ARCHIV FÜR Juli 2016

So. 31.07.2016 / 20:00 Uhr

METROPOLIS

Ein Meilenstein des Stummfilms mit Live Musik vom “Trio Tempo Nuovo“

In der Zukunftsstadt Metropolis, deren Glanz und Reichtum von unterirdisch lebenden Proletariermassen geschaffen wird, entfesselt ein dämonischer Wissenschaftler einen Sklavenaufstand, in dem er einen weiblichen Maschinenmenschen als Agitator benutzt. Die Revolte endet in Maschinenstürmerei, führt jedoch zur Versöhnung von Arbeiterklasse und Oberschicht. Fritz Lang verbindet in seinem Stummfilmepos Motive des deutschen Expressionismus mit technischer Utopie und politischer Spekulation: Filmästhetisch ein virtuos durchkomponiertes Licht- und Schattenspiel, das durch Montagerhythmus und Architektonische Fantasie fesselt. Zeitgeschichtlich darüber hinaus ein Kommentar zur Sozialpsychologie in der Weimarer Republik.

Sa. 30.07.2016 / 21:00 Uhr

VICTORIA

In Anwesenheit von Sebastian Schipper. Das vibrierende Ende einer Berliner Nacht: 140 Minuten ohne Schnitt

Ein kühnes Experiment ist dieser Film, der sich mit vitalem Furor gegen die sterile Perfektion der digitalen Bilder auflehnt und stattdessen Raum schafft für die Unabwägbarkeiten des Lebens. Es beginnt in einer schummrigenTechnoclubhöhle, in einem Meer aus flackernden Lichtern  und wummernden Bässen. Ganz langsam fischt die Kamera eine Figur aus der Masse der zuckenden Leiber, die junge Spanierin Victoria. Ihr zwischen Neugier und Unsicherheit schwankender Blick auf die Welt prägt den Film genauso wie der Mir-gehört-die-Welt-Machismo der vier Jungens, mit denen sie Minuten später vor dem Club rumsteht. Aus der verlängerten Clubnacht ergibt sich eine Liebesgeschichte, die sich wiederum in einen Krimi verwandelt. Der Lohn für das gesamte Filmteam bei der Verleihung des Deutschen Filmpreises 2015 kann sich sehen lassen: Bester Film – Beste Regie – Beste Kamera – Beste Filmmusik, Beste weibl. Hauptrolle, beste männl. Hauptrolle!!!

Sa. 30.07.2016 / 19:00 Uhr

ABSOLUTE GIGANTEN

In Anwesenheit von Sebastian Schipper. Das Filmdebüt von Sebastian Schipper mit Kultstatus.

Die drei Hamburger Jungs Floyd, Ricco und Walter sind allerbeste Freunde. Walter ist Lackierer in einer Hinterhofwerkstatt, Ricco hält sich für einen großen Rapper und jobbt in einem Schnellimbiss. Für Floyd beginnt ein neuer Lebensabschnitt: nachdem er eine zur Bewährung ausgesetzte Strafe abgebüßt hat, heuert er auf einem Containerschiff an. Obwohl seine Freunde über diese Entscheidung enttäuscht und verärgert sind, beschließen sie, den letzten Abend gemeinsam zu verbringen. Es wird ein ereignisreicher Abend mit viel Wodka und in seinen gelungensten Momenten, besonders in der Bildgestaltung und Schauspielführung, ein eindrucksvoller Film vom Weggehen und vom Dableiben, vom Normalen und von der Sehnsucht. Ein Film, der davon handelt, wie man dagegen rebelliert, dass das Leben klein und langweilig ist.

Fr. 29.07.2016 / 21:00 Uhr

DIE WELT DER WUNDERLICHS

In Anwesenheit von Regisseur Dani Levi. Eine Srewball-Komödie.

Mimmi Wunderlich, alleinerziehende Musikerin und überforderte Mutter eines phantasievollen, hyperaktiven Sohnes, sieht eine große Karrierechance, als ihr Sohn sie heimlich bei einer Schweizer Casting-Show anmeldet. Doch sie hat die Rechnung ohne ihre „liebe“ Familie gemacht, sie sie unbedingt begleiten will. Eine hinreißende Komödie über chaotische Eltern und unverstandene Kinder, über die Kraft der Träume und den Mut der Unangepassten. Und einem wunderbarem Ensemble vor der Kamera.

Fr. 29.07.2016 / 19:00 Uhr

Du mich auch

In Anwesenheit von Regisseur Dani Levi. Eine Berliner Liebesgeschichte im Kugelhagel wurde zum Kultfilm.

In den Wirren der Liebe noch einmal so richtig durchstarten? Die Erotik hat gelitten, Streit bleibt nicht aus, nichts geht mehr – Trennung. Doch dann ist da plötzlich eine Leiche, Gangster nehmen die Verfolgung auf und das getrennte Paar irrt durch die Straßen der Stadt. Sie schlafen in der Gasse, träumen sich ans Meer, verlieren sich, finden sich, werden erschossen und leben weiter, wie im richtigen Leben: Romeo und Julia. Die selbstironische Romanze hat eine Qualität, die man in vielen politisch und akademisch ausgereiften Filmen vergebens sucht. Eine völlig unverkrampfte und trotzdem im Detail durchtriebene Komödie, ein grandioses Debüt von Dani Levy.

Mo. 25.07.2016 / 20:00 Uhr

CYRANO VON BERGERAC

Ein Filmbeitrag zum Landsberger Sommertheater der MORETH COMPANY

Cyrano, ein durch seine große Nase missgestalteter Gardist, der die Kunst des Fechtens nicht minder beherrscht als die des Dichtens, leidet unter der unerwiderten Liebe zu seiner schönen Kusine. Um ihr nahe zu sein, bietet er seinem Nebenbuhler an, in dessen Namen die amouröse Korrespondenz mit ihr zu erledigen. Auch als die beiden Männer in den Krieg ziehen, schreibt Cyrano weiterhin Liebesbriefe. Erst Jahre später entdeckt die Angebetete die Wahrheit, doch die Liebe findet keine späte Erfüllung. Wir sehen eine prachtvoll und mitreißend gestaltete Verfilmung des romantischen Theaterstücks von Edmond Rostand, die sich eng an die Vorlage hält, alle Dialoge in Versform darbietet und die Geschichte mit Elementen des Abenteuerfilms verbindet. Gérard Depardieu brilliert in der Titelrolle des unglücklichen Liebhabers zwischen draufgängerischem Heldentum und zarter Poesie. Ein immer wieder sehenswerter Filmhochgenuss aus dem Jahre 1990!

Mo. 18.07.2016 / 20:00 Uhr

FEUER BEWAHREN – NICHT ASCHE ANBETEN!

Ein Tanzfilm nach dem Zitat des Komponisten Gustav Mahler.

Der Schweizer Starchoreograph Martin Schläpfer steht im Mittelpunkt von Annette von Wangenheims großartiger Dokumentation, einer biographischen Annährung an den Künstler, die filmisch vor allem in den Momenten überzeugt, in denen nicht das Wort im Mittelpunkt steht, sondern der Tanz. Aber es ist auch nicht „nur“ ein Tanzfilm, über Schläpfers aufregende Verbindung von Tradition und Moderne im Tanz, sondern auch ein sehr persönliches Porträt. Aufschlussreich sind solche Szenen, in denen Schläpfer bei der Arbeit beobachtet wird. Mal sieht man ihn dort selbst die Rolle des Tänzers einnehmen, der mit seinem niederländischen Kollegen Hans von Manen ein speziell für ihn entwickeltes Stück probt, mal sieht man ihn selbst bei der Arbeit: Sei es mit Tänzern seiner Düsseldorfer Compagnie, seiner Dramaturgin, dem Orchester oder einer Komponistin. Zu beobachten, mit welcher Konzentration und Akribie Schläpfer agiert, wie er und seine Mitarbeiter Stücke entwickeln, Ideen haben und verwerfen, bis sich schließlich ein Teil zum anderen fügt, ist faszinierend. Die Kamera als Auge des Zuschauers, die einen Blick in eine sonst verschlossene Welt wirft, Arbeitsprozesse aufzeigt, Handlungen, ja, Handwerk beobachtet, ohne das mit eingeschobenen Interviews der Magie des Moments ihr Geheimnis genommen wird. In solchen Momenten ist die Dokumentation ein grandioses Statement für die Tanzkunst.

Mo. 11.07.2016 / 20:00 Uhr

EIN LETZTER TANGO OmU

Ein Paar wie kein zweites: Die berühmtesten Tangotänzer Argentiniens.

Maria Nieves und Juan Carlos Copes waren fast noch Kinder, 14 und 17 Jahre alt, als sie sich zum ersten Mal begegneten. In den folgenden Jahren brachten sie den Tango Argentino von Buenos Aires auf die großen Bühnen der Welt. Die Leidenschaft, die sie tanzten, dieses physisch ausgedeutete Hin- und Hergerissensein zwischen Liebe und Hass, tanzten und lebten sie 50 Jahre miteinander. Die beiden revolutionierten ihre Kunst, indem sie ihr ihre Beziehung unterwarfen – bis ihnen nur noch blieb, auseinanderzugehen. Erst für das Filmporträt „Ein letzter Tango“ trafen sie sich wieder, mit 81 und 84 Jahren. Der in München lebende argentinische Regisseur German Kral widmete ihnen und dem Tango diese Liebeserklärung. Für ihn erzählen Maria und Juan ihre Geschichte vor der Kamera und vor einer Gruppe der besten heutigen Tangotänzer von Buenos Aires, die bewegendsten Momente werden noch einmal choreographiert. Der Kameramann Jo Heim erhielt für seine Arbeit den Bayrischen Filmpreis 2015 für die beste Bildgestaltung. Der Komponist und Gitarrist Luis Borda hat für den Film wunderbare Klassiker der Tangomusik mit dem Sexteto Mayor arrangiert. Ein großer Filmgenuss!

Di. 05.07.2016 / 20:00 Uhr

BROOKLYN

Eine Liebe zwischen zwei Welten

Vorsicht, dieser Film ist nur etwas für professionelle Romantiker! Was natürlich daran liegt, dass er von drei professionellen Handwerkern gemacht wurde: „Brooklyn“ basiert auf dem gleichnamigen Roman des wunderbaren irischen Schriftstellers Colm Tóibín. Das Drehbuch hat sein britischer Kollege Nick Hornby verfasst, der für seine Adaption für den Oscar nominiert wurde. Und der irische Regisseur John Crowley hat dessen Drehbuch als zärtliches Melodram inszeniert – ein Genre, das leider vom Aussterben bedroht ist. Das Mädchen Eilis (wunderbar gespielt von der ebenfalls oscarnominierten Saoirse Ronan) emigriert Anfang der Fünfziger aus einem winzigen irischen Städtchen ins wilde New York. Sie ist zu schüchtern für diese Welt, und allein die Schiffsreise ist für sie ein gewaltiges Abenteuer. In Amerika blüht sie langsam auf und lernt einen jungen Italoamerikaner kennen, in den sie sich schwer verliebt. Als ein Todesfall in der Familie sie zurück nach Europa zwingt, wo sie sich auf einen Flirt mit einem Jugendbekannten einlässt, sitzt sie in einer emotionalen Zwickmühle: Gefangen zwischen Heim- und Fernweh und zwischen zwei Männern. Wie es sich für ein vollkommenes Melodram gehört, finden Regie und Darsteller durchgehend einen ergreifenden, aber nie pathetischen Ton. Sehr sehenswert!

Mo. 04.07.2016 / 20:00 Uhr

Bach in Brazil

Nur ein Notenblatt? – Nein, ein echter Bach!

Ein früherer Musiklehrer Marten Brückling erhält die überraschende Nachricht, dass er von einem alten Jugendfreund ein Original-Notenblatt von Johann Sebastian Bachs Sohn geerbt hat. Besagter Freund lebte jedoch schon seit vielen Jahren in Brasilien, so dass Marten persönlich nach Südamerika reisen muss, um die Kostbarkeit entgegenzunehmen. Auf der Rückreise stiehlt man ihm alle Habseligkeiten, seinen Bach inklusive. Die Spur führt in den Jugendknast, wo die Ankunft eines Musikers aus Europa Interesse und Hoffnungen weckt. Mit sanfter Erpressung wird er dazu gebracht, mit den Jugendlichen zu musizieren. Dem Regisseur ist mit seinen wunderbaren Darstellern ein rundum liebenswerter Film gelungen, der zeigt, wie die Musik Menschen öffnet und verbindet.