ARCHIV FÜR November 2013

Mi. 27.11.2013 / 20:00

WOYZECK

von Werner Herzog
Herzogs WOYZECK hält sich streng an die literarische Vorlage Georg Büchners. (Werner Herzog: “Das Beste, was in unserer Sprache geschrieben wurde.”) Sehr lange Einstellungen erwecken dabei den Eindruck eines Theaterspiels. Scharfe Schnitte zwischen den Szenen deuten das Fragmentarische von Büchners Stück an. Die schauspielerischen Leistungen von Klaus Kinski als Woyzeck und Eva Mattes als Marie wurden von der Kritik als eindrucksvoll und sehenswert gelobt und in Cannes und Berlin mit hohen Auszeichnungen bedacht.
Mo. 25.11.2013 / 20:00

zeppelin

Vor 175 Jahren wurde Ferdinand Graf Zeppelin geboren

Mit diesem Film begleitet das FILMFORUM die Ausstellung >Silber am Himmel< von Martin Paulus, die vom 23. November 2013 bis zum 31. Januar 2014 im Landsberger
Stadtmuseum zu sehen ist.

Im Jahre 2005 recherchiert Matthias Silcher die Lebensgeschichte seines Großvaters Robert, der 1937 als Besatzungsmitglied bei der Hindenburg-Katastrophe ums Leben kam. Zeit seines Lebens hatte dieser nur ein Ziel gekannt – den Zeppelin, in dem er den einzigen Ausweg aus der wilhelminischen Enge seines schwäbischen Heimatortes sah. Er verlässt 1929 als junger Mann sein Elternhaus, um in Friedrichshafen auf der Zeppelinwerft zu arbeiten. Seine Faszination zu den Luftschiffen, deren Existenz durch die explosive Gefährlichkeit des Wasserstoffes gefährdet ist, wandelt sich mehr und mehr zum Fanatismus. Auch im Kreise seiner Familie und Freunde wird er immer undurchschaubarer und fremder. 1937 stirbt Robert in den Flammen der Hindenburg und hinterlässt nichts weiter als einige Fotografien und einen halbverbrannten Brief. Was stand in diesem Brief?

Mo. 18.11.2013 / 20:00

the sessions – wenn worte berühren

Die wahre Geschichte eines Poliokranken auf der Suche nach körperlicher Liebe

Mark O´Brien, den Helden des Films gab es wirklich: der amerikanische Lyriker erkrankte im Alter von 6 Jahren an Kinderlähmung. Vom Hals ab unbeweglich besorgte eine eiserne Lunge die Beatmung. Seine Texte schrieb er mit einem Stock, den er zwischen die Zähne presste und damit die Computertasten drückte. Er liegt auf seine Liege geschnallt, angewiesen auf die Hilfe einer Pflegerin. Seinen Priester bittet er um Erlaubnis, ohne Trauschein Sex haben zu dürfen. Cheryl Cohen Greene, die Sextherapeutin als ärztliche Geisha, erklärt ihrem Patienten jede ihrer zärtlichen oder forschen Bewegungen – das Ziel ist ein „vollzogener Akt mit Koitus“. „Du solltest es genießen“ sagt der Priester, und nie erschien der Rat eines Kirchenmannes weiser. Was THE SESSIONS vor anderen Publikumserfolgen auszeichnet, ist seine sensible Verquickung von Rührung und Humor. Man lacht und weint oft gleichzeitig.

Mo. 18.11.2013 / 09:00

am ende eines viel zu kurzen Tages

Eine Jugendvorstellung im Rahmen der “Aktionstage Seelische Gesundheit“

Die Geschichte des krebskranken Jungen Donald, der aufgrund seines belasteten Verhältnisses zu seinen Eltern vom Psychologen Dr. King betreut wird, erzählt dieser Film ohne Melancholie und ohne Pathos. Der Psychologe will Donald in den Schwierigkeiten der Adoleszenz auch unter Brechung von Recht und Moralvorstellungen zur Seite stehen. AM ENDE EINES VILE ZU KURZEN TAGES findet eine gute Balance zwischen Leichtigkeit und Ernst und entlässt sein Publikum in einem versöhnlichen Gefühl. Die behutsame Inszenierung ergänzt das Gefühl von Verlust durch die Erinnerung an einen Menschen und die Spuren, die dieser im Leben seiner Familie und Freunde hinterlassen hat.

So. 17.11.2013 / 20:00

zwei leben

Ein Familiendrama über ein verdrängtes Kapitel europäischer Geschichte

Eine Frau, die akzentfrei deutsch spricht, reist nach dem Fall der Mauer im November 1990 unter falschem Namen von Oslo nach Leipzig, um in einem Archiv Unterlagen zu vernichten. Kurz darauf ist dieselbe Frau im Kreis ihrer Familie in Norwegen zu sehen, offenbar seit zwanzig Jahren glücklich verheiratet. Aber dann taucht plötzlich ein junger deutscher Anwalt auf, der die Verbrechen des “Lebensborn“ vor den Europäischen Gerichtshof bringen will und dafür Betroffene und Zeugen sucht.

So. 17.11.2013 / 11:00

max beckmann – departure

Reihe: Kunst und Künstler

Max Beckmann (1884-1950) gehört zu den bedeutendsten deutschen Malern des 20. Jahrhunderts. Er nimmt eine Sonderstellung innerhalb der klassischen deutschen Moderne ein, denn er verweigerte sich sowohl der Abstraktion als auch dem Expressionismus. Sein Ziel war eine figurative Malerei, die eindeutig in der Realität verwurzelt ist, diese jedoch zugleich ins Mythische hinreichend transzendiert. In seinem großartigen Dokumentarfilm zeichnet Michael Trabitzsch den Lebensweg des Jahrhundertkünstlers nach und rückt dabei das Werk und die Worte Beckmanns ins Zentrum seiner Untersuchung.

Di. 12.11.2013 / 20:00

NO! Cinema Espanol / VHS OmU

ein mehrfach preisgekrönter Film über Medienmacht und Politik

Chile 1988. Auf internationalen Druck lässt Diktator Pinochet ein Referendum über die Fortführung seiner Präsidentschaft durchführen. Das S I ! bestätigt ihn für weitere acht Jahre im Amt, das N O ! öffnet den Weg für freie Wahlen. Alle Prognosen sagen den Sieg Pinochets voraus, der den Staat, die Gesellschaft und die Medien unter strengster Kontrolle hat. In der fast aussichtslosen Situation engagieren die Führer des Oppositionsbündnisses den brillanten jungen Werbefachmann René, der mit seinem Team eine knallig-bunte Gegenkampagne entwirft. Nach und nach wird ihm jedoch bewusst, mit wem er sich angelegt hat. Zwischen Politthriller und Komödie changierend gelang dem Regisseur Pablo Laraín mit Gael Garcia Bernal in der Hauptrolle ein Film, der zeigt, dass die Diktatur nicht nur deswegen verloren hat, weil das Volk mehr Gerechtigkeit wollte, sondern die Gegenbewegung über das bessere Marketing verfügte. Zum Lachen, zum Weinen und zum Nachdenken!

Mo. 11.11.2013 / 20:00

michael kohlhaas

Grandiose neuverfilmung der novelle von heinrich von kleist

Heinrich von Kleists legendärer Text aus dem Jahr 1810 erzählt eine universelle Geschichte vom Widerstand gegen Willkür, vom Kampf des Individuums gegen Obrigkeit, vom Ruf nach Gerechtigkeit. „ An den Ufern der Havel lebte, um die Mitte des sechzehnten Jahrhunderts, ein Rosshändler, namens Michael Kohlhaas, Sohn eines Schulmeisters, einer der rechtschaffensten und zugleich entsetzlichsten Menschen seiner Zeit.“ Dieser erste Satz aus der berühmten Novelle ist auch 200 Jahre nach seiner Erstveröffentlichung von allgemeiner Aktualität. Die intensive Gestaltung und das exzellente Spiel geben dieser neuesten Kohlhaas-Variante ihr ganz eigenes Existenz-Recht. Letztendlich gibt der Regisseur der eindringlichen Warnung vor maßloser Gerechtigkeit ein unerwartetes, aber starkes neues Gesicht.

Mo. 04.11.2013 / 20:00

Mr. Morgan’s Last Love

Adaption des Romans “La Doucieur Assassine” von Francoise Dorner

Ohne Liebe ist alles nichts. Matthew Morgan kann seinem Leben nach dem Tod seiner Frau nichts mehr abgewinnen. Er ist Amerikaner und vor einigen Jahren mit seiner Frau nach Paris gezogen, um das Leben gemeinsam in vollen Zügen zu genießen. Nun aber sitzt er in seiner wunderschönen Wohnung in einer wunderschönen Stadt – und möchte am liebsten sterben. Er ist bereits über siebzig, will sich aber um keinen Preis von seinen Kindern in die USA zurückholen lassen. Eines Tages trifft er im Bus auf Pauline, eine junge Frau, die er unbedingt näher kennenlernen möchte. Dass sie ihn nach Hause begleitet wie einen gebrechlichen Opa, ist ihm eher unangenehm. Aber Matthew Morgan hat wieder etwas, worum sich sein  Leben drehen kann. Und Pauline, die sich auch als depressiv und einsam entpuppt wie er selbst, findet so ein wenig Halt. Die Beziehung wird nie anzüglich. Die beiden spielen ein einvernehmliches Spiel miteinander, an dem sie beide Freude haben. Die Regisseurin Sandra Nettelbeck  hat das große Glück gehabt, dass sie “ihren Star“ Sir Michael Caine für diese Rolle gewinnen konnte. Mit ihm konnte sie diese wunderbare Geschichte erzählen, die davon handelt,  dass es sich zu leben lohnt, solange es noch irgendetwas gibt, wovon man träumen kann.

Fr. 01.11.2013 / 20:00

Danton

Ein besonderer Beitrag zum Büchner-Jahr

“Dantons Tod“ als philosophisches Theaterdrama um Freiheit und Demokratie und ihre Aushöhlung durch die Überhöhung von abstrakten Prinzipien. Der große Regisseur Andrzej Wajda inszenierte diesen Film 1983 nach dem polnischen Theaterstück “Die Sache Danton“ von Stanislawa Przybyszewska. Das Drehbuch schrieb Jean-Claude Carrière. Die Hauptrollen konnten mit hervorragenden Darstellern besetzt werden: Gérard Depardieu als Danton, Wojciech Pszoniak als Robespierre, Angela Winkler als Lucile Desmoulins und dem kürzlich verstorbenen Patrice Chéreau als Camille Desmoulins. Der Film spielt während der Französischen Revolution im Jahr 1794 während der Phase der Terrorherrschaft des Wohlfahrtsausschusses unter Robespierre. Der bei der Bevölkerung beliebte und den schönen Dingen des Lebens zugeneigte Revolutionär Danton macht dem tugendhaften Robespierre in einem Gespräch seine Sicht der Terrorherrschaft klar. Sie gehen danach endgültig als Feinde auseinander. Vor Gericht nutzt Danton die Gelegenheit, erneut seine Sicht der Politik Robespierres darzustellen und wird zum Tode  verurteilt. Nach seiner Hinrichtung quält sich Robespierre mit Fieberkrämpfen und sieht sein eigenes Ende vor sich, das ihn drei Monate später, wie von Danton vorausgesagt, ereilen wird.