Mo. 13.11.2017 / 20:00

MARKETA LAZAROVÁ / OmU

Eines der bedeutendsten Filmjuwelen der tschechischen Kinokunst.

© 1967 Studio Filmowe Barrandov Státní fond České Republiky

Traumhaft-visionär taucht der Film tief in ein düsteres Mittelalter ein. In weiten Winterlandschaften, Wäldern und kargen, schmutzigen Burghöfen und Kammern spielt sich die Geschichte um eine Fehde zweier Räuberbanden und die junge Marketa, Tochter eines der Räuber, ab. Verkörperung der Unschuld in einem Reigen aus Gier und Rache soll sie in ein Kloster gehen, wird aber vom konkurrierenden Clan entführt und vergewaltigt, was eine tragische Verwandlung ihres Charakters auslöst. Es ist ein forderndes Werk, doch in seiner Kompromisslosigkeit und in seinem Reichtum an Formen und Motiven in seiner Bildgewalt ungemein faszinierend. Fremd und geheimnisvoll wirken die Bilder wie die Protagonisten dieses Films, ebenso die experimentierende Tongestaltung mit Echoeffekten und asynchronen Passagen. Während auf der Bildebene majestätischen Tableaus mit wilder Handkamera wechseln, kombiniert die Musik Chorgesang mit elektronischen Klängen. Blutiger Naturalismus begegnet Mystik, heidnische Rituale kollidieren mit christlicher Symbolik und lyrisch-verwunschenen Ritualen. Manches erinnert an Tarkovskij oder auch Orson Welles. Dass „Marketa Lazarová“ nun wieder ins Kino kommt, ist ein Glücksfall.