ARCHIV FÜR April 2013

Di. 16.04.2013 / 20:00

EL NIDO VACIO / DAS LEERE NEST VHS/Spanisch m. dt. UT

Es ist die Zeit, in der die Kinder ausfliegen, das Nest verlassen

Der Mittelpunkt des Films ist der Moment, der das Leben aller Eltern mit erwachsen werdenden Kindern prägt. El nido vacio, das verlassene Nest eben, ergründet den Moment der Leere, wenn die Kinder groß geworden sind und selbständig, wenn sie das erreicht haben, was ihnen die Eltern ja über die Jahre ihrer Kindheit hinweg wünschten. Das alltägliche familiäre Chaos endet – aber was folgt? In diesem Beispiel ist es Leonardo, ein erfolgreicher Schriftsteller, der sich mit seiner Frau eines Tages in dieser Situation vorfindet. Was stellt man sich vor, was ist wirklich? Ein ebenso einfühlsamer wie klug gebauter Film um die Familie, die Träume und Ängste auch, um Hoffnungen und Ahnungen.

Mo. 29.04.2013 / 20:00

CÄSAR MUSS STERBEN / OmU

William Shakespeares “Julius Cäsar “ hinter Gefängnismauern in Rom

In ihrem Film, der 2012 im Rahmen der Internationalen Filmfestspiele Berlin uraufgeführt und dort mit dem Hauptpreis des Festivals ausgezeichnet wurde, begleiten die Taviani-Brüder im Gefängnis von Rebibbia  eine Gruppe von Gefängnisinsassen sechs Monate lang zusammen mit dem Theatermacher Fabio Cavalli  die Proben bis zur Aufführung des Shakespeare-Dramas. Die kunstvolle Filmgestaltung  der Taviani-Brüder würde aber nicht allein funktionieren, wenn die beteiligten Gefängnisinsassen nicht „geborene“ Schauspieler wären. Der Film beginnt und endet mit einem Triumph: die Aufführung wird frenetisch beklatscht. Die Schauspieler verbeugen sich, bis sie ihrerseits in ungehemmten Jubel ausbrechen. Schließlich geht die Truppe ab, die Männer durchquere Gänge und  Korridore – und werden wieder einzeln in ihre Zellen gesperrt. Für die Akteure wird die Haft zunächst noch schmerzhafter, aber der Sinn ihres Lebens auch erfahrbarer.

Mo. 22.04.2013 / 20:00

das leben gehört uns

Eine wahre Familientragödie, die sich wie eine Komödie anfühlt

Stürmische Liebe auf den ersten Blick, eine gemeinsame Wohnung, ein eigenes gemeinsames Kind: das Leben könnte nicht positiver verlaufen für die beiden Schauspieler Juliette und Roméo. Doch schon bald wird das junge Familienglück getrübt durch ihr Söhnchen Adam, der sich nicht normal verhält. Zunächst beschwichtigen sich die Eltern gegenseitig, doch irgendwann kommen sie nicht umhin festzustellen, dass der kleine Adam krank zu sein scheint. Die Ängste werden Realität für die jungen Eltern: Adam hat einen Gehirntumor. Das Paar widmet sich nun dem Kampf um das Leben ihres Sohnes mit der gleichen Hingabe und Intensität, mit der sie zuvor ihre Liebe lebten. Das Filmemacher- und Autorenpaar Jérémie Elkaim und Valérie Donzelli übernahm in dem Film zugleich die Regie wie die beiden Hauptrollen, um in dem stark autobiografisch geprägten Film das eigene Schicksal zu verarbeiten. Die große Stärke des Films liegt vor allem darin, dass er aus der großen Tragik keine tränenreiche Plattitüde entwickelt, sondern seine besondere Intensität dem Titel entsprechend entwickelt: DAS LEBEN GEHÖRT UNS!

Mo. 15.04.2013 / 20:00

beasts of the southern wild

Das Fantasy-Drama basiert auf einem Theaterstück von Lucy Adlibar

“Bestien der südlichen Wildnis“ (zu dt.) ist das Spielfilmdebüt des amerikanischen Regisseurs und Drehbuchautors Benh Zeitlin,  das er zusammen mit der Autorin realisiert hat, und das auf dem Sundance- Filmfestival uraufgeführt und dort mit dem Hauptpreis ausgezeichnet wurde. Im Mittelpunkt der Handlung steht ein afroamerikanisches Mädchen, das mit ihrem schwerkranken Vater im abgelegenen Sumpfland Louisianas aufwächst. Ihre Heimat wird von einem schweren Sturm verwüstet, während das fantasievolle und naturverbundene Mädchen gleichzeitig die von vor Urzeiten eingefrorenen Ungeheuern erahnt, die von den schmelzenden Polarkappen freigegeben werden. Die gleichermaßen magische wie realistische Fabel wurde in diesem Jahr für 4 Oscars nominiert und erhielt weltweit zahlreiche Auszeichnungen.

So. 14.04.2013 / 20:00

hannah arendt

eine annäherung an die philosophin und politische Theoretikerin

Hannah Arendts gesellschaftspolitischen Schriften über totalitäre Systeme und Demokratie prägen bis heute unsere Sichtweise auf das 20. Jahrhundert. Als sie 1961 in Jerusalem den Gerichtssaal betritt, um für den renommierten THE NEW YORKER über den Prozess gegen den Nazi-Verbrecher Adolf Eichmann zu berichten, erwartet sie, auf ein Monster zu treffen. Stattdessen erlebt sie einen Niemand von geistloser Mittelmäßigkeit. Im Widerspruch zum abgrundtief Bösen seiner Taten entwickelt Hannah Arendt ihre These “Banalität des Bösen“, mit der sie die Welt schockiert.

So. 14.04.2013 / 11:00

AI WEI WEI – “Never sorry”

Reihe: Kunst und Künstler

„So sorry“, das ist laut Ai WeiWei die übliche Ausrede der Mächtigen überall auf dieser Welt. Sein Statement lautet anders: „Never sorry“ – und so hat die Britin Alison Klayman auch ihren Dokumentarfilm über Ai WeiWei betitelt. Drei Jahre lang begleitete sie den chinesischen Künstler, um aus Hunderten Stunden Material das erste abendfüllende Filmporträt über den weltweit gefeierten Aktivisten zu montieren.

Mi. 10.04.2013 / 20:30

die Wohnung

Eine Deutsch-Jüdische Geschichte, die noch nie erzählt wurde.

Eine Wohnung in Tel Aviv, ein Stück Berlin mitten in Israel. 70 Jahre lang hat Gerda Tuchler hier mit ihrem Ehemann gelebt, nachdem sie vor dem Holocaust aus Deutschland  fliehen mussten. Weggeschmissen haben sie nichts. Als sie mit 98 Jahren stirbt, trifft sich die Familie zur Wohnungsauflösung. Inmitten unzähliger Briefe, Fotos und Dokumente werden Spuren einer unbekannten Vergangenheit entdeckt: Die jüdischen Großeltern waren eng befreundet mit der Familie des SS-Offiziers Leopold  von Mildenstein. Filmemacher und Enkel Arnon Goldfinger recherchiert zusammen mit seiner Mutter: mit Mut und Wut gegen die Kisten, den Staub, die Antiquitätenhändler, die Familie, die Vergangenheit und die Gegenwart,Verdrängung und Wahrheit. Goldfingers Film erzählt eine ebenso spannende wie zutiefst bewegende Familiengeschichte und erhielt in Israel und Deutschland viele Auszeichnungen sowie das Prädikat „Besonders Wertvoll“.

Mi. 10.04.2013 / 19:00

das leere haus

Buchpräsentation und Podiumsgespräch mit den Autoren

Moderation: Prof. Dr. Günther Kronenbitter

Von den einstmals blühenden jüdischen Gemeinden in Bayrisch-Schwaben sind nur noch Fragmente vorhanden. Um einen Zeitraum von mehr als zehn Jahren bereiste der Künstler Martin Paulus die Region – hierbei entstanden eindrucksvolle Schwarz-Weiß-Aufnahmen, die die besondere Atmosphäre dieser Stätten jüdischer Vergangenheit einfangen. Den Fotografien zur Seite gestellt sind ausführliche Aufsätze der Historiker Edith Raim und Stefan Paulus, die die sozialen, politischen, kulturgeschichtlichen und kunsthistorischen Hintergründe beleuchten.

Martin Paulus – Stefan Paulus – Edith Raim
DAS LEERE HAUS – Spuren jüdischen Lebens in Schwaben – Volk Verlag München
(Die Fotografien werden während der Buchpräsentation auf die Leinwand projiziert.)