ARCHIV FÜR September 2015

Di. 22.09.2015 / 20:00

UNE NOUVELLE AMIE VHS/Cinéma Français OmU

Deutscher Titel: EINE NEUE FREUNDIN

Claire und Laura sind beste Freundinnen aus Kindertagen. Sie feiern eine Doppelhochzeit, Laura ist bald schwanger und bringt ein Mädchen zur Welt. Sie stirbt jedoch kurz nach der Taufe ihrer Tochter. Bei der Trauerfeier verspricht Claire, sich zeitlebens um die Tochter und den Mann ihrer Jugendfreundin kümmern zu wollen. Sie leidet jedoch sehr unter dem frühen Tod von Laura und muss außerdem feststellen, dass deren Ehemann David, scheinbar um gegenüber seiner Tochter sowohl die Vater- als auch die Mutterrolle zu erfüllen, in die Rolle seiner verstorbenen Frau schlüpft. Eine grenzüberschreitende Identitätssuche im Spannungsfeld der Geschlechterrollen.

Mo. 21.09.2015 / 20:00

AMY

The girl behind the name

„Ich bin kein Mädchen, das ein Star sein will. Ich bin ganz einfach ein Mädchen, das singt.“ Amy Winehouse sagte diese Sätze als Teenager. Die Szene ist in einer Dokumentation zu sehen, die an das kurze Leben der Sängerin und Songschreiberin erinnert. Der Regisseur Asif Kapadia erhielt Zugang zu bisher unveröffentlichtem Material und Einblicke in persönliche Videos, Notizbücher und Tonaufnahmen. Die emotionale Charakterstudie der 2011 im Alter von 27 Jahren gestorbenen Musikerin verliert trotz privater Einblicke in ihr kurzes Leben nie den Respekt vor dem Menschen hinter dem Namen. Ein intimes, sehr berührendes Porträt.

Mo. 14.09.2015 / 20:00

VICTORIA

Das vibrierende Ende einer Berliner Nacht in 140 Minuten ohne Schnitt.

Sebastian Schipper drehte die 140 Minuten einer langen Berliner Nacht in einem filmischen Atemzug, in einer einzigen, ungeschnittenen Einstellung. Ein kühnes Experiment ist dieser Film, der sich mit vitalem Furor gegen die sterile Perfektion der digitalen Bilder auflehnt und stattdessen Raum schafft für die Unwägbarkeiten und Vibrationen des Lebens. Es beginnt in einer schummrigen Technoclubhöhle, in einem Meer aus flackernden Lichtern und wummernden Bässen. Ganz langsam fischt die Kamera eine Figur aus der Masse der zuckenden Leiber, die junge Spanierin Victoria, die noch ganz frisch ist in Berlin. Ihr zwischen Neugier und Unsicherheit schwankender Blick auf die Welt prägt den Film genauso wie der Mir-gehört-die-Welt-Machismo der vier Jungs, mit denen sie Minuten später vor dem Club rumsteht. Die Kamera ist als Stellvertreter des Publikums unmittelbar dabei. Die Distanz zwischen Zuschauer und Handlung ist nahezu aufgehoben. Es entwickelt sich ein ungeheurer Sog, wenn aus der verlängerten Klubnacht langsam eine Liebesgeschichte entsteht, die sich wiederum in einen Krimi verwandelt, mit Banküberfall und groß angelegter Flucht vor der Polizei. Nur 12 Seiten liegen dem 140minütigen Film zugrunde: dieses Gerüst haben die Schauspieler grandios mit improvisiertem Leben und ansteckender Energie gefüllt. Vor allem auch der Kameramann, der nicht einfach nur stur dranbleibt, sondern mit der flirrenden Chemie zwischen den Helden auch das vibrierende Berliner Lebensgefühl einfängt. Der Lohn bei der Verleihung des Deutschen Filmpreises 2015: Bester Film – Beste Regie – Beste Kamera – Beste Filmmusik – Beste weibl. Hauptrolle – Beste männl. Hauptrolle !

So. 13.09.2015 / 20:00

BOYHOOD

Die Entwicklung einer Menschwerdung.

In seinem einzigartigen Langzeitprojekt erzählt uns Richard Linklater einfühlsam eine Familiengeschichte, eine Geschichte des Heranwachsens. Im Mittelpunkt steht Mason, der am Anfang Erstklässler ist, dazu seine Schwester, seine Mutter und sein oft abwesender Vater. Am Ende ist der Junge von zu Hause ausgezogen und kommt im College an. Zwölf Jahre sieht man vergehen – und zwölf Jahre hat der Regisseur an diesem Film gearbeitet. Jedes Jahr wurden immer wieder Szenen mit Mason und seiner Familie gefilmt. Wenige Tage nur, was aber ausreichend war, um die ganze reale Arbeit des Wachsens und Lernens und Ausprobierens einzufangen. Auch das Grauwerden der Eltern, ihre verlorenen Illusionen, ihr Zugewinn an Souveränität. Ein Film nicht nur über das Leben, sondern direkt aus dem Leben

So. 13.09.2015 / 11:00

NATIONAL GALLERY

Ein faszinierender Film über das Malen, das Hören und das Sehen.

Jahr für Jahr besuchen Millionen von Menschen die Londoner Institution. In Frederick Wisemans Film ziehen Großaufnahmen am Auge vorbei. Wie wir Kinozuschauer blicken die Besucher des ehrwürdigen Museums durch die Leinwand auf eine andere Welt – die vielleicht in ihnen selbst liegt. Wir sehen glühende, fremdelnde, durchdringende, fragende, ehrfürchtige Blicke. Die Leinwand trifft die Netzhaut: Rubens, Vermeer, Rembrandt, Caravaggio, Tizian, Van Gogh. Es entsteht der Eindruck eines erwiderten Blicks. Man fragt sich, wer nun wen anblickt. Die Gemälde befragen die Menschen. Sie sind keine reinen Ausstellungsobjekte, sondern Protagonisten.