ARCHIV FÜR Januar 2016

Mi. 27.01.2016 / 20:00

ICH UND EARL UND DAS MÄDCHEN (ME AND EARL AND THE DYING GIRL)

Sundance-Award-Winner 2015

Auf der Sundance-Premiere 2015 bedachte man den Film mit minutenlangen standing ovations und er gewann dort den Großen Preis der Jury und erhielt außerdem den Publikumspreis. Für den siebzehnjährigen Greg ist jede Art von Geselligkeit ein lästiges Übel, von dem er sich fernhält. Die einzige Ausnahme sind Treffen mit seinem Freund Earl, mit dem er einer gemeinsamen Leidenschaft nachgeht: als Hommage an ihre Lieblingswerke drehen sie Kurzfilme. Als Greg seine Mitschülerin Rachel kennen lernt, bei der kürzlich Leukämie diagnostiziert wurde, verändert sich das Leben der Drei. Ein ernsthaftes Teenager-Drama, in dem es um Freundschaft, Liebe und Tod geht und das den Bruch zwischen der komischen ersten und der dramatischen zweiten Hälfte mit einer sehr besonderen Energie und Originalität verbindet.

Di. 26.01.2016 / 20:00

WHIPLASH

Sundance-Award–Winner 2014

WHIPLASH (engl. für Schleudertrauma, Peitschenhieb) ist ein US-amerikanisches Musikdrama, das im Januar 2014 beim Sundance Film Festival Premiere hatte und dort bereits den Großen Preis der Jury und auch den Publikumspreis gewann. Der Film erzählt die Entwicklung des talentierten 19-jährigen Schlagzeugers Andrew, der das Conservatory of Music in New York City besucht und dort vom Leiter der Studioband entdeckt wird. Der versucht mit nahezu sadistischer Strenge, seine Studenten zu Höchstleistungen anzuspornen. Der Traum, zu den Besten der Besten zu gehören, ist in diesem “Musikthriller“ mit einer absoluten Wucht des Erzählens ergreifend und klug dargestellt.

Mo. 25.01.2016 / 20:00

MORD AN EINEM CHINESISCHEN BUCHMACHER (THE KILLING OF A CHINESE BOOKIE) OmU

New Hollywood

Ein Nachtclub-Besitzer, der seine Spielschulden nicht bezahlen kann, wird von einem Gangstersyndikat  vor die Wahl gestellt, entweder einen gegnerischen Unterweltboss in Chinatown zu töten, oder selbst zu sterben. Mit den Regeln der Unterwelt vertraut bleibt ihm schließlich kein anderer Ausweg: nahezu emotionslos ermordet er den chinesischen Buchmacher. Den Mafiosi, die ihn zu dem Mord gezwungen hatten und ihn hinterher beiseite schaffen wollen, kann er entkommen. Aber am Ende des Films sehen wir ihn vor seinem Nachtclub stehen, scheinbar wie immer, aber von einer Kugel getroffen mit blutverschmierten Jacket. Es ist die Geschichte eines Mannes, der zum Scheitern verurteilt ist, weil seine Scheinwelt ihm keinen Halt bieten kann. DIE ZEIT schrieb im April 2007 nach der Wiederaufführung des Films: “Die Einsamkeit im Strip-Lokal. John Cassavetes ist der unabhängigste der unabhängigen Filmemacher, nicht weil er mit den Versatzstücken des Thrillers spielen oder sich an ihnen abarbeiten würde. Cassavetes nimmt sich nicht die Freiheit, sondern er hat sie einfach. Es ist die Freiheit, Kamera, Schnitt und Musik völlig subjektiv und exzessiv für seine Themen und Obsessionen zu nutzen. Selten hat das Kino eindringlicher von der Verlorenheit eines Menschen erzählt.“

Mi. 20.01.2016 / 20:00

DAS FEST (FESTEN)

Manifest “Dogma 95“

Es ist der erste nach den Regeln der dänischen Gruppe Dogma 95 produzierte Spielfilm. In dem herrschaftlichen Landsitz eines dänischen Hoteliers treffen sich dessen Familienangehörige, um seinen 60. Geburtstag zu feiern. Während desFestmahls enthüllt der älteste Sohn, dass er und seine Schwester, die wenige Monate zuvor Selbstmord verübte, als Kinder vom Vater sexuell missbraucht wurden. Eine Familientragödie, inszeniert in einem schonungslosen Filmstil und einer betont undurchsichtigen Erzählstrategie: Durchgängig mit grobkörnigen, verwaschenen (Handkamera-)Aufnahmen gestaltet, erweist sich diese Ästhetik als brillanter Ausdruck einer verletzten Seele. Auch das präzise Drehbuch und die ausdrucksstarken Darsteller belegen die innovative, kreative Potenz des Dogma 95-Programms. Ein mit verstörender Intensität inszeniertes Familien-Melodram, dessen gnadenlose Direktheit von nuancierter Ironie interpunktiert wird. Ein Beispiel dafür, wie mit kleinen Mitteln großes, bezwingend aktuelles Kino entstehen kann.

Di. 19.01.2016 / 20:00

GESICHTER (FACES) OmU

“New Hollywood“

FACES war John Cassavetes zweiter Film nach SHADOWS, den der Regisseur nach seinen eigenen Vorstellungen verwirklichen konnte. Dazwischen hatte er zwei Hollywoodfilme gedreht, die für ihn zu einer großen Enttäuschung wurden. FACES markiert Cassavetes´ Rückkehr zum Independent-Film, den er mit seinem Debut SHADOWS in den USA überhaupt erst geschaffen hatte. Es ist erneut ein Schwarzweißfilm geworden, dem man zudem sein grobes Filmmaterial sehr deutlich ansieht. Die ursprüngliche achtstündige Fassung wurde auf zwei Stunden zusammengekürzt. Das Ergebnis war nicht nur ein grandioser künstlerischer, sondern auch ein völlig unerwartet großer finanzieller Erfolg. Erzählt wird die Geschichte eines erfolgreichen Geschäftsmannes, der nach einem Barbesuch Streit mit seiner Frau bekommt, in die Bar zurückkehrt und dort die Nacht mit einem attraktiven Callgirl verbringt. Seine Frau, die ebenfalls in einer Bar Trost suchte, nimmt einen Gigolo mit nach Hause. Am Morgen danach stellt das alternde Ehepaar ernüchtert fest, dass ihre Ehe zerbrochen ist. Eine eindringliche Studie über Leere und Einsamkeit. Durch extreme Nahaufnahmen wird alle Distanz aufgelöst. Man glaubt, in die Seelen der exzellenten Darsteller schauen zu können.

Mo. 18.01.2016 / 20:00

AUSSER ATEM (A BOUT DE SOUFFLE)

Die “Nouvelle Vague“

Der erste Langfilm von Jean-Luc Godard gilt längst als Klassiker des französischen Kinos und der Nouvelle Vague. Der Film entstand nach einem von Godard umgeschriebenen Drehbuch von Francois Truffaut, der wiederum auf einem Zeitungsbericht über einen Polizistenmord basierte. Er erzählt von dem kleinen Ganoven Michel Poiccard, der schließlich von seiner Geliebten Patricia an die Polizei verraten wird. Ein immer noch absolut betörender Film: Jump-Cuts, rasante Dialoge, wackelige Handkamera, improvisierte Szenen, eine unwiderstehliche Liebegeschichte, Krimi, Roadmovie und Film Noir – Godard zog alle Register der Filmkunst und erlangte durch seine revolutionäre Ästhetik und die unglaubliche Präsenz seiner beiden Hauptdarsteller Kultstatus.

Mo. 11.01.2016 / 20:00

GEGENSCHUSS – AUFBRUCH DER FILMEMACHER

Dokumentarfilm über den “Filmverlag der Autoren“ und den Neuen Deutschen Film

Einen faszinierenden Blick in die Umbruchphase der deutschen Filmwirtschaft und auf das Erwachen des künstlerisch anspruchsvollen Films aus seinem Restaurationsschlaf wirft diese Doku mit kurzweiligen Zeitzeugnissen und Filmausschnitten. 1971 gründeten 13 Filmemacher in München den Filmverlag der Autoren, der einige der bedeutendsten, auch im Ausland hochgeschätzten Werke produzierte und in die Kinos brachte. So bot der Verlag etwa Rainer Werner Fassbinder, Werner Herzog, Wim Wenders, Alexander Kluge, Helma Sanders-Brahms, Werner Schroeter und  vielen weiteren Filmschaffenden eine Plattform. Es folgt eine Blütezeit des deutschen Films, die weltweit Anerkennung findet. Im Februar 1977 beteiligt sich Rudolf Augstein, der Herausgeber des Nachrichtenmagazins Der Spiegel, als Privatperson mit 55 Prozent des Gesellschaftskapitals und rettet damit den Filmverlag der Autoren vor der Zahlungsunfähigkeit. 1986 verkauft er seine Anteile an die Futura Film.  1999 übernimmt die Kinowelt Medienwelt AG den Filmverleih der Autoren. 2009 erscheint bei Arthaus eine aus 50 DVDs bestehende “Filmverlag der Autoren Edition“. Filmausschnitte, Interviews und teilweise noch unveröffentlichte Archivaufnahmen verweben die Filmemacher Laurens Straub und Dominik Wessely zu der Geschichte über Aufstieg und Fall des Filmverlags der Autoren, die über alle Ingredienzien einer großen Kinoerzählung verfügt: Freundschaft, Erfolg, Eifersucht, Zerstörung, Tod.

Nach der Aufführung würden sich unsere Gäste Veith von Fürstenberg, Gründungsmitglied des Filmverlags der Autoren, und der Filmhistoriker Robert Fischer über ein Gespräch mit dem Publikum freuen.