ARCHIV FÜR November 2014

Di. 25.11.2014 / 20:00

SEELENVÖGEL

In Zusammenarbeit mit der Hospizgruppe Landsberg.

Der Dokumentarfilm von Thomas Riedelsheimer ist eine behutsame Annäherung an eine unvorstellbare Situation: Er handelt von drei an Leukämie erkrankten Kindern, die sich mit dem Thema „Tod“ auseinandersetzen. Riedelsheimer begleitet die drei erkrankten Kinder Pauline (15), Richard (10) und Lenni (6) und zeigt, wie sie und ihre Freunde und Verwandten mit dem Thema Tod, insbesondere mit ihrem Tod, umgehen. Pauline verfasst Gedichte, um sich mit ihrer Situation auseinanderzusetzen, Richard ist über seine Situation bestens aufgeklärt und der kleine Lenni zaubert jedem Mitmenschen ein Lächeln aufs Gesicht. Im Herzen dieses Films ist Stille, Frieden und eine große Schönheit. Der tief bewegende Film lässt uns an einer Erfahrung teilhaben, für die die meisten von uns keine Begriffe haben.

Mo. 24.11.2014 / 20:00

NICK CAVE – 20 000 DAYS ON EARTH

Ein Geburtstagsgruß an Kathrin.

Der 20.000. Tag im Leben von Nick Cave: vom ersten Weckerklingeln am Morgen bis zum Strandspaziergang nach dem abendlichen Auftritt wird alles zu einem poetisch dichten Porträt rastloser Kreativität. Realität und Fiktion, Privates und Öffentliches werden verwoben in einem fiktiven Tag des berühmten Musikers. Inszenierte Szenen wie ein Gespräch mit einem Therapeuten über seine Kindheit oder mit den Archivaren, die sich Fotos aus Caves wilden Jahren mit seinen Bands erklären lassen, wechseln sich ab mit Szenen in Proberäumen und Aufnahmestudios. Musikerkollegen wie Blixa Bargeld oder Kylie Minogue erinnern sich mit Nick Cave an ihre Zusammenarbeit. Die Erzählerstimme, unverkennbar Cave geschrieben und gesprochen, erklärt seine Weltsicht, sein Leben und vor allem seine Philosophie des Songwriting.

Di. 18.11.2014 / 20:00

TOD EINES HANDLUNGSREISENDEN

ENGLISH CINEMA / VHS OmU

Der preisgekrönte Film ist eine detailgetreue Verfilmung der literarischen Vorlage von Arthur Miller. Zentral geht es um den Konflikt zwischen dem Handlungsreisenden Willy Loman, der seine Erfolglosigkeit nicht wahrhaben will,  und seinem Sohn Biff. Biff versucht sich ebenfalls als Handlungsreisender, scheitert jedoch. Aufgrund der realen Erfolglosigkeit droht die Familie vollends zu verarmen, denn Schulden und Kredite müssen zurückgezahlt werden. Um seiner Familie zu helfen, entscheidet sich Willy Loman, Selbstmord zu begehen. Er fährt mit seinem von ihm entsprechend manipulierten Reisewagen davon. Mit dem Geld seiner Lebensversicherung soll es der Familie möglich sein, die Schulden zu tilgen. Die mit ausgezeichneten Darstellern besetzte Adaption des Bühnenwerks überzeugt durch die unverbrauchte Aktualität sozialkritischer Aufdeckungen und humaner Mahnungen.

Mo. 17.11.2014 / 20:00

PHOENIX

Eine Geistergeschichte, die sich ins Herz der deutschen Finsternis wagt

Nelly hat Auschwitz überlebt. Wie ein Phoenix aus der Asche erlangt sie im Juni 1945 wieder das Bewusstsein. Lene, Mitarbeiterin der Jewish Agency und alte Freundin bringt die Verletzte in deren frühere Heimatstadt Berlin. Dort wird Nelly mehrfach operiert. Nach der Operation erkennt sie sich nicht wieder. Und als sie Ihrem Mann Johnny nach längerer Suche in Berlin wieder begegnet, geht es ihm genauso. Er fühlt sich aber vage an seine Frau erinnert und schlägt Nelly vor, erstere fortan zu spielen, um an das Erbe ihrer im Holocaust ermordeten Familie zu kommen. Nelly willigt ein, ihre Aufgabe gestaltet sich jedoch zunehmend komplizierter. “Der Asche entstiegen“ von Hubert Monteilhet ist der Kriminalroman, auf den Christian Petzold bereits in den 1980er Jahren stieß und den er seitdem als Film im Kopf hatte. Erst nach seinem letzten Film “Barbara“ mit Nina Hoss und Ronald Zehrfeld in den Hauptrollen war er sich sicher, dieses höchst sensible Projekt der Vergangenheits-bewältigung mit den beiden Darstellern umsetzen zu können.

So. 16.11.2014 / 11:00

WATERMARK

Im Rausch des Wassers.

Zwei Drittel der Erde sind von Wasser bedeckt. Es verbindet Menschen, wenn sie gemeinsam davon trinken, ein heiliges Bad nehmen oder sich die Kraft der Flüsse zur Stromerzeugung und die Weite der Ozeane zur Verbindung der Kontinente nutzbar machen. 20 Stationen in zehn Ländern verbinden sich in dieser beeindruckenden Dokumentation zu einem großen und faszinierenden Ganzen. Ohne Wasser gibt es kein Leben, keine Zivilisation, keine Zukunft. Alles ist Wasser.

Mo. 10.11.2014 / 20:00

BAAL

Über 40 Jahre haben die Brecht-Erben die Aufführung untersagt.

Nach Bertolt Brechts Worten behandelt das Stück, nicht die Verherrlichung nackter Ichsucht und schrankenloser Lebensgier eines asozialen Dichters, sondern die Reaktion eines ungebrochenen Ich auf die Zumutungen und Entmutigungen einer Welt, die selber asozial ist. Die SZ schreibt zur Wiederaufführung des Films nach 40 Jahren: „Ein Meisterstück der Kinopubertät, das grell ist und geil, morbide und fleischlich. Die Prätention ist manchmal unerträglich und gleichzeitig saukomisch. Es gilt, die Nachkriegsgesellschaft zu sabotieren, indem man ihre nützlichen Idioten funktionalisiert. Baal frisst sich durch, er nutzt alle aus, er demütigt die Frauen und stößt sie in den Staub.“ Bei der Produktion von Baal wirkten zahlreiche Personen mit, die seinerzeit kurz vor ihrem künstlerischen Durchbruch standen: Neben dem für Drehbuch und Regie verantwortlichen Volker Schlöndorff sind dies insbesondere der Kameramann Dietrich Lohmann, der Filmmusik-Komponist  Klaus Doldinger. Die Hauptrollen wurden besetzt mit Rainer Werner Fassbinder und Margarethe von Trotta, in weiteren Rollen: Hannah Schygulla, Günther Kaufmann, Irm Hermann, Walter Sedlmayr. Ein unbedingt sehenswerter Film!

Mo. 03.11.2014 / 20:00

A MOST WANTED MAN

Ein deutscher Spion, der aus der Zeit gefallen ist.

Subtiler Agententhriller auf höchstem Niveau, ein Kampf der Mächte um einen angeblichen Terroristen. So war sie einmal, die  Geheimdienstarbeit: Persönlich, fußläufig, nur durch leise Krappsohlen vom Boden der Tatsachen getrennt. Alles dagegen was heute ist – Massenabhörwahn, Drohnenkrieg, Big Data – wirkt dagegen wie die reinste Barbarei. So zumindest suggerieren es der Schriftsteller John le Carré in seiner Romanvorlage und der Regisseur Anton Corbijn, die sich für diese Verfilmung zu einem kongenialen Nostalgiegespann zusammengefunden haben. Günther Bachmann ist ein deutscher Geheimdienstmann. Philip Seymour Hoffman stattet in seiner letzten Rolle diesen idealistischen Agenten mit seiner einzigartigen Präsenz aus und fügt dem Werk dieses großen Schauspielers noch einmal ein unauslöschliches Bild hinzu. Der Film lässt den Zuschauer bis zum Schluss im Unklaren und fordert hohe Aufmerksamkeit für seine verästelte und komplexe Geschichte.

So. 02.11.2014 / 20:00

MR. MAY UND DAS FLÜSTERN DER EWIGKEIT

Ein berührendes Stillleben der Einsamkeit.

Seit 22 Jahren ist Mr. May Angestellter der Londoner Stadtverwaltung und kümmert sich um die Bestattungen einsam Verstorbener. Zu Beginn sieht der vielfach preisgekrönte Film, der seinen Helden auf Schritt und Tritt begleitet, wie das Porträt eines verschrobenen Mannes aus, der einer kuriosen Tätigkeit nachgeht.  Dann aber weitet sich der von Melancholie durchwehte Bilderreigen zu einer bewegenden Meditation über Einsamkeit und Tod in einer Gesellschaft, die immer mehr Menschen in die Isolation treibt.

So. 02.11.2014 / 11:00

SHIRLEY – VISIONEN DER REALITÄT

Der Maler Edward Hopper in 13 Bildern.

Vermutlich hat Edward Hopper die Leinwand – die eigene und die des Kinos – sowie sich selbst als Spiegel verstanden. Aber im Gegensatz zu einem Spiegel ist die Kunst alles andere als passiv. Hopper hat sich intensiv mit dem großen Filmwerk seiner Zeit beschäftigt. Dann hat er in New York in das Leben der normalen Leute seiner Stadt geblickt und zusätzlich mit dem Weitwinkelobjektiv seines Auges die Weite der amerikanischen Landschaft aufgenommen, um schließlich all das in seinen Bildern, seinen Visionen der Realität zu präzisieren. Bilder der Melancholie und Einsamkeit des modernen Menschen.