ARCHIV FÜR September 2013

Mo. 30.09.2013 / 20:00

mutter und Sohn

Der Berlinale-Gewinner 2013 aus Rumänien

Die Geschichte aus der rumänischen Oberschicht ist kühl, klar und unspektakulär erzählt, auch wenn sie von der fast monströsen Mutterliebe handelt, mit der eine Frau ihren erwachsenen Sohn erdrückt, während sie alles tut, um ihn nach einem durch ihn verschuldeten Verkehrsunfall mit tödlichem Ausgang vor dem Gefängnis zu bewahren. Gerade in der nüchternen, dokumentarisch wirkenden Rekonstruktion des strategischen Feldzugs, den die Mutter in Gang setzt, um den Sohn zu schützen, erreicht der Film den deprimierenden Höhepunkt: Der rohe Materialismus und die arrogante , menschenverachtende Überzeugung, dass sich mit Geld alles richten lässt, nimmt einem den Atem. Ein beachtenswert inszenierter Film, der die komplexe Kunst des Einfühlungsschauspiels meisterhaft zur Anwendung bringt.

Mo. 23.09.2013 / 20:00

SUNRISE (SONNENAUFGANG – LIED VON 2 MENSCHEN)

Literaturverfilmung nach „Die Reise nach Tilsit“ von Hermann Sudermann

Es ist der erste von Friedrich Wilhelm Murnau in Amerika fertig gestellten Filme und wurde 1927 uraufgeführt. 1928 erhielt er bei der ersten Oscar-Verleihung die Academy  Awards für den besten Film, die Hauptdarsteller, die Kameraarbeit und die Ausstattung. Zu Recht: Murnaus klassischer Stummfilm – mit der Musik von Hugo Riesenfeld  – um die Themen Schuld, Gnade und neugeschenktes Glück ist ein Kinotraum von großer Intensität, in dem elementare Gefühle durchlebt und aufgelöst werden. Meisterhaft in Fotografie, Stimmung und Stil. Ein Musterbeispiel dafür, wie virtuos Murnau mit den Gegensätzen Stadt-Land, Erde-Wasser, Licht-Schatten arbeitet. SUNRISE zählt bis heute zu den besten Filmen aller Zeiten.

Mo. 16.09.2013 / 20:00

quellen des Lebens

Ein melancholisches, ironisches, bundesrepublikanisches Familienepos

Der Film erzählt mitreißend, sehr bewegend und mit viel Humor die Geschichte von Robert Freytag und seiner Familie über drei Generationen – und damit zugleich die die Geschichte der Bundesrepublik Deutschland: Kriegsrückkehrer Erich Freytag wird mit seiner Gartenzwergfabrik  schon bald ein Teil des deutschen Wirtschaftswunders. Sohn Klaus träumt während des gesellschaftlichen Umbruchs der 60er Jahre von einer Schriftstellerkarriere. Er verliebt sich in die hochtalentierte und aus wohlhabendem Elternhaus stammende Gisela. Ihr gemeinsames Kind Robert, das nicht so recht in die Pläne der Eltern passt, schicken sie auf eine lange Odyssee durch die eigene Familie und die unterschiedlichsten Orte der Republik. In sinnlichen Bildern erinnern wir uns an ein Westdeutschland, das es so nicht mehr gibt – und wie wir wurden, was wir sind.

Mo. 09.09.2013 / 20:00

saiten des Lebens

Eine Viererehe am Notenpult bleibt ganz nah dran an Beethoven

Die vier Musiker eines weltberühmten Quartetts zeichnen sich aus durch ihre technische Perfektion und das einfühlsame Ausloten der emotionalen Tiefe einer Komposition.  Als beim Cellisten die Parkinson-Krankheit diagnostiziert wird, brechen angesichts dieser Krise auch lange unterdrückte Spannungen zwischen den Musikern auf, die neben dem Fortbestand des Quartetts auch ihre Freundschaft bedrohen. Ein vielschichtiges Gleichnis über die Fragilität von Beziehungen und über die Veränderlichkeit des Lebens. Was Regie und Darsteller aus der Viererehe am Notenpult gemacht haben, gehört zu den besten dramaturgischen Etüden, die das Kino in den vergangenen Jahren hervorgebracht hat.

So. 08.09.2013 / 20:00

ihr werdet euch noch wundern

Die Mythen und die Gefahren des Schauens

Dieser Film ist ein Theaterthriller und gleichzeitig ein grandioses Schelmenstück. Mit leichter Hand verwebt der große Regisseur Alain Resnais verschiedene Realitäts- und Fiktionsebenen zu einem hinreißenden Reigen, bei dem reale Figuren und Rollen, die Welt und die Bühne, Spiel und Ernst, Leben, Liebe und Tod sich immer wieder zu neuen Formationen arrangieren. Er eröffnet auf wunderbare Weise den theatralischen Raum zur wahren Weite und Tiefe des Kinos.

So. 08.09.2013 / 11:00

breathing earth

Reihe: Kunst + Künstler

Das feinfühlige Porträt des faszinierenden “Künstlers des Windes“ Susumu Shingu, der mit seinen aufsehenerregenden Werken überall in der Welt vertreten ist – und gleichzeitig ein spannender Dialog mit der Natur, wie wir ihn im Alltagsleben kaum wahrnehmen. Dieses scheinbar unsichtbare Universum setzt der Regisseur Thomas Riedelsheimer (“Rivers and Tides“!) in eine fast meditative Bildsprache um. Susum Shingu: „Ich möchte dem Rhythmus der Natur, dem Wind, dem Wasser und der Erdanziehungskraft, den natürlichen Energien durch meine Werke Ausdruck verleihen.“