ARCHIV FÜR februar 2017

Di. 21.02.2017 / 20:00

Kış Uykusu/ WINTERSCHLAF Vhs/Türkisch OmU

uri Bilge Ceylan wurde für dieses subtile Sittenbild seiner türkischen Heimat in Cannes 2014 mit der Goldenen Palme ausgezeichnet.

Der Protagonist von WINTERSCHLAF ist der ehemalige Schauspieler Aydin, der in der anatolischen Provinz ein Hotel führt, Kolumnen für die Lokalzeitung schreibt und seit langer Zeit ein Buch über die Geschichte des türkischen Theaters plant, ohne je einen Satz davon geschrieben zu haben. Er ist wohlhabend und gebildet, behandelt aber seine Umgebung herablassend und belehrend. Aydin ist zu sehr von sich eingenommen, um zu bemerken, dass er damit auf Ablehnung stößt. Doch mit dem einsetzenden Winter treten die Konflikte in seinem Umfeld offen zutage. Der Konflikt mit einer in Not geratenen Familie, die die Miete für eins von Aydins Häusern nicht mehr aufbringen kann, interessiert ihn nur soweit, als dass er ihn zu philosophischen Abhandlungen über Armut, Kultur und Moral anregt. Mehr und mehr verwickelt er sich in endlose Wortgefechte über Gerechtigkeit, Schuld und Moral mit seiner Frau Nihal und seiner Schwester Necla, die beide von im abhängig sind, an ihrer sinnlosen Existenz in der Einsamkeit der Provinz verzweifeln. Die Präzision, mit der die Isolation von Menschen innerhalb ihrer Beziehungen offen gelegt wird, scheint von den Werken Tschechows inspiriert. Ein Meisterwerk!

So. 19.02.2017 / 11:00

BIKES vs. CARS

Ressourcenvergeudung und ganze Städte, die von Autos vereinnahmt und verschlungen werden.

Der Film geht mit dem Thema „Motorisierter Individualverkehr“ ein weltweit dominantes umwelt- und energieintensives Problem an. Er fordert auf, darüber nachzudenken, was Städte lebenswert macht: mehrspuriger Straßenverkehr mit trotzdem unvermeidlichem Stau – oder sozial und ökologisch verträglicher „Langsamverkehr“. Das Fahrrad wird zu einem Symbol einer globalen Bewegung, welche für Freiheit und bewusstem Umgang mit der Umwelt steht. Regisseur Fredrik Gertten nimmt uns mit auf eine Reise um die Welt, besucht Städte, um ihren Umgang dem Thema Radverkehr sachlich und ohne Polemik zu zeigen. Es kommen Aktivisten und Denker zu Wort, die für eine Verbesserung in diesen katastrophalen Situationen kämpfen. Die Dokumentation ist eine reife journalistische Leistung, die Zusammenhänge klar vermittelt und mit vielen Fakten und Beispielen unterlegt. BIKES vs. CARS berührt auch emotional und inspiriert zu eigenem Handeln und dazu, Verantwortung für sich selbst wie auch gegenüber anderen zu übernehmen.

EINTRITT: 5 €

Mo. 13.02.2017 / 20:00

FRANTZ

Eine französisch-deutsche Geschichte über Freundschaft und Feindschaft, Liebe und Lüge, Eros und Tod.

Es ist 1919. Der Krieg ist verloren und über der deutschen Kleinstadt Quedlinburg liegt der graue Schleier der Agonie. Die Männer schimpfen in den Gasthäusern über die Franzosen und die Schmach des Versailler Vertrages – und wollen nicht sehen, dass sie es waren, die ihre Söhne im Rausch des Patriotismus auf die Schlachtfelder schickten. Der Arzt Hoffmeister ist einer von ihnen und als Adrien ihn in der Praxis aufsucht, weigert er sich zunächst, den jungen Franzosen zu behandeln. Adrien ist nach Deutschland gekommen, weil er Frantz kannte. Anna, die Verlobte von Frantz und die Eltern, überzeugt von der Aufrichtigkeit seines Mitgefühls, laden den Fremden zum Essen ein und in seiner Erzählung wird der verstorbene Sohn wieder zum Leben erweckt. François Ozon tut das mit einer wunderbar sparsamen Präzision, ohne ins Melodram abzugleiten, und der Film bewahrt seine Spannkraft bis zum Schluss.

Do. 09.02.2017 / 20:00

ASYLAND

Eine Dokumentation des BayernForum der Friedrich-Ebert-Stiftung.

Eine Reise quer durch Deutschland mit dem Ziel, die Perspektive zu wechseln. Die Protagonisten: Menschen die aus ihrer Heimat fliehen mussten und nun, angekommen in Deutschland, mit unvorstellbaren Herausforderungen konfrontiert werden. Das ASYLAND-Filmteam begleitete über ein halbes Jahr lang den Alltag von Flüchtlingen – und dokumentiert dabei nicht nur ihren Tagesablauf, sondern auch ihre Motivationen, Gefühle und Gedanken. Auf der Suche nach Erklärungen beleuchtet der Film unterschiedliche Sichtweisen auf die Situation der Flüchtlinge in Deutschland.

Podiumsdiskussion nachdem Film in Anwesenheit des Regisseurs Çağdaş Eren-Yüksel.

DER EINTRITT IST FREI.

Mo. 06.02.2017 / 20:00

ICH, DANIEL BLAKE

Schwäche im Sozialsystem: Der Cannes-Sieger von 2016 von Ken Loach.

Ein ganzes Leben lang hat Daniel Blake als Zimmermann gearbeitet. Nun sagen die Ärzte, dass er nach einem Herzinfarkt dringend eine Pause braucht, doch auf dem Sozialamt wird er für arbeitsfähig erklärt. Hier der Mensch, dort das System – die beiden finden nicht zusammen. Für diesen Film hat Ken Loach aus der anonymen Statistik der Sozialämter zwei eindringliche Geschichten destilliert, über einen Witwer und eine alleinerziehende Mutter, die sich im Kampf um ihre Menschenwürde verbinden. Ein Film, der aufregt, rührt und aufrichtig zu Herzen geht.