ARCHIV FÜR März 2015

Mo. 23.03.2015 / 20:00

THE GIVER – HÜTER DER ERINNERUNG

Literaturverfilmung nach dem Bestseller-Roman von Lois Lowry

Der 16-jährige Jonas lebt in einer zukünftigen, scheinbar idealen Welt: Es gibt keine Kriege, keine Armut und keine Gewalt. Doch im Gegenzug empfinden die Menschen aufgrund einer Droge, die ihnen täglich verabreicht wird, keinerlei Gefühle und sie sehen keine Farben. Wissenschaftler kontrollieren auch die Umwelt, damit diese das Gleichgewicht der Gemeinschaft nicht stören kann. Alle Menschen leben in völliger Gleichheit: Sie haben identische Unterkünfte und tragen identische Kleidung. Jonas ist ein außergewöhnlicher Junge: er ist sehr intelligent, rechtschaffen und hat als Einziger der Gemeinschaft strahlende Augen. Im Rahmen einer Zeremonie ernennt die Chefälteste Jonas zum neuen „Hüter der Erinnerung“. Nur der „Hüter der Erinnerung“ weiß, wie die Welt vor der Einführung der völligen Gleichheit aussah. Eine Welt der Unvollkommenheit und Aggression, aber auch der Liebe und Solidarität unter Menschen.

Di. 17.03.2015 / 20:00

JIMMY’S HALL VHS / English Cinema OmU

Einer der heitersten und zuversichtlichsten Filme von Ken Loach

Irland im Jahr 1932: Nach Jahren im amerikanischen Exil kehrt Jimmy Gralton zurück in sein Heimatdorf. Dort, inmitten der der rauen irischen Landschaft, hatte er einst einen Tanzsaal eröffnet. Ein Ort der freien Entfaltung und der Inspiration, ein Ort zum Träumen und natürlich zum Tanzen. Als Jimmy nun nach über 10 Jahren zurückkehrt, erwacht auch sein Tanzsaal wieder zu neuem Leben und mit ihm die Hoffnungen einer neuen, jungen Generation. JIMMY´S HALL schwelgt in der ausgelassenen Stimmung der jungen Freigeister und feiert ihren Mut, ihre Ideale gegenüber der erzkonservativen Kirche zu verteidigen.

Mo. 16.03.2015 / 20:00

JACK

Die Odyssee eines vernachlässigten und verlassenen Jungen in Berlin

Jack rennt und rennt. Der Wecker liefert das Startsignal. Jack muss Frühstück machen für sich und seinen kleinen Bruder, dann hetzt er zur Schule. Auch später wird Jack immerzu laufen, fliehen, U-Bahn fahren oder Bus. Jack ist erst zehn, aber wirkt schon ziemlich erwachsen. Er kümmert sich nicht nur um sich selbst, sondern auch um seinen sechsjährigen Bruder. Ihre Mutter Sanna ist jung und lieb  und den beiden mehr große Schwester als Mutter. Wenn die drei balgen, weil sie Hund spielen, ist die Nestwärme in diesem Rudel groß. Aber auch wo Liebe ist, kann Verwahrlosung sein, ganz ohne Anklage. Jack kommt ins Heim…

Mo. 09.03.2015 / 20:00

WIR SIND DIE NEUEN

Unterschiedliche Lebensentwürfe im Wandel der Zeiten

Ein Trio lebenslustiger Alt-68-er trifft auf drei spießige Studenten: Regisseur Ralf Westhoff prüft unterschiedliche Lebensentwürfe. Anne, eine etwa 60 Jahre alte Biologin muss aus ihrer Münchener Stadtwohnung ausziehen und kommt aus finanziellen Gründen auf die Idee, eine Wohngemeinschaft mit ihren Mitbewohnern aus der Studentenzeit zu gründen. Von den alten Freunden zeigen sich schlussendlich aber nur der Single Eddi und der erfolglose Jurist Johannes bereit, mit ihr zusammenzuziehen. Ihre jungen Nachbarn, die Studenten Katharina, Barbara und  Thorsten möchten in der Examensphase nicht beim Lernen gestört werden und beschweren sich schon bald über zuviel Lärm und verlangen, die Hausordnung penibel einzuhalten. Der entstehende Generationenkonflikt führt zu zahlreichen Situationen, in denen sich die beiden Parteien in die Haare geraten. Eines Tages wendet sich das Blatt…

So. 08.03.2015 / 20:00

DIE WOLKEN VON SILS MARIA

Ein Film über das Abschiednehmen vom Gestern

Oliver Assayas Film ist ein elegisches Psychodrama über das Abschiednehmen vom Gestern, über die Klüfte zwischen den Generationen, aber auch zugleich ein Film über die Abgründe zwischen dem modernistischen Autorenfilm und dem dominanten Action-Kino. Nein, ganz jung ist sie nicht mehr, diese Maria Enders. Zwar bekommt der Film- und Theaterstar noch Angebote von prominenten Regisseuren. Doch die Rolle der jungen, verführerischen Sigrid, mit der sie vor 20 Jahren erst auf der Bühne und später im Kino berühmt wurde, soll bei einer Wiederaufnahme das Hollywood-Sternchen Jo-Ann Ellis übernehmen. Maria, die sich noch als junge Verführerin fühlt, ist nurmehr für den Part der älteren Verführten Helena vorgesehen, und das macht ihr zu schaffen, wie nur weniges zuvor. Maria versucht, sich mit der Ignoranz des Alters und der Arroganz des Hochkultursnobs vor der Einsicht zu schützen, dass ihre Jugend vergänglich ist. Doch vergeblich. Wie das seltene Wetterphänomen des Malojapasses in den Schweizer Alpen, an das sich der Titel des Films anlehnt, umwölkt Melancholie Marias Gemüt. Mit ihrer jungen Assistentin Val reist sei in die majestätischen Schweizer Berge. Bei dieser Reise verbindet die beiden Frauen mehr als eine professionelle Beziehung. Der wunderbaren Juliette Binoche und der ebenso wunderbaren Kristen Stewart dabei zuzusehen, wie sich ihre Figuren umkreisen, anziehen und abstoßen – allein schon das macht diesen Film zum Erlebnis.

So. 08.03.2015 / 11:00

TIMBUKTU

Ein Meisterwerk über Widerstand, Würde und Toleranz

In atemberaubenden Bildern und voller Poesie erzählt der Film die Tragödie der Stadt Timbuktu in Mali während der Besetzung durch Dschihadisten der Al-Qaida-nahen Gruppe Ansar Dine im Rahmen des Konflikts in Nordmali. Am Rande von Timbuktu wohnt in einem Nomadenzelt eine Familie, bestehend aus dem Vater Kidane, der Mutter Satima, der Tochter Toya und dem Sohn Issan. Sie sind das Zentrum des Filmdramas. Regisseur Abderrahmane Sissakos unverwechselbare Handschrift ist die berührende Art und Weise, Schönheit dort einzufangen, wo er sie noch finden kann: in den kurzen Augenblicken des Glücks – und in der vom Wahn der Menschheit unberührten Ruhe der Natur. 2012/13 wurde Timbuktu durch den Eingriff Frankreichs von den islamistischen Rebellen befreit.

Mo. 02.03.2015 / 20:00

SAG NICHT WER DU BIST!

Wie eine Erzählung von Kafka oder ein Film von Hitchcock

Der junge Tom aus Montreal fährt aufs Land, um am Begräbnis seines verunglückten Lovers teilzunehmen. Als er auf der einsamen Farm der Familie eintrifft, wird er von niemandem erwartet. Die Mutter Agathe weiß nicht einmal, dass ihr Sohn schwul war. Der ältere Bruder Francis macht Tom eindringlich klar, dass das auch so bleiben muss. Verstört und überrumpelt gibt Tom nach – und lässt sich auf ein seltsames Spiel mit dem unberechenbaren Francis ein, das ihn von Tag zu Tag mehr in seinen Bann zieht. Zwei Seelen wohnen in Toms und Francis´ Brust. Diese seltsam widerständige und damit so ungeheuer provokante Sanftheit des einen findet ihre Entsprechung in der immer wieder auflodernden Brutalität des anderen. Doch letztlich lassen sich Opfer und Täter auf der abgelegenen Farm kaum trennen. Tom sucht die Schläge und den Schmerz, als wollte er eine tief sitzende Trauer und Verzweifelung überdecken. Und Francis wirkt während seiner Attacken  gegen Tom verletzlicher als sein Opfer. Das 25-jährige kanadische Regie-Wunderkind Xavier Dolan erhielt für sein bisher vollkommenstes Werk viele Preise, unter anderen den Großen Preis der Filmkritik auf den Filmfestspielen von Venedig.