ARCHIV FÜR Juli 2012

Mo. 23.07.2012 / 20:00

die toten Hosen live

Unplugged zu Besuch im Wiener Burgtheater

Die Toten Hosen im September 2005: „Die Idee, einmal ein Unplugged-Konzert zu spielen, gab es schon seit Jahren. Dass wir es endlich geschafft haben, die Sache auch wirklich durchzuziehen, ist für uns ein Riesenglück. Schon unsere Vorfreude auf dieses Abenteuer war groß, aber dass es uns dann so viel Spaß machen würde, das hat uns selbst überrascht. Das Team vom Burgtheater hat uns dermaßen nett und gastfreundlich empfangen, dass wir uns wie zu Hause fühlten. Den Rest besorgten die Zuschauer und Fans, die uns ganz großartig unterstützt haben. Wir können nur sagen – vielen Dank für ein Erlebnis, das wir nie vergessen werden.“ Die damals dort waren wahrscheinlich auch nicht. Wir müssen uns nun mit der Blu-ray – Konserve zufrieden geben, aber immerhin!

Di. 17.07.2012 / 20:00

der garten des sergiu celibidache

Ein Wunschfilm von Celibidache-Schülern zum Konzert am Sa. 14.07. | 19:00 in der Heilig-Kreuz-Kirche

Eine sehr einfühlsame Dokumentation über Sergiu Celibidache (1912-1996), mit der sein Sohn eine erste vorsichtige filmische Annäherung an einen der bemerkenswertesten Dirigenten dieses Jahrhunderts versucht. Sie wirft Schlaglichter auf eine Vita, die zwischen dem aufzehrenden Leben in und mit der Musik nur die kathartische Wirkung der heimischen Parkanlage kennt und akzeptiert. Viele faszinierende Szenen zeigen den Meister bei Orchesterproben, wobei dessen eigenwilliger Geist spürbar wird, ebenso beim Unterricht mit seinen Schülern. Vor allem Zuschauer, die bereits einen gewissen Einblick in Leben und Werk Celibidaches haben, werden aus dem Mosaik seiner Persönlichkeit Gewinn ziehen. Die musikalischen Schwerpunkte liegen auf Werke von Anton Bruckner, Wolfgang Amadeus Mozart und Béla Bartók.

Mo. 16.07.2012 / 20:00

Don Carlos

von Friedrich Schiller

Als ein kleines Wunder hat man 2006 diese Inszenierung von Andrea Breth bezeichnet: spannend wie ein guter Krimi, poetisch wie Schillers Verssprache, zeitlos in seiner aktuellen Aussage. Sie lasse dem Text die Mehrdimensionalität und gehe aufs Ganze. Über die Vielschichtigkeit des Don Carlos, die Komplexität des schwärmerischen Posa und sein Scheitern schreibt Schiller: „dass man sich in moralischen Dingen nicht ohne Gefahr von dem natürlichen praktischen Gefühl entfernt, um sich zu allgemeinen Abstraktionen zu erheben, dass sich der Mensch weit sicherer in den Eingebungen seines Herzens oder dem schon gegenwärtigen und individuellen Gefühle von Recht und Unrecht vertraut als der gefährlichen Leitung universeller Vernunftideen, die er sich künstlich erschaffen hat. – denn nichts führt zum Guten, was nicht natürlich ist.“ Dreieinhalb Stunden Theaterkunst, Gefühlsverwirrung, Denkvergnügen sind atemberaubend und  ein Glücksfall der modernen Klassikerinszenierung.

So. 15.07.2012 / 20:00

Heldenplatz

von Thomas Bernhard

Nach allem, was über den Inhalt des Stückes vorher kursierte, fuhr man 1989 zur Uraufführung nach Wien, um im Burgtheater eine Staatskrise zu besichtigen, zumindest aber, um einen ungeheuren Theaterskandal nicht zu versäumen. Auch die öffentliche Kreuzigung des Dichters und die Steinigung des „deutschen“ Burgtheater-Direktors und Regisseurs Claus Peymann war zu erwarten. Zur Trauer mancher Voyeure und der Vertreter vieler politischer „Schattierungen“ Wiens passierte nun das völlig Unerwartete: eine unheimlich umtoste, umjohlte, umjubelte Thomas-Berhard-Aufführung, die zur Legende wurde. Theater aus Leidenschaft, Stimmung und Verrücktheit. Peymann inszeniert Bernhard grandios, er arbeitet den Witz heraus, die Poesie, er macht die Übertreibungen transparent und führt einfühlsam ein ganz vorzügliches Ensemble. Wiedersehen macht Freude!

Mo. 09.07.2012 / 20:00

KÖNIG OTTOKARS GLÜCK UND ENDE

von Franz Grillparzer

Franz Grillparzer 1825: „Wer sich unter die volkstümliche Futter-Kleie mischt, dem geschieht recht, wenn ihn die patriotischen Schweine fressen.“ 2005 versuchte Martin Kusej in einer kompromisslosen Interpretation das Moderne an diesem Dichter herauszuarbeiten. In seinem ersten Jahr als Theaterdirektor bei den Salzburger Festspielen inszenierte er in einer Kooperation mit dem Burgtheater einen KÖNIG OTTOKAR, der von patriotischen Sentimenten befreit ist mit der Darsteller-Elite des Hauses: Tobias Moretti als vielschichtiger Ottokar, Michael Maertens als Rudolf von Habsburg, Nicholas Ofczarek  als Zawisch (die für ihre Darstellung den Nestroy-Preis erhielten), Elisabeth Orth als verstoßene Königin Margarethe, Bibiana Beglau als deren Nachfolgerin Kunigunde und schließlich noch Wolfgang Gasser als Horneck. Martin Kusej: „KÖNIG OTTOKAR ist ein sehr komplexes, oft missverstandenes Stück. Grillpazer kann es durchaus mit Kleist und Schiller aufnehmen. Seine Stücke haben eine atemberaubende Aktualität, leider haben sie uns Heerscharen von Deutschlehrern vermiest. Im Grunde hatten wir immer alle Sympathien mit dem hybriden, durchgeknallten  und dabei allzu menschlichen Ottokar. Wir durften es nur nicht zugeben gegenüber der verordneten Doktrin vom guten, effizienten, gottgegebenen Habsburger-Herrscher.“ Wie modern die Sprache Grillparzers ist zeigt diese Inszenierung, die zu einem wahren Theatertriumph wurde. (Seit 2011 ist Martin Kusej Intendant des Münchener Residenz-Theaters)

Mo. 02.07.2012 / 20:00

König lear

von William Shakespeare

Wir verlieren das Leben, wenn wir die Liebe verlieren: von allen Totentänzen des Theaters ist derjenige des König Lear das Virtuosenstück. Die heitere Melancholie des Alters macht die Firnis aus, die jedweder Inszenierung dieses Königsdramas ihren Gehalt verleiht. Der Regisseur Luc Bondy und der Schauspieler Gert Voss vereinen Seele und Blut, Grausamkeit und Zartheit, Brutalität und Leichtsinn, Wahnsinn und Liebe mit einer Meister- und Könnerschaft, die ihresgleichen sucht. Birgit Minichmayer als Narr und alle weiteren Darsteller spielen das große, tastenreiche Instrument der Schauspielkunst so, dass man niederknien möchte. Das Kronjuwel der Wiener Festwochen 2007, ein fantastischer Theaterabend!