Sitzungen werden ständig von Bistro-Besuchen oder Spazierfahrten unterbrochen. Während Giacometti das Portrait immer wieder übermalt, erlebt Lord nicht nur die Entstehung eines Kunstwerkes am eigenen Körper, sondern auch den ungewöhnlichen Künstler in all seiner Zerrissenheit. Die beiden entwickeln eine ungewöhnliche Beziehung: nicht eng und doch vertraut. Sie sprechen über die Kunst und immer wieder ist es Giacometti, der Long mit seinen Fragen irritiert. „Wolltest Du schon mal ein Baum sein?“ Wolltest Du Dich schon mal umbringen?“ Long lässt den zwar neurotischen, aber doch sehr humorvollen, unkonventionellen Künstler mit einer Engelsgeduld walten und beflügelt so sein Schaffen. Er reist schließlich mit dem Portrait in die USA zurück, das in den Augen Giacomettis noch längst nicht fertig ist.