Mo. 04.12.2017 / 20:00

HAPPY END

Eine Dynastie im Untergang.

© 2017 X Verleih

Näher an einer Farce war Michael Haneke, Meisterregisseur der Abgründe, mit seinen Dramen vom Zerfall des europäischen Bürgertums nie als nun bei „Happy End“. Man muss diesen Film aber nicht nur als Farce verstehen, dazu sind die Personen viel zu komplex und intim gezeichnet. Wenn man sich trauen würde, könnte man aber angesichts des dargestellten Grauens auch in Gelächter über die Menschen unserer Zeit ausbrechen: ein Unglück, das ausgelöst wird, weil jemand zur Unzeit auf ein Dixi-Klo geht, ein Meerschweinchen, das mit Antidepressiva gefüttert wird, eine Familie, in der der Selbstmordversuch zum bevorzugten Kommunikationsmittel wird. In Calais kämpft die Unternehmerdynastie Laurent ums Überleben von Firma und Familie. Noch residiert man stilvoll in der Villa mit nordafrikanischem Personal und einem Rest großbürgerlicher Contenance. Doch die Welt der Laurents ist dem Untergang geweiht – und ihr Vergehen schert den Rest der Welt kein bisschen. Vermutlich lässt man den alten, dynastischen Kapitalismus, die bürgerliche Gesellschaft, Europa und natürlich das ganze Abendland teilnahmslos zugrunde gehen. „Happy End“ ist jedoch kein Film katastrophischer Engführung. Immer wieder gibt es Verweise, Andeutungen und Assoziationen in dieser Familienaufstellung – man könnte es eher als ein “Spiel“ betrachten. All das und der ungewohnte Raum, den wie immer die traumhafte Beziehung zwischen Regie und dem prominenten Schauspiel-Ensemble gewährt, gibt dem Film sogar eine überraschende Leichtigkeit.