ARCHIV FÜR März 2012

Mo. 26.03.2012 / 20:00

und dann der regen

Ein Film über Christoph Columbus und die Welt von Heute

Ein idealistischer Filmregisseur hat sich vorgenommen, einen aufrichtigen Film über eine der vielschichtigsten Gestalten der Weltgeschichte zu drehen, einen Film über Christoph Columbus. Was hat Columbus alles in Gang gesetzt: Goldgier, Sklavenhandel, Gewalt gegen die Ureinwohner. Als Drehort hat man Bolivien,das preiswerteste und „indianischste“ Land Lateinamerikas gewählt. Während der Dreharbeiten in Cochabamba kommt es wegen der mangelnden Wasserversorgung zu sozialen Unruhen und militanten Aktionen. 500 Jahre nach Columbus kommt es erneut zwischen der indianischen Bevölkerung und einer hochgerüsteten Armee zu gewalttätigen Auseinandersetzungen. Aber diesmal geht es nicht um Gold. Diesmal geht es um ein flüssiges Menschenrecht: Wasser. Einer der besten Filme des vergangenen Filmjahres!

Di. 20.03.2012 / 20:00

DAS LABYRINTH DER WÖRTER – LA TETE EN FRICHE / VHS OmU

Ein tragikomisches Kinomärchen

Ein fröhlicher Analphabet – Germain – lebt in einem Wohnwagen im Garten seiner Mutter. Er kann weder lesen noch schreiben. Auf einer Parkbank trifft er Margueritte, eine 90-jährige gebrechliche Dame. Eine pensionierte Akademikerin, ganz versunken in den Zauber der Literatur, den sie fortan mit Germain teilen möchte. Sie liest vor, er hört zu. Um diese platonische Beziehung der beiden kreist der stille Film. Um eine Bildungsgeschichte, die ohne Dünkel und pädagogischen Hochmut erzählt wird. Buch um Buch findet der grobgeistige Germain zur Literatur. Als Margueritte erblindet, muss er ihr nun vorlesen.

Mo. 19.03.2012 / 20:00

die höhle der vergessenen Träume

Eine Offenbarung: die verlorenen Meisterwerke der Menschheit

Als erster und einziger Filmemacher durfte Werner Herzog für das symbolische Honorar von einem Euro in der 1994 entdeckten Chauvet-Höhle im Süden Frankreichs die ältesten Höhlenmalereien der Welt auf Film bannen. Die mehr als 400 Höhlenmalereien, die ältesten um dreißigtausend Jahre alt, waren bei ihrer Entdeckung so gut erhalten, als wären sie erst am Vortag gemacht worden: Zeichnungen von Pferden, Bisons, Nashörnern, Mammuts und Löwen. Die Kamera schwelgt in den fantastischen Bildnissen, die sich in Nischen und Vertiefungen des Felsens einpassen. In Gesprächen mit Forschern versucht Werner Herzog, die  wissenschaftliche Dimension dieser grandiosen Entdeckung zu ergründen.

Mo. 12.03.2012 / 20:00

how i ended this summer

Ein psychologisches Drama in bester russischer Tradition

Eine Polarstation auf einer einsamen Insel im Arktischen Meer. Ein Sonnentag hier oben dauert Wochen, da die Sonne in diesen hohen Breitengraden nicht untergeht. Früher befand sich hier eine wichtige Forschungsstation. Inzwischen sind der Meteorologe Sergei und der Hochschulabsolvent Pavel die einzigen Bewohner. Ihre Aufgabe ist es, Daten von der Radioaktivität in der Umgebung zu sammeln und per Funk weiterzugeben. Zwischen beiden bestehen Konflikte, die zusätzlich verstärkt werden, als Pavel vom Festland eine Nachricht empfängt und – schockiert vom Inhalt – diese Sergei vorenthält. Ein archaisches Psycho-Kammerspiel in rauer Natur. Die grandiosen Hauptdarsteller erhielten zu Recht  auf der letzten Berlinale die Darstellerpreise, für die beste Kamera gab es den Silbernen Bären.

So. 11.03.2012 / 11:00

MICHEL PETRUCCIANI

Ein Leben gegen die Zeit

Michel Petrucciani war ein Pianist ganz außergewöhnlichen Formats. Infolge seiner Glasknochenkrankheit war er kaum größer als ein Kleinkind. Doch in seinem von Missbildungen und etlichen schlecht verheilten Knochenbrüchen gezeichneten Körper steckte eines der größten musikalischen Talente des Jazz-Piano. Der Film basiert auf Archivmaterial und Interviews mit Petrucciani und seinen Zeitgenossen. Er zeigt nicht nur das musikalische Genie, sondern zeichnet auch das Bild eines Mannes, der sich rückhaltlos und ohne Reue allem hingab, was die Zeit ihm bot: Frauen, Drogen, Alkohol, orgiastische Feste. Er wusste warum. Er wurde nur 36 Jahre alt. Man hat ihn 1999 in Paris neben Frédéric Chopin begraben.

Mo. 05.03.2012 / 20:00

NADER + SIMIN – EINE TRENNUNG

Ein Ausnahmefilm aus dem Iran auf höchstem Niveau. Oscar-Gewinner 2012.

Ein Mann und eine Frau sitzen vor dem Scheidungsrichter: Simin will ins Ausland reisen und ihre Tochter mitnehmen. Nader will trotz der politischen Verhältnisse im Iran bleiben, um seinen demenzkranken Vater zu pflegen. Der Autor fasst die iranischen Klassen- und Familienverhältnisse, Geschlechterrollen und Rollenkonflikte, den staatlichen und wirtschaftlichen Druck mit großer Könnerschaft dicht und kraftvoll  zusammen. Es ist atemberaubend zu sehen, was ein subtiler, präziser Blick zustande bringt, wenn man ihn auf eine Gesellschaft wie die iranische richtet. Ein mehrfach preisgekröntes Meisterwerk der Berliner Filmfestspiele 2011 und mit dem Oscar als bester fremdsprachiger Film 2012 ausgezeichnet!

Fr. 02.03.2012 / 20:00

die Kriegerin

Realitätsnahe Sozialstudie um eine junge Rechtsextremistin

Ein packendes Sozialdrama um eine junge Frau in einer rechtsradikalen Clicque in der ostdeutschen Provinz , die versucht, ihr Leben zu ändern. Es geht um den alltäglichen Rassismus in Deutschland, mit Blick auf die aktuellen tagespolitischen Ereignisse ein brennendes Thema, das der Regisseur David Wnendt in seinem Kinoerstling mit schonungsloser Offenheit abhandelt. Seine “Heldin” Marisa, eindriglich gespielt von der talentierten Newcomerin Alina Levshin, ist orientierungslos, wütend und gewaltbereit. Für ihre Suche nach den Wurzeln und Ursachen des modernen Rechtsradikalismus und der latenten Fremdenfeindlichkeit erhielten beide den “Förderpreis Deutscher Film”, Wnendt für das Drehbuch, Alina Levshin als beste Darstellerin.