ARCHIV FÜR Juni 2015

Mo. 29.06.2015 / 20:00

DAS VERSCHWINDEN DER ELEANOR RIGBY

Die einsame Heldin eines Beatles-Songs über eine Welt ohne Liebe

„Das Verschwinden der Eleanor Rigby“ bestand ursprünglich aus zwei Filmen, „Her“ und „Him“, die das Zerbrechen einer jungen Ehe aus den unterschiedlichen Perspektiven der Frau und des Mannes schildern und auf dem Sundance Festival 2014 von Publikum und Presse gefeiert wurde. Ein Verleih zwang den Regisseur, aus den beiden Filmen einen einzigen zu machen, der mit dem Untertitel „Them“ in die Kinos kam. In Rückblenden, Tagträumen und Fantasievorstellungen lässt uns der Regisseur in das Innere von zwei Liebenden blicken, die weder miteinander noch ohne einander leben können. Je näher sie sich kommen, desto heftiger stoßen sie sich ab. Je rücksichtsvoller sie zueinander sind, desto schlimmer verletzen sie sich. Den Regisseur und Autor Ned Benson interessiert die Subjektivität der Empfindung und wie seine Protagonisten in ihren Verhaltensmustern gefangen sind. Dabei tastet er sich vorsichtig an mögliche Ursachen heran und zeigt, wo Sprachlosigkeit und Herzenseinsamkeit ihren Ursprung haben. Den großartigen Darstellern ist ein einfühlsames Filmdrama zu verdanken: James McAvoy als Conor, Jessica Chastain als Eleanor, Isabelle Hupert (Konzertpianistin) und William Hurt (Psychologieprofessor) als Eleanors Eltern.

Mo. 22.06.2015 / 20:00

BIRDMAN

Oder die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit

Die brillant inszenierte Tragikomödie ist gleichzeitig auch ein tragisches Künstlerdrama, eine vor Spott beißende Satire, eine schonungslos schwarze Komödie und fantastisches Schauspielerkino: schlicht ein cineastisches Wunder. Der Hollywood-Star Riggan Thomson feierte zu Beginn der 90er Jahre als Superheld „Birdman“ riesige Erfolge. Doch diese Zeiten sind längst vorbei. Er ist in einem Karrieretief versunken und sein Ruhm verblasst. Mit der Aufführung eines ambitionierten Theaterstücks am Broadway will er nun die Wende schaffen. Allerdings verfällt er vor den finalen Publikumsproben in akute Panik, was seinen Manager und Produzenten gewaltig ins Rotieren bringt. Er ersetzt einen zentralen Schauspieler durch den exzentrischen Star Mike Shiner. Für die Produktion erweist sich das als tickende Zeitbombe. Der Heißsporn Shiner wirbelt das gesamte Ensemble mächtig auf. „Birdman“ ist Kino, das Theater spielt und Theater, wie es filmischer nicht sein könnte. Humor und Ernst, Hysterie und Paranoia, tragische Momente und Slapstick-Nummern wechseln sich ständig ab – trotzdem gerät „Birdman“ nie aus der Balance. Der verdiente Lohn bei der Oscar-Verleihung 2014: Bester Film, Beste Regie, Bestes Drehbuch, Beste Kamera!

So. 21.06.2015 / 20:00

MAGIC IN THE MOONLIGHT

Woody Allens neuester Film ist so strahlend wie die Sonne am Mittelmeer

Ende der Zwanziger Jahre ist Wie Ling Soo einer der größten Magier mit Auftritten rund um die Welt. Kaum jemand weiß, dass sich hinter der Maske des geheimnisvollen Chinesen der Engländer Stanley verbirgt. Sein Freund Howard will das ausnutzen und bittet ihn um Hilfe: An der Cote d´Azur ist die Hellseherin Sophie aufgetaucht, die nicht nur die Herzen, sondern auch die Brieftaschen der reichen Villenbesitzer erobert. Stanleys Aufgabe: Er soll seinen brillanten Verstand und unterkühlten britischen Charme einsetzen, um Sophie als Schwindlerin zu entlarven. Der Film ist eine flirrende Etüde von unbeschwerter Eleganz. Colin Firth und Emma Stone sind als Paar wunderbar aufeinander eingespielt. Zwischen ihnen fliegen die Dialoge wie in einer klassischen Screwball Comedy daher.

Di. 16.06.2015 / 20:00

LA CHAMBRE BLEUE Cinéma Française VHS/OmU

DAS BLAUE ZIMMER nach einem Roman von George Simenon

Das Paradies ist blau, ein kleines Zimmer in einem kleinen Hotel, in einem Ort der französischen Provinz, mit Tapeten in schummrigen Blau. Adam und Eve sind Ehebrecher, eine heimliche Liebe, in Einstellungen gefilmt, die über die Bedrängnis der Beziehungen keinen Zweifel lassen. Unversehens wird Adam zu einem Beschuldigten in einem mysteriösen Kriminalfall…

Mo. 15.06.2015 / 20:00

FRÄULEIN JULIE

Die legendäre Liv Ullmann adaptiert Strindbergs Theaterklassiker für die Leinwand

Irland Ende des 19. Jahrhunderts. In einer lauen Mittsommernacht wird aus dem Flirt zwischen dem adeligen Fräulein Julie und dem weltgewandten Diener John ein gefährliches Spiel aus Verführung und Zurückweisung. Die Beziehung steigert sich in eine verhängnisvolle Leidenschaft, bis ihr Liebesreigen eine dramatische Wendung nimmt.

Di. 09.06.2015 / 20:00

LANG IST DER WEG

Zur Ausstellung >ENDE UND ANFANG 1945< im Historischen Rathaus

Der Film aus dem Jahr 1948 ist der erste deutsche Spielfilm der Nachkriegszeit, der das Schicksal von Holocaust-Opfern bzw. Überlebenden in den Mittelpunkt stellt und vereinigt Spiel- und Dokumentarszenen zu einer dramatischen Gesamthandlung. Der Film spielt in Landsberg am Lech in einem Lager für „Displaced Persons“, die von den Deutschen aus ihren Heimatländern verschleppt und 1945 aus Konzentrations- und Vernichtungslagern befreit wurden. In Rückblenden erzählt der film die Geschichte der jüdischen Familie Jelin, die aus ihrer Wohnung in Warschau zunächst ins Getto getrieben und von dort aus ins KZ Auschwitz  deportiert wurde. Der Sohn David kann jedoch aus dem Deportationszug fliehen und schlägt sich zu den Partisanen durch, wo er bis zum Ende des Krieges überlebt. Er lernt Dora Berkowitz kennen, die ihre Eltern verloren hat und nicht weiß, wie sie weiterleben soll. Auch David hat vom Tode seines Vaters erfahren; seine Mutter ist verschollen. Gemeinsam mit Dora reist er in die amerikanische Besatzungszone Deutschlands und gelangt in das völlig überfüllte Lager in Landsberg.

Eine Veranstaltung des Kulturbüros und Stadtarchivs Landsberg. Der Eintritt ist frei.

Mo. 08.06.2015 / 20:00

IM LABYRINTH DES SCHWEIGENS

Ein Filmdrama thematisiert die Vorgeschichte der Frankfurter Auschwitzprozesse

Ende der 1950er Jahre, zur Zeit des deutschen Wirtschaftswunders, geraten die Ereignisse des Zweiten Weltkrieges langsam in Vergessenheit. Als der Journalist Thomas Gnielka im Gericht der Stadt Frankfurt am Main einen ehemaligen Wärter des Vernichtungslagers Auschwitz anzeigen möchte, den sein Bekannter Simon Kirsch als Lehrer auf einem Schulhof gesehen hat, stößt dies auf breite Ablehnung. Der junge Staatsanwalt Johann Radmann befasst sich jedoch mit dem Fall und beginnt mit Unterstützung des Generalstaatsanwalts Fritz Bauer mit den Ermittlungen. Dabei gerät er immer stärker in Konflikte mit Bekannten und Kollegen, welche die Ereignisse des Holocausts verdrängen wollen. Der Film findet einen glaubwürdigen Zugang zu dem weit über die juristische Strafverfolgung hinausgehenden Komplex aus Schuld, Strafe, Aufklärung und Erinnerung. Nicht zuletzt der persönliche Konflikt, in den Johann Radmann während seiner Ermittlungen gerät, verleiht dem Film eine authentische Tiefe, die erahnen lässt, wie erschütternd, aber vor allem wie bedeutsam die folgenden Frankfurter Auschwitz-Prozesse für das bundesrepublikanische Selbstverständnis und die Ausformung einer demokratischen Identität sein sollten.