ARCHIV FÜR November 2015

Mo. 30.11.2015 / 20:00

LIFE

James Dean –Vom Rebellen zur Ikone

Einzelgänger, die gegen das System kämpfen, sind die Helden der Filme des niederländischen Fotografen und Regisseurs Anton Corbijn. Sein Spielfilmdebüt gab er 2007 mit „Control“, der Biografie des Joy-Division-Sängers Ian Curtis. Es folgten das Drama „The American“ mit George Clooney als einsamem Killer und der Thriller „A most Wanted Man“ mit Philip Seymour Hoffmann als verlorenem Geheimagenten. Alle Filme haben wir im FILMFORUM gezeigt. In seinem neuen Film erzählt Corbijn nun die Geschichte des Fotografen Dennis Stock, der mit seinen Bildern James Dean zur Legende machte. Mindestens eines jener Bilder, die Dennis Stock von James Dean machte, kennt jeder: Mit Zigarette im Mundwinkel spaziert er da am Times Square durch den Regen. Wie bei einem Film von Anton Corbijn zu erwarten ist, bestechen die Bilder wieder durch die Ausstattung und den Look, der mit der gelungenen Retro-Atmosphäre oder beim Nachstellen der berühmten Fotografien einfach Begeisterung auslöst.

Mo. 23.11.2015 / 20:00

INHERENT VICE – NATÜRLICHE MÄNGEL

Paul Thomas Anderson hat den Roman von Thomas Pynchon verfilmt.

Der Film spielt in einer Zeit bürgerlicher Dekadenz und jugendlicher Revolution und zieht uns magisch zurück in die bekifften Siebziger. Die Hauptfigur des Films heißt Larry Sportello und trägt den Spitznamen Doc. Joaquin Phoenix spielt diesen Doc, einen Dope rauchenden Exhippie im Los Angeles von 1970, der den Beruf des Privatermittlers aufgenommen hat. Die Geschäfte scheinen nicht schlecht zu laufen: gleich zu Beginn bekommt er einen Auftrag nachdem anderen. Seine Exfreundin Shasta (gespielt von Katherine Waterston) will, dass er die Entführung ihres Liebhabers, eines Immobilienhais mit jüdischen Wurzeln, verhindert. Das Mitglied einer schwarzen Gang engagiert ihn, um einen ehemaligen Gefängnisgenossen, einen Anhänger der „Arischen Bruderschaft“, dingfest zu machen. Letzterer wiederum arbeitet zufällig für Shastas Liebhaber als Bodygard. Aber die entscheidenden Hinweise wird Doc bei seinem nächsten Auftrag erhalten, bei dem eine ehemals Heroinsüchtige ihn bittet, ihren verschollenen Mann zu finden. Bis dahin sind indes auch seine Exfreundin Shasta und ihr Geliebter auf rätselhafte Weise verschwunden. Eine weitere Perle auf der Kette der Meisterwerke von Anderson, dem wir bereits unter anderen „Magnolia“ (2000), „There Will Be Blood“ (2007) und „The Master“ (2012) zu verdanken haben.

Di. 17.11.2015 / 20:00

DAS SCHICKSAL IST EIN MIESER VERRÄTER

Ein Filmabend in Zusammenarbeit mit der Hospizgruppe Landsberg

Der Film basiert auf dem Roman „the fault in our stars“ von John Green. Kann ein Film die Eindringlichkeit einer Romanvorlage einfangen? In aller Regel nicht. Ein beeindruckendes Gegenbeispiel ist diese Adaption des Kultromans von John Green über die Liebe zweier krebskranker Teenager. Ebenso sensibel und aufrichtig wie das Buch begleitet der Film seine Figuren Hazel Grace und Gus Waters auf ihrem Weg nach Amsterdam, wo sie sich mit dem Tod und dem Leben auseinandersetzen. Den Durchhalteparolen und Ermutigungssprüchen begegnen Hazel und Gus mit Humor. Doch sie ahnen auch, dass wir ohne Leid nicht wüssten, was Freude ist. Es stimmt wahrscheinlich, dass Krebskinder nicht tapferer sind als andere. Aber den Wert und die Schönheit des Lebens spüren sie stärker als alle anderen. An diesem Gefühl lassen sie uns in dieser großartigen Romanverfilmung intensiv teilhaben.

Mo. 16.11.2015 / 20:00

ICH UND KAMINSKI

Ein meisterhaft fieses Schelmenstück nach dem Roman von Daniel Kehlmann

Von all den irren, größenwahnsinnigen und selbstverliebten Filmfieslingen, die das Kino so bevölkern, setzt dieser Film einer bislang vernachlässigten Spezies Bösewicht ein wunderbares Denkmal: dem des zynischen Kulturjournalisten. Er, ein Meister der Selbstüberschätzung, plant ein Enthüllungsbuch über den legendären, aber fast vergessenen Maler  Manuel Kaminski, Schüler von Matisse und Freund von Picasso, der einst als “blinder Maler“ eine gewisse Berühmtheit erlangte. Der skrupellose und ehrgeizige Karrierist macht sich auf den Weg zu dem entlegenen Chalet, wo der greise Kaminski zurückgezogen lebt. Er dringt in Kaminskis Haus, Leben und Vergangenheit ein und nimmt ihn kurzerhand mit auf eine irrwitzige Reise zu dessen tot geglaubter Jugendliebe. Unterwegs will er ihm mit List und Dreistigkeit seine Geheimnisse entlocken. Aber bald muss er feststellen, dass er dem Alten – ob blind oder nicht – in keiner Weise gewachsen ist. Ein Duell zweier unterschiedlich begabter Hochstapler, deren Geschichten sich ineinander spiegeln. Ein großes cineastisches Vergnügen!

So. 15.11.2015 / 12:00

GIOVANNI SEGANTINI

Die Magie des Lichts

Giovanni Segantini (1858-1899) einst als Genremaler verklärender Alpenidyllen abgetan, wird vom Schweizer Dokumentaristen Christian Labhard auf faszinierende Weise neu entdeckt als Naturmystiker und visionärer Lichtzauberer. Ein Künstlerpoträt, das den kreativen Impulsen nachspürt. Gleichzeitig die Schilderung eines entbehrungsreichen Lebens, dem die künstlerische Selbstermächtigung mit großer Passionsgeste abgetrotzt wird. Maler, Künstler, Anarchist, Aussteiger – das alles war Segantini. Heute bezeichnet man ihn als „Der Van Gogh der Alpen“. Der Film wird begleitet von Bruno Ganz, der Passagen aus Segantinis Schriften liest, und Mona Petri mit Texten aus Asta Scheibs Segantini-Roman „Das Schönste, was ich sah.“

So. 15.11.2015 / 11:00

ERNST HECKELMANN

Der Berg als Mythos und Sehnsuchtsort

Die Bilder Ernst Heckelmanns spiegeln Erlebtes, Geträumtes, Erinnertes. Ein immerwährendes ist hierbei die Bergwelt. Gewaltige Panoramen mit heroischen Gebirgszügen eröffnen eine majestätische und menschenverlassene Welt. Der Berg als Mythos und Sehnsuchtsort: unerbittlich und zugleich unendlich schön. Bei aller Bewegtheit des Pinselduktus, bei dem der körperliche Einsatz des Malers im Entstehungsprozess deutlich zu spüren ist, geht von den Bildern gleichsam auch ein Moment der zeitlosen Ruhe aus. Der Regisseur Frieder Käsmann vermittelt uns mit dem Film “Bergheimat“ einen sehr persönlichen Einblick in das Leben und die künstlerische Arbeit Ernst Heckelmanns. Wir freuen uns sehr und sind dankbar, dass Ernst Heckelmann persönlich anwesend sein wird und für uns im Theaterfoyer einige “Bergarbeiten“ aus einem Cyclus präsentiert, der Giovanni Segantini gewidmet ist.

Mo. 09.11.2015 / 20:00

TAXI TEHERAN

Filmfestspiele Berlin 2015: Goldener Bär für den besten Film.

Der Regisseur Jafar Panahi ist von der iranischen Justiz 2010 zu 20 Jahren Berufsverbot verurteilt worden – ein Akt der Zensur gegenüber einem kritischen, international gefeierten Filmemacher. „Taxi Teheran“ ist jedoch bereits der dritte Film, den Jafar Panahi trotz dieser Restriktionen gedreht hat. Das Taxi wird zum Studio, manches wirkt zufällig, anderes kunstvoll inszeniert. Es entstand ein einzigartiges Dokument über das Leben in der iranischen Gesellschaft, das aktuelle Gesellschaftskritik und existenzielle Fragen nachdem Sinn des Lebens miteinander verbindet. Der Film lebt aus der Menschlichkeit und einer großen künstlerischen Freiheit.

Mo. 02.11.2015 / 20:00

45 YEARS

Filmfestspiele Berlin 2015: Beste Darstellerin / Bester Darsteller

Fast ein halbes Jahrhundert verheiratet, scheinen sich Kate und Geoff in- und auswendig zu kennen – bis eines Tages die Vergangenheit in ihr beschauliches Leben einbricht. So feinsinnig die Hauptdarsteller Charlotte Rampling und Tom Courtenay mit Gesten und Blicken von ihren inneren Turbulenzen erzählen – hochverdient wurden beide auf der Berlinale 2015 mit dem Silbernen Bären ausgezeichnet. Doch der Film ist weit mehr als nur großes Schauspielerkino: er analysiert, wie die Vergangenheit in die Gegenwart einbricht und eine allzu selbstverständlich scheinende Vertrautheit plötzlich tiefe Risse bekommt.