Mo. 23.04.2018 / 20:00

LOVELESS

Die Geschichte einer zerfallenen Familie stellvertretend für die Gesellschaft Russlands.

© 2018 Alpenrepublik

Der Regisseur Andrey Zvyagintsev hat sich im Laufe der letzten Jahre als einer der einflussreichsten russischen Filmemacher abseits des staatlichen Systems etabliert. Gleich mit seinem Debut “The Return“ gewann er vor 10 Jahren in Venedig den Goldenen Löwen, und seit seinem Melodram-Meisterwerk “Leviathan“, für den er 2014 in Cannes den Großen Preis der Jury erhielt, zählt er weltweit zu den Gipfelstürmern der Filmkunst. Sein neuer Film “Loveless“ von 2017 wurde auf den Filmfestspielen in Cannes gleich wieder mit dem Drehbuchpreis ausgezeichnet und für die Oscar-Verleihung 2018 als bester fremdsprachiger Film nominiert. Der Film beschreibt das Leben eines russischen Jungen, dessen Eltern versuchen, sich scheiden zu lassen, und beide ihren Sohn daher vernachlässigen. Lautstark streiten sie zu Hause darüber, wer ihren Sohn nach der Scheidung nehmen muss, oder ob sie ihn in ein Internat geben sollen. Der Zwölfjährige bekommt dies alles mit, bleibt aber still in seinem Zimmer und weint leise, weil er den Eindruck hat, sie hätten ihn nie gewollt und nie geliebt. Verzweifelt wegen der Gleichgültigkeit seiner Eltern rafft sich der Junge auf und verschwindet. Um ihren Sohn wiederzufinden, müssen sich die Eltern zusammenraufen, denn die Polizei will sich erstmal nicht um den Fall kümmern. Völlig freiwillige Unterstützung erhalten sie aber von einer Hilfsorganisation. Ihre Suche führt sie zu einem verfallenen Haus… Andrey Zvyagintsev zeigt wieder einmal sein bemerkenswertes Talent für die Schaffung perfekt geformter, dramatischer Mikrokosmen, die die tief verwurzelten Krankheitsbilder der russischen Gesellschaft veranschaulichen.