Mo. 21.11.2011 / 20:00
Zum Tode Heinrich von Kleists vor 200 Jahren

Eine schuldlos von einem russischen Grafen geschwängerte Marquise wird, nachdem ihr Zustand ruchbar geworden ist, von den Eltern des Hauses verwiesen. Heinrich von Kleists Novelle wurde in Eric Rohmers sensibler Verfilmung zum demonstrativen Gegenteil eines sentimentalen Dramas. Mit Sinn für die Absurdität der Geschichte legt der Regisseur die ironische Moralkritik der Buchvorlage bloß, um daraus ein heiteres Plädoyer für die praktizierte Menschlichkeit jenseits bürgerlicher Konventionen zu entwickeln. Die Hauptrollen besetzte Rohmer mit den Schauspielern der Berliner „Schaubühne am Hallschen Ufer“. Sehr sehenswert!
R: Eric Rohmer – B: Eric Rohmer nach der Novelle von Heinrich von Kleist – K: Nestor Almendros – M: preußische Militärmusik – D: Edith Clever, Bruno Ganz, Otto Sander, Peter Lühr, Ruth Drexel, Eduard Linkers, Edda Seippel, Hesso Huber – Frankreich/Deutschland 1975 – L: 98 min.
Mo. 14.11.2011 / 20:00
Eine magisch-phantastische Welt von großer politischer Relevanz

Ein verwunschener Garten vor den Toren Teherans. Hier treffen sich vier Frauen, deren Leben nicht unterschiedlicher sein könnte: die kunstliebende Fakhri, die junge Prostituierte Zarin, die politische Aktivistin Munis und deren Freundin Faezeh. Das Chaos, das nach einem Militärputsch in den Straßen Teherans herrscht, hat sie an diesem Ort zusammengeführt. Und die Flucht vor dem eigenen Schicksal. In einem verborgenen Landhaus erleben diese vier Frauen für einen kurzen Moment das, wonach sich jede von ihnen sehnt: Lebensfreude, Freiheit und das Gefühl von Glück. Der erste Spielfilm der international renommierten Video-Künstlerin Shirin Neshat basiert auf dem gleichnamigen Roman der iranischen Schriftstellerin Sharnush Parsipur. Ein politisches Lehrstück einerseits, ein herzzerreißendes Melodram andererseits – mit zahlreichen internationalen Auszeichnungen bedacht.
R: Shirin Neshat – B: Shirin Neshat nach dem Roman von Sharnush Parsipur – K: Martin Gschlacht – M: Ryuichi – D: Orsolya Tóth, Shabnam Toloui, Tahmoures Tehrani, AritaSharzad, Pegah Ferydony – Frankreich/Deutschland/Österreich 2009 – L: 98 min.
So. 13.11.2011 / 20:00
Tarkowskijs meditativer Film wirkt wie Musik

Der russische Schriftsteller Andrej reist durch Italien auf den Spuren eines russischen Komponisten des 19.Jahrhunderts, dessen Biografie er schreiben will. Das Erlebnis der fremden Landschaft und Kultur und die Begegnung mit einem geisteskranken Sonderling treiben ihn in eine ausweglose Isolation und Schwermut. Tarkowskij meditiert über das Gefühl der NOSTALGHIA: die Sehnsucht nach der verlorenen geografischen wie spirituellen Heimat, der Schmerz über die Kommunikationsunfähigkeit der technokratischen Welt, die verzweifelte Suche nach dem metaphysischen Sinngehalt alltäglicher Dinge und Wahrnehmungen. Suggestive Bildvisionen, mit vollendeter Meisterschaft inszeniert.
R: Andrej Tarkowskij – B: Andrej Tarkowskij und Tonino Guerra – K: Giuseppe Lanci – M: Claude Debussy, Giuseppe Verdi, Richard Wagner – D: Oleg Jankowski, Domiziana Giordano, Erland Josephson, Patrizia Terreno, Laura de Marchi - Italien 1983 – L: 125 min.
So. 13.11.2011 / 11:00
Der Lebensweg des legendären Ikonenmalers

Andrej Tarkowskijs geniales Monumentalwerk schildert den Lebensweg des legendären Ikonenmalers Andrej Rubljow (etwa 1360-1430). Rubljow, an humanistisch-aufklärerischen Ideen orientiert, wird Zeuge der menschenverachtenden Macht- und Kriegspolitik seiner Auftraggeber. Verantwortungsbewusstsein, Schuldgefühle und Selbstzweifel stürzen ihn in eine schöpferische Krise, bilden zugleich jedoch die Triebfeder für eine jahrelange Auseinandersetzung mit der problematischen Position des Künstlers in Politik und Gesellschaft. Der eindringliche Film, dessen Bilder zugleich von realistischer Schärfe und poetischer Vielschichtigkeit sind, verweigert sich einer voreiligen Ideologisierung, meditiert vielmehr über die Zusammenhänge von Kreativität und Spiritualität. Ein wahres Meisterwerk!
R: Andrej Tarkowskij – B: Andrej Michalkow-Konchalowski und Andrej Tarkowskij – K: Wadim Jussow – M: Wjatscheslaw Owtschinnikow – D: Anatoli Solonizyn u.a. -
UdSSR 1966-69 – L: 180 min.
Di. 08.11.2011 / 20:00
Catherine Deneuve ist immer ein Schmuckstück

Als gelangweilte Ehefrau eines Unternehmerpatriarchen sieht sie sich nach dessen Erkrankung gezwungen, die Geschäfte selbst in die Hand zu nehmen und sorgt bald gemeinsam mit einem kommunistischen Lokalpolitiker für vollkommen neue Verhältnisse in der Schirmfabrik. Francois Ozons knallbunte 70er-Jahre-Komödie ist gleichzeitig ein höchst emanzipatorischer Film, der sich bar jeder Verbissenheit die traditionalistische Rollenverteilung zwischen den Geschlechtern vorknöpft. Toll inszeniert + toll gespielt = großes Kinovergnügen! Original mit deutschen Untertiteln.
R + B: Francois Ozon – K: Yorick Le Barillet – M: Philippe Rombi - D: Catherine Deneuve, Gérard Depardieu, Fabrice Luchini, Karin Viard, Jérémie Renier - Frankreich 2010 – L: 104 min.
Mi. 02.11.2011 / 20:00
Ein großer Klassiker aus Griechenland

Die Reise eines gealterten Bienenzüchters auf der Strasse des Frühlings wird für ihn, der den Bezug zum Leben verloren hat, zu einer Reise in den Tod. Er nimmt Abschied von den Stätten seines Lebens, den Familienangehörigen, den Freunden und der Kleinstadt, in der er als Lehrer gearbeitet hat. Auch die Begegnung mit einer faszinierenden jungen Frau kann seine wehmütige Todessehnsucht nicht stillen. Ein bewegender, philosophisch gehaltvoller Film, dessen leise Melancholie sich in der kargen Erzählweise und im prägnanten Spiel des Hauptdarstellers spiegelt. Wir zeigen den Film im Original mit deutschen Untertiteln. Unbedingt sehenswert!
R + B: Theo Angelopoulos – K: Georgos Arvanitis – M: Eleni Karaindrou – D: Marcello Mastorianni, Nadia Mourouzi, Serge Reggiani, Jenny Roussea – Griechenland 1987 – L: 117 min.