Mo. 26.09.2011 / 20:00
Reihe: Der besondere Film

Verwundert, aufgewühlt reibt man sich die Augen. Ein Film-Wunder, eines der wichtigsten, bewegendsten Kinoereignisse des letzten Jahres. Ausgezeichnet mit dem Großen Preis der Jury in Cannes, wurde der Film in Frankreich ein Publikumserfolg mit über drei Millionen Zuschauern. Erzählt wird von einem Kloster in Algerien mit neun französischen Trappisten-Mönchen. Es geht nicht um Glaubensbekenntnisse, sondern um menschliche Zeugnisse. Der Regisseur Xavier Beauvois, ein bekennender Atheist, nähert sich den Mönchen mit Respekt, Zuneigung und beinahe dokumentarischer Genauigkeit. VON MENSCHEN UND GÖTTERN greift ein grausames zeitgeschichtliches Ereignis auf. In einer März-Nacht des Jahres 1996 stürmen Bewaffnete das Kloster und entführen sieben Mönche. Zwei Monate später entdeckt man die Leichen der Entführten. Zur Untat bekennt sich eine radikal-islamische Organisation. Wie hätte sich ein journalistischer Filmemacher diesem Stoff genähert? Vermutlich mit reißerischen Schlagzeilen und spektakulären Fotos. Xavier Beauvois lässt all das beiseite. Er schildert das ritualisierte Leben im Kloster: Gebete, Gesänge, das schweigend eingenommene Mahl. Nach der Morgenandacht bestellen die Mönche den Garten, pflegen ein gutnachbarschaftliches Verhältnis zur muslimischen Dorfbevölkerung, sind selbstverständliche Gäste bei deren Hochzeitsfeiern. Bruder Luc, ein Arzt, versorgt die Dorfpatienten mit bescheidenen Mitteln. Beinahe idyllisch und angstfrei wird die Sphäre des Alltags gezeichnet. Der Film predigt nicht, sondern zieht uns in eine fortwährende Selbstbefragung. Könnte ich in der Gewissheit, dass der Tod nicht das letzte Wort behalten wird, der Gewalt widerstehen?
R: Xavier Beauvois – B: Etienne Comar, Xavier Beauvois – K: Caroline Champetier – D: Lambert Wilson, Michael Londsdale, Olivier Rabourdin, Philippe Laudenbach, Jacques Herlin, Loic Pichon – Frankreich 2010 – L: 122 Min.
So. 25.09.2011 / 20:00
Reihe: Der besondere Film

Die Coen-Brüder liefern mit der exzellenten Neuadaption des Western-Klassikers DER MARSHALL (1969) ein Werk, das weit entfernt ist von einem klassischen Western. Es geht hier nicht nur um Männer und Männlichkeitsrituale, um Waffen und ihre Handhabung, um falsche und echte Härte. Erzählt wird die Geschichte (nach der Romanvorlage von Charles Portis) von einer erwachsenen, etwas sonderlichen, zweifelsohne aber ganz unbeugsamen Frau. Sie heißt Mattie Ross und berichtet von dem 14jährigen Mädchen, das sie einmal war, das seinen Vater rächen wollte, als er von einem Farmhelfer umgebracht wurde. Dafür heuert sie einen kantigen, berühmtberüchtigten Haudegen an, der widerwillig einschlägt. Dazu gesellt sich noch ein eitler Texas-Ranger, der dem unbeirrbaren Mädchen auf seine Weise zur Seite steht. In dieser Konstellation stellt der Film ein spannendes, brillant inszeniertes und vor allem herausragend gespieltes Meisterwerk dar, das klug, rührend und voller Wärme ist und dennoch Realitäten wie Tod und Rache, Recht und Gerechtigkeit knallhart und unerschrocken ins Gesicht blickt. (True Grit = wahrer Mumm).
R: Ethan & Joel Coen – B: Joel & Ethan Coen (nach dem Roman von Charles Portis) – K: Roger Deakins – M: Carter Burwell – D: Jeff Bridges, Hailee Steinfeld, Matt Damon, Josh Brolin, Barry Pepper – USA 2010 – L: 110 Min.
So. 25.09.2011 / 11:00
Reihe: Kunst + Künstler

Der 1974 in Bristol geborene Street Artist Banksy ist in England und vielen anderen Ländern aktiv geworden: USA, Australien, Israel, Palästina, Italien, Kuba, Mali, Mexico, Österreich und bei uns in Deutschland. Als »Kommunikationsguerilla« gibt er eine alternative Sichtweise auf politische, wirtschaftliche, gesellschaftliche und künstlerische Fragen und Probleme. Wenig Ausdrucksformen entwickelten sich in den letzten zehn Jahren rasanter und spektakulärer als Street Art. Inspiriert und authentisch, einfach im Stadtbild verankert – das ist Street Art. In dem 2010 entstandenen Dokumentarfilm von Banksy geht es um einen französischen Street-Art-Künstler, der an einem Film über einen befreundeten Graffiti-Künstler arbeitet und während der Dreharbeiten Banksy kennenlernt, der fortan die Regie übernimmt. Somit wechselt die Perspektive: Aus einem Film über einen Künstler wird eine Doku über einen Regisseur, der zum Künstler wird. Es ist ein ganz ungewöhnliches Vergnügen, diesen Film zu sehen, der 2010 auf dem Sundance Filmfestival und auf der Berlinale gefeiert wurde sowie 2011 eine Oscar-Nominierung als bester Dokumentarfilm erhielt. Banksy bleibt bemüht, seine Identität geheim zu halten. Seine Graffitis hingegen sind inzwischen weltberühmt.
R + B: Banksy – K: Eric Coleman, Brian Cross, Jerry Henry, Todd Mazer – M: Geoff Barrow, Roni Size – USA/GB 2010 – L: 87 Min.
Di. 20.09.2011 / 20:00
VHS / Cinema Italiano (OmU)

»Amarcord« heißt »Ich erinnere mich«: Kraftvoll und oft sehr komisch erinnert sich Fellini an seine Jugend in Rimini und zeichnet eine von einfachen Menschen, Kauzen und Originalen belebte Provinzlandschaft, wobei er auch psychische und politische Bedingtheiten der 30er Jahre einbezieht. Ein Zeitbild, in dem der Satiriker Fellini seiner Phantasie und Vorliebe fürs Groteske freien Lauf lässt. Eine bildmächtige Schau des vielfältigen, abgrundtief hässlichen wie unendlich schönen Lebens. Alles an diesem Film, der 1973 den Oscar als bester fremdsprachiger Film gewann, ist absolut zeitlos. Sollte man es an diesem Montag nicht einrichten können zu kommen – er hat auch in zehn oder zwanzig Jahren immer noch seine Qualität.
R: Federico Fellini – B: Tonino Guerra, Federico Fellini – K: Giuseppe Rotunno – M:
Nino Rota – D: Magali Noël, Bruno Zanin, Armando Brancia, Pupella Maggio, Nando Orfei, Ciccio Ingrassia – Italien 1973 – L: 123 Min. – Italienische Originalfassung mit deutschen Untertiteln.
Mo. 19.09.2011 / 20:00
Reihe: Der besondere Film

Frühling, Sommer, Herbst, Winter – ein Jahr im Leben von Tom und Gerri: Ihr Leben verläuft im Rhythmus der Natur. Einen Großteil ihrer Zeit widmet das sympathische Paar um die Sechzig ihrem Schrebergarten. Durch ihre Herzenswärme und großzügige Gastfreundschaft wird ihr Refugium zu einer wahren Zufluchtsstätte für Freunde und Verwandte in allen möglichen Lebenskrisen. Da ist Gerris Arbeitskollegin Mary, die in Selbstmitleid versinkt, weil sie kein Glück mit den Männern hat. Oder der übergewichtige Ken, dessen Leitspruch „Less Thinking – More Drinking“ nicht nur sein T-Shirt ziert. Dann ist da noch Toms Bruder Ronnie, der im Winter seine Frau verloren hat. Mit seinem besonderen Gespür für die Komik und Tragik des Alltäglichen sieht der Regisseur Mike Leigh dem ganz normalen Leben in einer englischen Kleinstadt zu. Man spürt, dass in ANOTHER YEAR ein großer Regisseur am Werk ist. Und man möchte auf die Knie fallen vor diesen Darstellern. Ein tiefer Blick auf die Bedeutung von Freundschaft und Familie in einer individualisierten und alternden Gesellschaft.
R + B: Mike Leigh – K: Dick Pope – M: Gary Yershon – D: Jim Broadbent, Lesley Manville, Ruth Sheen, Oliver Maltman, Peter Wight, David Bradley – GB 2010 – L: 129 Min.
So. 11.09.2011 / 11:00
Zum 100. Geburtstag von Max Frisch

Eine Schriftstellerlegende. Ein Autor, der für die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts zu den wichtigsten Europas zu zählen ist. Der Regisseur Matthias von Gunten befragte Weggefährten und Freunde des Schriftstellers, den Schweizer Autor Peter Bichsel etwa, der sichtlich bewegt von seinem im Alter von 80 Jahren verstorbenen Freund erzählt, oder Günter Grass und Christa Wolf. Oder eben politische Köpfe wie Altbundeskanzler Helmut Schmidt und Ex-US-Außenminister Henry Kissinger. Bei alledem wird hier der Fokus bewusst auf den politischen Menschen Max Frisch gelegt, auf den Bürger, der sich einmischt, der Stellung bezieht, der Rat gibt.
R: Matthias von Gunten – K: Matthias Kälin – Mit Peter Bichsel, Günter Grass, Gottfried Honegger, Henry Kissinger, Helmut Schmidt, Christa Wolf – Schweiz 2008 – L: 92 Min.
Im Rahmen der Reihe „Literatur im Theater“ liest Helbert Häberlin heute Abend um 19:00 Uhr von Max Frisch den Text „Schinz“.