ARCHIV FÜR April 2015

Mo. 27.04.2015 / 20:00

STILL ALICE – MEIN LEBEN OHNE GESTERN

Wer vergisst, wer er war, hat keine Zukunft

Der Schrecken kommt auf leisen Sohlen: Ein Wort, das fehlt, ein Moment der Orientierungslosigkeit in vertrauter Umgebung. Das sind die Kleinigkeiten, die die Linguistik-Professorin bald so sehr irritieren, dass sie zum Neurologen geht. Kleine Funktionsuntüchtigkeiten, so diffus, dass Alice sie für erste Symptome eines Hirntumors hält, und so winzig, dass ihr Mann glauben wird, sie spinne, als sie sagt, sie habe Alzheimer. Alice ist brillant, und sie ist noch ziemlich jung, Anfang fünfzig, als sie ihr Gedächtnis zu verlieren beginnt. Julianne Moore hat gerade einen Oscar dafür bekommen, wie sie diese Frau spielt: eine New Yorker Intellektuelle, die langsam ihr Gestern verliert – und auf einen Schlag ihre Zukunft.

Di. 21.04.2015 / 20:00

BELLE EPOQUE VHS / Cine Espanol OmU

Spanien 1931 – kurz vor Ausrufung der Zweiten Spanischen Republik

Der ursprünglich zu diesem Termin geplanten Film MAGICAL GIRL können wir erst im Herbst nach dem Start in Deutschland zeigen.

Eine mitreißende Komödie, deren Dialoge scharfzüngig utopische Entwürfe, politische Hoffnungen und erotische Entdeckungen formulieren. Von Kameraarbeit, Dekor und Kostümen her ein Genuss, der sich in der Schauspielerführung fortsetzt.  Der Film erhielt 1993 in Spanien neun Goya-Preise und 1994 den Oscar in der Kategorie Bester fremdsprachiger Film.

Mo. 20.04.2015 / 20:00

AMOUR FOU

Rendezvous mit dem Tod

In den Salons der Romantik genießt der Dichter Heinrich von Kleist einen zweifelhaften Ruf. Der Melancholiker, dessen begnadete Dichtung seiner Zeit stets zu tief auf den Zahn fühlte und der trotz seines Talents stets vergeblich liebte, empfindet das Leben hauptsächlich als Schmerz. Sein größter Wunsch ist es, mit einem geliebten Menschen gemeinsam aus dem Leben zu gehen. Mit zärtlicher Ironie erzählt Jessica Hausner das als eine romantische Komödie, als eine Geschichte der Sehnsüchte und der Einbildungskraft, die manchmal wirklich und manchmal vergeblich sind.

Mo. 13.04.2015 / 20:00

CITIZENFOUR

Eine Dokumentation mit Edward Snowden als wahrer NSA-Thriller

Laura Poitras hat mit ihren unbequemen Filmen über die USA immer große Aufmerksamkeit erregt. Anfang 2013 erhält sie E-Mails einer Person, die sich „Citizen Four“ nennt und behauptet, über Informationen zu verfügen, die eine großflächige Überwachung sämtlicher US-Bürger nachweisen könnten. Die Filmemacherin begleitet den Kontakt, der sich bald als Edward Snowden vorstellt, von Anfang an mit der Kamera: sie zeigt die Gespräche, die Enthüllungen und die Folgen. Schon allein die Vorbereitungen für ein erstes Treffen in Hongkong ähneln dem Verschwörertreffen in einem Spionagethriller. Edward Snowden, der eher schüchterne Informatiker, erweist sich als kluger und bescheidener Mann, der konzentriert und sachlich spricht und dem man nur selten den privaten Druck ansieht, unter dem er steht. Einen großen Beitrag zur Klarheit leistet auch sein wichtigster Gesprächspartner, der Journalist Glenn Greenwald. Er brachte über die britische Zeitung THE GUARDIAN den NSA-Skandal an die Öffentlichkeit. Bei einem Treffen mit den Snowden-Anwälten in Berlin überwiegt die Einsicht, dass man Zeuge eines wohl einmaligen Vorgangs wird. Es wird immer schwieriger, Schweinereien geheim zu halten, und es ist gut, dass es Menschen gibt, die bereit sind, für den Kampf dagegen ihre Existenz zu riskieren. Im Februar 2015 erhielt CITIZENFOUR den OSCAR für den besten Dokumentarfilm!

So. 12.04.2015 / 20:00

LEVIATHAN

Das naturalistische Opus entfaltet sich wie ein großer Roman

Mit seinem Debütfilm THE RETURN (den wir 2x im FILMFORUM zeigten) wurde der Regisseur Andrei Zvyagintsev 2004 in Venedig mit dem Goldenen Löwen ausgezeichnet. Für LEVIATHAN erhielt er 2014 in Cannes bereits den Preis für das beste Drehbuch, im Februar 2015 folgte der Golden Globe Award für den besten fremdsprachigen Film. Das grandiose Filmdrama verpflanzt die Hiob-Geschichte ins Russland von heute: Ein einfacher Mann verliert alles, was er hat, und fragt verzweifelt, wo Gott bleibt. LEVIATHAN ist in seiner Komplexität und psychologischen Tiefe nicht nur ein Geschenk für die russische Gesellschaft, sondern gibt jedem Menschen auf dieser Erde einigen Stoff zum Nachdenken.

So. 12.04.2015 / 11:00

FRANZ MARC + AUGUST MACKE

Jenseits der Bilder – Eine Künstlerfreundschaft

Die Freundschaft zwischen Franz Marc (1880-1916) und August Macke(1887-1914) war für beide Maler essenziell und für die Kunst ihrer Zeit eine große Bereicherung. Vier Jahre währte ihre enge Verbundenheit, die mit dem Tod Mackes kurz nach Ausbruch des ersten Weltkrieges jäh beendet wurde.