ARCHIV FÜR August 2016

Mi. 03.08.2016 / 20:00 Uhr

DIE VERACHTUNG

Fritz Langs letzter Film basiert auf dem gleichnamigen Roman von Alberto Moravia.

Auf Capri wird unter der Regie Fritz Langs ein Film über die Irrfahrten des griechischen Helden Odysseus gedreht. Der amerikanische Produzent Prokosch (Jack Palance) verachtet Langs „Kunstkino“ und beauftragt den jungen Autor Javal (Michel Piccoli) mit der Überarbeitung des Drehbuchs. Außerdem macht er Javals Frau Camille (Brigitte Bardot)den Hof. Als sie spürt, dass ihr Mann sie mit dem Produzenten verkuppeln will, schlägt ihre Liebe in Verachtung um. Die letzte Einstellung zeigt Fritz Lang bei den Dreharbeiten auf der Dachterrasse der Villa Malaparte. Jean-Luc Godard gelang durch diese Zusammenarbeit einer seiner besten Filme, eine Satire auf das System Hollywood, eine unermüdliche Selbstreflexion über das Filmemachen und zugleich ein komplexes Beziehungsdrama. Ein würdiger Abschluss der kleinen Fritz Lang Werkschau!

Di. 02.08.2016 / 20:00 Uhr

Heisses Eisen

Fritz Langs erster Western spielt intelligent mit den Versatzstücken des Genres.

Bei der Untersuchung des Selbstmords eines Kollegen kommt der Polizist Dave Bannion einem weitverzweigten Verbrechersyndikat auf die Spur. Es terrorisiert die Bevölkerung einer Stadt, ihr Boss ist sogar Leiter der Stadtverwaltung. Als er sich weigert, seine Ermittlungen einzustellen, wird seine Frau ermordet. Er lässt sich vom Dienst suspendieren, um auf eigene Faust zu ermitteln. Dabei erhält er Unterstützung von der Gangsterbraut Debbie, die sich rächen will, weil ihr der Verbrecher Vince heißen Kaffee ins Gesicht schüttete und sie nun für immer entstellt ist. Als sie erfährt, dass die Polizistenwitwe Duncan die Verbrecher mit entlarvenden Dokumenten erpresst, erschießt sie diese und sorgt so für die Veröffentlichung des Materials. HEISSES EISEN zeichnet das Bild einer Gesellschaft, in der das Verbrechen die Herrschaft übernommen hat. Im Gegensatz zu den zynischen Privatdetektiven des Film noir ist der Gegenspieler in diesem Film, der Polizist, von großer moralischer Rigorosität und wird dabei dennoch dem Gangsterboss immer ähnlicher.

Mo. 01.08.2016 / 21:00 Uhr

M – EINE STADT SUCHT EINEN MÖRDER

Dieser Film ist Weltkulturerbe im Herzen aller, die das Kino lieben.

Fritz Langs erster Tonfilm gehört zu den absoluten Meisterwerken des deutschen und internationalen Vorkriegskinos. Verweise auf das gesellschaftliche Klima der Weimarer Republik am Vorabend des Nationalsozialismus sind augenfällig: Obrigkeit und Unterwelt erscheinen als gleichartige Organisationen, die den „Abartigen“ im Namen des „gesunden Volksempfindens“ gemeinsam zur Strecke bringen. Langs sarkastische Darstellung von Menschenjagd und Massenhysterie sowie Peter Lorres geniale Interpretation als Mörder und Opfer zugleich wurden von den Nationalsozialisten nicht ohne Grund als subversiv empfunden.

Mo. 01.08.2016 / 19:00 Uhr

FRITZ LANG

In Anwesenheit des Regisseurs Gordiano Maugg. Ein Doku-Drama über die Entstehung von M – Eine Stadt sucht einen Mörder

Der Regisseur Gordian Maugg verfolgt in seinem Film auf den Spuren des Meisterregisseurs die Entstehung dieses ersten deutschen Tonfilms, der weltweit als ein Meilenstein der Filmkunst angesehen wird. Fritz Lang, überzeugend dargestellt von Heino Ferch, ist seit vielen Jahren erfolgreich in der Filmbranche aktiv und gilt unter den Regisseuren als absoluter Star. Nach seinen letzten Arbeiten leidet er jedoch unter einer Schaffenskrise und sucht verzweifelt nach neuen Stoffen. Zeitgleich fahndet die Polizei nach einem gefürchteten Serienmörder, der in Berlin sein Unwesen treibt. Fritz Lang glaubt, endlich die Geschichte für einen neuen Film gefunden zu haben. Umso mehr er sich in den grausigen Fall hineinsteigert, umso stärker kommt aber auch seine eigene dunkle Vergangenheit zu Tage. Er ist in der Darstellung dieses Films kein Übergenie, sondern ein Getriebener hinter der Maske eines Snobs.