ARCHIV FÜR Oktober 2011

Di. 25.10.2011 / 20:00

The King’s Speech

VHS / Films in English (OmU)

Es könnte einfach großer Kitsch sein: Die Geschichte eines Mannes, der gegen seinen Willen König wird und sein Stottern überwinden muss, um zu seinem Volk zu sprechen. Zumal es sich um die wahre Geschichte von Albert handelt, dem Vater der heute so beliebten Queen Elizabeth II. Als George VI bestieg er nur unwillig den Thron und hielt fortan als bekannter Stotterer seine Untertanen bei Ansprachen stets in Hochspannung. Man kann sich gut vorstellen, dass dieser Stoff in seiner Kombination aus Vorhersehbarkeit (Historie) und Gefühlsintensität (persönliches und patriotisches Pathos) einen gefälligen Film abgibt. Dass der Film trotzdem darüber hinaus sein Publikum auf eine Weise fesselt, wie man sie nur noch selten im Kino erlebt, liegt vor allem an dem wunderbaren Entfaltungsraum für die Schauspieler. Da ist in erster Colin Firth, der, wie man so sagt, die Rolle seines Lebens spielt – und dafür auch den Oscar erhielt. Zum anderen ist da der Oscar-Preisträger Geofffrey Rush, der dem Sprachtherapeuten Lionel Logue etwas von der Konventionenverachtung eines Punks verleiht und die besten Pointen setzen darf. Und nicht zuletzt auch Helena Bonham Carter als Gattin Mary, die aus wenigen Momenten so viel herausholt, dass man am Ende glaubt, sie sei ständig im Bild gewesen. Ihre Figur spielt eine Art Eheideal ganz nach angelsächsischem Modell: pragmatisch, zugewandt, partnerschaftlich. Der Film wird (wie gut!) in der Originalsprache mit deutschen Untertiteln gezeigt.

Mo. 24.10.2011 / 20:00

Die Invasion der Barbaren

Reihe: Der besondere Film

Der kanadische Universitätsprofessor Rémy liegt in einem maroden Krankenhaus im Sterben. Sein Sohn Sébastien fliegt mit seiner Verlobten von London nach Kanada, um seine Mutter bei der Pflege des kranken Vaters zu unterstützen. Professor Rémy sieht sich als letzter Vertreter einer Generation, die mit der westlichen Zivilisation verbunden ist, während er seine Nachkommen als Barbaren definiert und sich selbst als sinnlichen Sozialisten bezeichnet. Sébastien erhält den Tipp, seinem Vater Heroin zu verabreichen, das den Schmerz stärker hemmt als Morphium. Der Schwerkranke schwelgt ein letztes Mal mit seinen Freunden und Mätressen in Anekdoten. Er hängt nicht an seinem jetzigen Leben, sondern an seiner Vergangenheit… Diese wahnwitzige Tragikomödie hatte 2003 in Cannes Premiere und wurde, von der Kritik gefeiert, zum Publikumshit. 2004 folgten der Oscar für den besten ausländischen Film, der British Academy Film Award, in Frankreich der César und zahlreiche weitere internationale Auszeichnungen.

So. 16.10.2011 / 20:00

Kundun

Das Leben des 14. Dalai Lama

Die Geschichte des tibetischen Bauernjungen, der als 14. Dalai Lama zum geistigen Oberhaupt des Buddhismus wird, ist die versuchte Annäherung an einen der großen spirituellen Führer der modernen Zeit. Von seiner Kindheit über den Einfall der chinesischen Truppen in Tibet bis zu seiner Flucht vor der Bedrohung durch das kommunistische China ins Exil im Jahr 1959 beleitet der Film in faszinierenden Bildern von geradezu magischer Anziehungskraft und einem absolut ingeniösen Soundtrack (Philip Glass) die einzelnen Lebensstufen. Als er als Kind von den Mönchen abgeholt wird, um auf seine künftigen Pflichten als Dalai Lama vorbereitet zu werden, verabschiedet sich sein Bruder mit den Worten: »Du musst ein wichtiger Mensch sein.« Der Junge antwortet nur mit einem lakonischen »Ich weiß«. Mit Ehrfurcht und stiller Bewunderung begegnet der Regisseur Martin Scorsese diesem Menschen, der eigentlich nur die Hülle für einen übermenschlichen Geist sein soll. Er hat mit KUNDUN ein bildgewaltiges Filmepos geschaffen, das ganz bewusst kein psychologisches Drama ist. Der Zuschauer bekommt so ein Stück authentische Geschichte erzählt, das nur durch Scorseses Ästhetik in Bild und Ton fiktionalisiert wird. Neben vier Oscar-Nominierungen erhielt KUNDUN mehrere internationale Preise.

So. 16.10.2011 / 11:00

Sounds and Silence

Reihe: Kunst und Künstler

In unserer Reihe Kunst + Künstler sind wir heute unterwegs durch eine Welt der Töne, Klänge und Geräusche – zusammen mit Manfred Eicher, dem bedeutenden Vermittler zeitgenössischer Musik und Gründer des Münchner Musiklabels ECM, der einzigen renommierten, stilbildenden Plattenfirma, die in Japan ebenso gefeiert wird in den USA. Ob »Köln Concert« von Keith Jarrett, »Officium« von Jan Gabarek, »Tabula Rasa« von Arvo Pärt – es gibt kaum jemanden, der nicht schon Musik aus dem Haus ECM gehört hat. Wir Landsberger Theatergänger genießen sogar das Privileg, jährlich mehrere Konzerte von und mit ECM-Interpreten erleben zu dürfen. Begeben wir uns also mit Manfred Eicher auf eine Spurensuche in Aufnahmestudios, Konzerte und Hinterzimmer mit den Musikern Arvo Pärt, Eleni Karaindrou, Dino Saluzzi, Anouar Brahem, Gianluigi Trovesi, Marilyn Mazur, Nik Bärtsch, Jan Gabarek und vielen weiteren. Ein sinnliches, eindringliches und meditatives Roadmovie, dem das Außergewöhnliche gelingt, die Magie der Musik einzufangen.

Mo. 03.10.2011 / 20:00

Die Legende von Paul und Paula

Reihe: Filme aus der DDR

Zwei junge Menschen kämpfen zäh und einfallsreich um ihre Liebe. Sie überwinden individuelle Schwierigkeiten, gesellschaftliche Normen und Anpassungsideologien. Ein erfrischend unterhaltsamer und überaus offener Film, der Traum und Wirklichkeit, Poesie und banale DDR-Alltagsrealität mischt und mit Spaß, Ironie und Ernst hohe künstlerische Qualität entfaltet. Der schauspielerisch beachtliche Film macht durch seine grotesken Übersteigerungen deutlich, dass den Menschen auch in der realsozialistischen Gesellschaft das Glück nicht von vornherein in die Wiege gelegt wird. Sowohl das emotionale als auch das kritische Potential des Films, nicht zuletzt sein Plädoyer für Individualität und die Kraft der Träume, sorgten in der DDR für einen anhaltenden Publikumserfolg. Den DDR-Obrigen war der Film zwar ein Dorn im Auge, doch zu einem Aufführungsverbot konnte man sich nicht durchringen. DIE LEGENDE VON PAUL UND PAULA avancierte zum Kultfilm.

Mo. 03.10.2011 / 11:00

CHRISTO UND JEANNE-CLAUDE – VERHÜLLTER REICHSTAG

Reihe: Kunst und Künstler

Das Künstlerehepaar Christo und Jeanne-Claude ist weltberühmt für seine temporären Großraumprojekte, bei denen Inseln, Brücken oder Gebäude mittels Stoffbahnen zu Kunstwerken gestaltet werden. Das Projekt »Verhüllter Reichstag« ist sicherlich das in Deutschland bekannteste. Nach mehr als 20-jährigen Bemühungen wurde das Lieblingsprojekt der Künstler schließlich am 24. Juni 1995 fertig gestellt. Mit über 50 Millionen Besuchern erlangte die Installation ungewöhnlich hohe Aufmerksamkeit und löste eine intensive politische wie ästhetische Debatte aus. Die Brüder Wolfram und Jörg Daniel Hissen haben die Verhüllungskünstler seit 1985 begleitet. Mit ihrer faszinierenden Dokumentation ermöglichen sie einen detaillierten Blick hinter die Kulissen des Kunstwerks »Verhüllter Reichstag« und anderer Projekte.