Do. 21.04.2011 / 20:00
Reihe: Große Filmklassiker

Pier Paolo Pasolini drehte diesen Film unmittelbar nach seiner „Matthäus-Passion“, die wir bereits zweimal in der Karwoche aufgeführt haben. Es ist ein wahres Juwel der Filmkunst, das sich fugenlos in die Zeit vor dem Osterfest einpasst: Ein Mann und sein Sohn begegnen während ihrer Wanderschaft durch die italienische Provinz einem sprechenden Raben, der sie in politisch-philosophische Debatten über Gott und die Welt, Christus und Marx, Geschichte und Revolution verwickelt. Die wunderbar verschrobene Filmfabel ist eine ebenso witzige wie tiefsinnige Meditation über die Geschichte und Bestimmung des Menschen. Der spielerische Umgang mit Ideologien und deren Rückführung auf die Praxis des Alltags bereitet ästhetischen Genuss und intellektuelles Vergnügen. Frohe Ostern!
R + B: Pier Paolo Pasolini – K: Mario Bernardo, Tonino Delli Colli – M: Ennio Morricone – D: Totò, Ninetto Davoli, Femi Benussi, Umberto Bevilacqua, Rossana Di Rocco – Italien 1966 – L: 88 Min.
Mo. 18.04.2011 / 20:00
Reihe: Der besondere Film

Zwischen Glaube und Hoffnungsindustrie: Jessica Hausners erstaunlicher Film erzählt ganz unaufgeregt von der Pilgerfahrt einer jungen Frau. Wie ein Feldforscher folgt die Kamera der jungen ganzkörpergelähmten Christine. Lourdes ist eines jener Ziele der Heilsuchenden, die sich zu einer großen Hoffnungsindustrie entwickelt haben. Hier, wo sich die Muttergottes im Jahre 1858 einem jungen Mädchen offenbart haben soll und wo jährlich Abertausende von Pilgern zusammenströmen. Hier, wo man als Behinderte von wohltätigen Freiwilligen gefüttert, geschoben, gebettet, gewaschen und gekämmt wird. Hier, wo die unzähligen Souvenirläden bis unter die Decke mit Marienfigürchen vollgestopft sind. Nie lässt sich dieser Film aus der Ruhe bringen. Er entblößt zwar die Absurdität der Wallfahrtsfabrik, geht aber sehr behutsam um mit den Menschen, die von ihr angezogen werden. Prädikat: unbedingt sehenswert!
R + B: Jessica Hausner – K: Martin Gschlacht – D: Sylvie Testud, Léa Seydoux, Gilette Barbier, Gerhard Liebmann, Elina Löwensohn, Bruno Todeschini -
Österreich/Frankreich/Deutschland 2009 – L: 99 Min.
Mo. 11.04.2011 / 20:00
Reihe: Der besondere Film

Boonmees Erfahrungen, die auf den in einem Buch festgehaltenen Geschichten eines alten Mannes basieren, der während der Meditation seine früheren Leben an sich vorüberziehen sieht, stehen für eine vom Aussterben bedrohte Kultur, der der Regisseur eine Stimme verleiht. Bewusst bezieht er die Imaginationskraft des Zuschauers in sein Rezeptionskalkül mit ein, und es gelingen ihm eindringliche Bilder exotischer Schönheit. Alles findet nach und nach zueinander: die Geräusche und die Bilder, Geister und Menschen und Tiere. Wenn man sich ganz und gar verlieren kann, wird alles eins: Differenz und Identität, Wachbewusstsein und Traumbewusstsein. Ein Meisterwerk, das sich weniger ans rationale Denken als ans Fühlen richtet. Mai 2010: Die erste Goldene Palme für Thailand!
R + B: Apichatpong Weerasethakul – K: Sayombhu Mukdeeprom, Yukontorn Mingmongkon, Charin Pengpanich – D: Thanapat Saisaymar, Jenjira Pongpas, Sakda Kaewbuadee, Natthakarn Aphaiwonk – Thailand/UK/F/D/E/NL 2010 – L: 113 Min.
Di. 05.04.2011 / 20:00
VHS / Cinéma Français (OmU)

Mousse und Louis sind jung, wohlhabend und verliebt. Doch Drogen haben ihr Leben zerstört. Eines Tages nehmen sie eine Überdosis, an der Louis stirbt. Mousse überlebt und erfährt im Sanatorium, dass sie schwanger ist. Verzweifelt verlässt sie Paris und zieht sich in ein Haus am Meer zurück. Dort besucht sie Louis’ Bruder Paul in ihrem Refugium. Mousse und Paul sind zwei Menschen, die nichts gemeinsam haben, und doch helfen sie einander, vertrauen sich. Sie sind Außenseiter, die sich noch selbst finden müssen. Der Film erzählt sehr behutsam die Geschichte eines schmerzvollen Verlustes und eines langsamen Heilungsprozesses. François Ozon gelang ein faszinierendes Kammerspiel, das bereits mit vielen Auszeichnungen bedacht wurde.
R: François Ozon – B: François Ozon, Mathieu Hippeau – K: Mathias Raaflaub – M: Louis-Ronan Choisy – D: Isabelle Carré, Louis-Ronan Choisy, Pierre Louis-Calixte, Melvil Poupaud, Claire Vernet, Jean-Pierre Andréani – Frankreich 2009 – L: 90 Min. – Französische Originalfassung mit deutschen Untertiteln
Di. 05.04.2011 / 16:00
Reihe: Kino für Senioren

Albert Schweitzer (1875-1965), Theologe, Arzt, Philosoph und Musiker, gilt als einer der letzten Universalgelehrten. Seine Philosophie der »Ehrfurcht vor dem Leben« treibt ihn ein Leben lang an, alle Klassenschranken fallen zu lassen, den Ärmsten der Armen zu dienen und die Natur nicht auszubeuten. Sein größtes Werk war der Aufbau des Tropenhospitals Lambarene im afrikanischen Gabun, das er 1913 gründete. Dort wirkte er bis zu seinem Tod als Missionsarzt. Als Theologe leistete er außerdem wichtige Beiträge zur Leben-Jesu-Forschung. Als Musiker erwarb er sich große Verdienste durch die Herausgabe und Neuinterpretation des Orgelwerks von J.S. Bach. Albert Schweitzer erhielt 1952 den Friedensnobelpreis. Ein so reiches Leben kann unmöglich in einer normalen Spielfilmlänge untergebracht werden. So setzt der Film auch erst in Afrika ein und geht davon aus, dass der Zuschauer bereits über ein Grundwissen zu Schweitzers Leben und Leistungen verfügt. In beeindruckenden Bildern wird das bedeutungsvolle Leben dieses großen Humanisten gezeigt.
R: Gavin Millar – B: James Brabazon, David Howard – D: Jeroen Krabbé, Barbara Hershey, Armin Rohde – Deutschland/Südafrika 2009 – L: 114 Min.
Mo. 04.04.2011 / 20:00
Reihe: Der besondere Film

Der polnischstämmige Koreakriegsveteran und ehemalige Ford-Automechaniker Walt Kowalski, dessen Weltbild von rassistischen Vorurteilen geprägt ist, wohnt in einer Detroiter Vorstadtsiedlung, in der der Niedergang der Autoindustrie seine Spuren hinterlassen hat. Viele Nachbarn sind in bessere Wohngegenden gezogen. Sie fahren keine amerikanischen Autos mehr, sondern ausländische. Das verärgert Walt, denn er sieht amerikanische Ideale zusehends gefährdet. Selbst sein Sohn besitzt ein ausländisches Fahrzeug, sogar ein asiatisches Fabrikat, was Walt überaus missbilligt. Denn auch seine Nachbarn, Immigranten aus Südostasien, kann er ganz und gar nicht leiden. Aber verschiedene Entwicklungen machen es erforderlich, diese Nachbarn gegen eine Gang zu verteidigen, die Angst und Schrecken verbreitet. Es geht um Rassismus und die verheerenden Auswirkungen blinder Gewalt, die bereits in den Vorgärten aufgeht. Clint Eastwoods Parabel über Hass und Toleranz ist ein packendes, aufrichtiges und einfühlsames Alterswerk, das zahlreiche internationale Preise erhielt.
R: Clint Eastwood – B: Nick Schenk, Dave Johannson – K: Tom Stern – M: Kyle Eastwood, Michael Stevens – D: Clint Eastwood, Bee Vang, Ahney Her, Christopher Carley, Brian Haley, Geraldine Hughes – USA 2008 – L: 112 Min.