ARCHIV FÜR Juli 2013

Mo. 15.07.2013 / 20:00

the broken circle breakdown

Eine überwältigende Liebesgeschichte und ein mitreißender Musikfilm

Zwischen träumerischer Leichtigkeit und herzzerreißender Dramatik und getragen von Bluegrass-Musik  erzählt der Regisseur Felix van Groeningen eine wunderbare und gleichzeitig höchst tragische Liebesgeschichte: Elise arbeitet in ihrem Tattoo-Studio, Didier spielt Banjo  in einer Band. Er redet viel, sie hört meistens zu. Er ist ein überzeugter Atheist und ein hoffnungsvoller Romantiker, sie schmückt sich mit einem tätowierten Kreuz und  steht mit beiden Beinen fest im Leben. Als sie sich kennen lernen, ist es Liebe auf den ersten Blick. Das Glück der beiden scheint perfekt, als ihre Tochter Maybelle geboren wird. Doch als sie im Alter von 6 Jahren ernsthaft erkrankt, gerät ihre Welt aus den Fugen und all die Wendepunkte ihrer intensiven Beziehung laufen an ihnen vorüber. Sie erinnern sich an den Zauber des Anfangs, die zunehmende Nähe durch ihre gemeinsame Leidenschaft für Bluegrass-Musik, ihre ungewöhnliche Hochzeit, die unerwartete Schwangerschaft und die Freude nach der Geburt ihrer wundervollen Tochter. Ein vollständiger Kreis für ein sehr unkonventionelles Paar…

Mo. 08.07.2013 / 20:00

crazy heart

Die Geschichte von der Läuterung eines abgehalfterten Losers

Der Protagonist Bad Blake ist ein alternder Country-Sänger aus Texas und schwerer Alkoholiker. Er spielt fast nur noch in heruntergekommenen Bars – bisweilen vor kaum einem Dutzend Zuhörer. Die wenigen Zuschauer, die ihm bis heute de Treue halten, sehen ihn als Legende und verehren ihn wegen seiner früheren Erfolge. Die Geschichte von der Läuterung eines abgehalfterten Losers durch die Begegnung mit einer einfühlsamen Journalistin (überzeugend dargestellt von Maggie Gyllenhaal) gleitet dank des lakonischen Humors und die herausragende Darstellung nicht ins plakativ Darstellerische ab, sondern rundet sich zur gelungenen Tragikomödie und zur von mitreißenden Songs getragenen Hommage auf die Country-Musik. Dass Jeff Bridges die Songs selbst interpretiert, erhöht in großem Maß die Bewunderung, die man dem Schauspieler für diese zu Recht mit dem “Golden Globe“ und dem “Oscar“ prämierten darstellerischen Leistung entgegen bringen muss. Ein wunderbar hörens- und sehenswerter Film!

Mo. 01.07.2013 / 20:00

lore

Die Coming-of-Age-Geschichte eines “Täterkindes“

Süddeutschland in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs im Frühjahr 1945: Nachdem ihre nationalsozialistischen Eltern von den Alliierten gefangen genommen werden, müssen sich fünf mittellose Geschwister 900 Kilometer quer durch Deutschland zu ihrer Großmutter nach Friesland durchkämpfen. Der Film der australischen Regisseurin Cate Shortland basiert auf dem 2001 veröffentlichen Roman “Die dunkle Kammer“. Und wie dessen Verfasserin, die britische Autorin Rachel Seiffert, die aus einem englisch-deutschen Elternhaus stammt, besitzt auch die Filmautorin familiäre Verbindungen nach Deutschland. Ihr Film reiht sich nicht ein in die übliche NS-Folklore, kopiert keine stereotypen Bilder, führt kein Ausstattungstheater und auch kein Tränendrüsen-Melodram auf. LO R E ist so gut und überzeugend, weil er nicht spektakulär sein will, sondern ehrlich fragend. Wie mag sich das Ende des Dritten Reichs für die Kinder und Jugendlichen angefühlt haben, die nichts als Nationalsozialismus kannten? Wie tief sitzt die Erziehung zu Gehorsam, Ausgrenzung und Härte in ihnen? Wie entsteht Schuld, und welche Kraft hat die Verdrängung? Ein kluger, großartig gespielter Film, mit einer bemerkenswerten Kamera, die lyrische Natureindrücke ebenso zeigt wie die heftige Gewalt und das Chaos des Kriegsendes.